Gib mir fünf! - Ausstellungstipps

Die fünf Ausstellungstipps der Woche

Jede Woche präsentieren wir Kunst, die Sie auf keinen Fall verpassen dürfen. Diesmal unter anderem mit dem Gronk, der Leistungsgesellschaft, kognitiven Landkarten und der Untersuchung von Untersuchungsmethoden.

Hamburg: Hier kommt der Gronk!

Der "Gronk" lebt – möchte man jedenfalls meinen, wenn man tief in die glasigen Augen von Elmar Lauses Phantasie–Kreatur blickt.

Der Hamburger Künstler versteht es, seinen Werken mit dreidimensionalen Elementen Leben einzuhauchen. Seine Bilder tragen verrückte Namen wie "Shvoomm", "Gelbbacke" oder "The Chronicles of SupaSupa". Darin eignet sich Lause uns bekannte Bilderwelten an – ob aus Comics, dem Street-Art-Milieu oder Videospielen – und setzt die Motive in den Kontext seiner eigenen schrägen Kunstgalaxie. Er manipuliert, collagiert und experimentiert. Vor seiner Verfremdungskunst ist niemand sicher – auch nicht die Nintendo-Ikone Super Mario.

Mit der "Gronkshow III" widmet die Affenfaust Galerie in Hamburg-St. Pauli ihm bereits die dritte Einzelausstellung. Neben der Fortsetzung alter Serien, wie zum Beispiel dem "Gronk", gibt es auch neue serielle Arbeiten zu sehen: Für die Reihe "Flatterbandphase" ließ Lause sich von Absperrbändern inspirieren und griff die nahezu ätzend-grelle Signalfarbe, die Unbefugten sonst "Betreten verboten!" kommunizieren soll, in seinen Bildern auf.

Elmar Lauses Ausstellung "The Gronkshow III – Das Gegenständliche siegt" ist vom 15. März bis 5. April 2014 in der Hamburger Affenfaust Galerie zu sehen.

München: Ein Leben für die Arbeit?

Wo liegt die Grenze zwischen Arbeit und Privatleben? Gibt es diese in Zeiten von Smartphones und ständiger Erreichbarkeit überhaupt noch? Der taiwanische Künstler Tehching Hsieh, der bekannt ist für seine unerbittlichen "One Year Performances", stellte sich die erste Frage bereits vor mehr als 30 Jahren: Von 1980 bis 1981 installierte er in seiner Wohnung eine Stechuhr. Zu jeder vollen Stunde stempelte er darin wie ein Fabrikarbeiter eine Zeitkarte ab – 24-mal täglich, 365 Tage lang.

Die Gruppenausstellung "Playtime" im Münchner Lenbachhaus erkundet mit Werken von unter anderem Tehching Hsieh, Peter Piller, Francis Alys, Sharon Lockhart, Anna Oppermann und Mladen Stilinovic, wie sich Künstler verschiedenster Generationen mit dem Thema Arbeit und Leistungsgesellschaft auseinandersetzen. Dabei reflektieren die Künstler auch die eigene, künstlerische Arbeit.

Die Ausstellung "Playtime" ist vom 15. März bis 29. Juni 2014 im Münchner Lenbachhaus zu sehen.

Karlsruhe: Kognitive Landkarten

Wie kann die eigene Wahrnehmung eines Ortes visualisieren? Der deutsche Maler Franz Ackermann greift hierfür auf die Technik der Mental Maps zurück. In solchen kognitiven Landkarten verarbeitet er seine ganz persönlichen, subjektiven Sinneseindrücke der Orte, die er besucht hat. Für eine Ausstellung in der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe versuchte Ackermann, den Charakter der Stadt Karlsruhe zu visualisieren. Entstanden sind farbintensive, teils dreidimensionale, an Collagen erinnernde Karten, die versuchen, die urbanen Impressionen Ackermanns greifbar zu machen.

Für seine neueste Mental-Map-Serie besuchte Ackermann 18 verschiedene Orte in Karlsruhe: von wichtigen symbolischen Orten wie dem Hauptbahnhof und dem Zoo bis hin zu unscheinbaren, persönlichen Orten wie der Dönerbude von nebenan, Brückenunterführungen und Trafohäuschen. Ergänzt wird die Ausstellung durch Fotografien von Ackermanns Reisen, seinen Zeichnungen und Aquarellen und 80 Werken badischer Künstler des 19. Jahrhunderts, die er gemeinsam mit den Museumskuratoren ausgewählt hat.

Die Ausstellung "Franz Ackermann – Mental Maps – Eikones" ist vom 14. März bis 11. Mai 2014 in der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe zu sehen.

Berlin: Untersuchung von Untersuchungsmethoden

Sie kommen zum Einsatz, wenn ein Verbrechen aufgeklärt werden soll oder der Staat jemanden minutiös überwachen will: forensische Methoden. Dabei sind viele der Verfahren aus der Werkzeugpalette der Forensik bildgebende Verfahren: Sie erstellen und analysieren zum Beispiel Satellitenaufnahmen, virtuelle Rekonstruktionen, Animationen und Datenvisualisierungen. Auch ist die Forensik selbst zum Teil der Medien geworden – in abendlichen Kriminalserien ist sie allgegenwärtig.

Mit der Ausstellung "Forensis" dreht das Berliner Haus der Kulturen den Spieß nun um – und macht die forensischen Methoden selbst zum Gegenstand einer Untersuchung. Welches Potential birgt die ästhetisch-politische Praxis der Forensik? Wie können Individuen und Nicht-Regierungs-Organisationen die Werkzeuge der Kriminaltechnik einsetzten?

Die Ausstellung "Forensis" ist vom 15. März bis 5. Mai 2014 im Berliner Haus der Kulturen der Welt zu sehen.

Graz: Vor dem Film war die Schrift

Welches Verhältnis hat Schrift zu Kunst und Film? Mit der internationalen Gruppenausstellung "Wörter als Türen in Sprache, Kunst, Film" erkundet das Grazer Künstlerhaus KM die wechselseitige Beziehung zwischen Schrift, Kunst und bewegtem Bild. Mit der stetig wachsenden, digitalen Präsenz von Videos und neuen Videoformaten wie etwa dem HD-Format rückt das bewegte Bild als solches zunehmend in den Vordergrund und der Prozess der Filmproduktion, der auch schriftliche Teile beinhaltet, in den Hintergrund.

Wie und ab wann beginnt ein Film, vom Wort aus gedacht? – diese Frage zieht sich wie ein roter Faden durch die Ausstellung. Gezeigt werden zum Beispiel Arbeiten von David Lamelas, Jennifer West, Pierre Bismuth und Sonja Gangl. Mit ihrer Serie "the end" kreierte die deutsche Künstlerin Sonja Gangl eine Hommage an das früher obligatorische "The End" am Schluss eines Films. Hierfür fertigte sie eine Serie zeichnerischer Kopien der Schlussszenen älterer Filme an – und gab ihnen das einheitliche, moderne Bildformat "16:9".

Die Ausstellung "Wörter als Türen in Sprache, Kunst, Film" ist vom 15. März bis 18. Mai im Grazer Künstlerhaus KM – Halle für Kunst & Medien zu sehen.

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