Gib mir fünf! - Ausstellungstipps

Die fünf Ausstellungstipps der Woche

Jede Woche präsentieren wir Kunst, die Sie nicht verpassen dürfen. Diesmal mit dem Nachlass eines Mulitmillionärs, Reisen durch Zeit und Raum und dem Who-is-Who des deutschsprachigen Kinos.

Ulm: Megastars auf Augenhöhe

Prominenz zum Anfassen: Auf 100 zwischen 2009 und 2011 entstandenen Porträtfotos zeigt Jim Rakete Stars, die dem Betrachter auf Augenhöhe begegnen.

Der Berliner Fotograf lichtete in „Stand der Dinge“ Legenden, Macher und Talente des deutschsprachigen Kinos für das Deutsche Filmmuseum ab, darunter Moritz Bleibtreu, Martina Gedeck, Ulrich Tukur, Anna Maria Mühe, Wim Wenders, Caroline Link und viele mehr.

In der Bilderreihe haben sich alle Porträtierten mit einem Gegenstand fotografieren lassen, mit dem sie eine persönliche Erinnerung ihrer filmischen Karriere verbinden, wie Caroline Link mit ihrem Oscar. Weil diese Dinge im Mittelpunkt stehen, ist die ganze Serie in Farbe fotografiert, im Gegensatz zu Raketes Gewohnheit, eher schwarz-weiße Bilder zu schießen. Dadurch, und durch die digitale Art der Aufnahme, wird sein sanfter, klarer fotografischer Stil deutlich erkennbar. So grinst man beinahe zurück, wenn Anna Maria Mühe unter der dicken Wintermütze fröhlich in die Kamera lacht. Die Stimmung auf den Bildern wird in der Reihe regelrecht spürbar.

Die Ausstellung "Stand der Dinge" ist vom 5. Juli bis 8. September im Stadthaus Ulm zu sehen.

Stuttgart: Mysteriöse Frauen

150 Jahre alt wäre Edvard Munch im Dezember geworden. Das Jubiläum nimmt die Alte Staatsgalerie zum Anlass, dem norwegischen Maler und Grafiker eine Ausstellung mit insgesamt 65 Werken "vom ersten Kuss bis in den Tod" zu widmen. Dabei darf Munchs bekannteste Arbeit "Der Schrei" nicht fehlen, den die Staatsgalerie als weltweit einzigen Abzug auf violettem Papier besitzt. Bei näherem Hinsehen entdeckt der Betrachter: Munch selbst titulierte das Bild mit "Geschrei".

In seinem Schaffen fokussierte sich der Maler auf die Gefühlswelt. Immer wieder tauchen die tiefsten Abgründe der Menschheit in Motiven wie Krankheit, Angst, Tod, Verzweiflung und Eifersucht auf. Letztere beschäftigte den Künstler besonders, hatte er doch wenig Erfolg beim anderen Geschlecht. Das "Mysterium Frau" taucht in der Ausstellung immer wieder auf: Frauen als Vampire, Dämonen oder Salome. Ebenso abwechslungsreich wie die Themen sind die Techniken, derer der Maler sich bediente. Insbesondere seine Grafiken entstanden auf so verschiedenen Materialien wie Platten, Steinen oder Holzstöcken.

Die Ausstellung "Vom ersten Kuss bis in den Tod" ist vom 5. Juli bis 6. Oktober in der Alten Staatsgalerie Stuttgart zu sehen.

Siegen: Zeitreisende

Fiona Tan arbeitet in Amsterdam. Ihre Eltern kommen aus China und Australien, geboren wurde sie in Indonesien. Wo sie ihre Wurzeln hat, weiß sie nicht. In ihrer Videoarbeit "May You live in interesting Times" macht sie sich auf die Suche danach und reist durch Raum und Zeit. Um diese beiden Attribute geht es auch in den anderen Werken in der Ausstellung „Ausgangspunkt“ im Museum für Gegenwartskunst in Siegen. Der Film "Seven" dauert gleich ganze sieben Stunden und zeigt eine Reise durch die eigene Zeit; das Leben vom Säugling bis zum Greis.

Tans Videoarbeiten machen den Hauptteil der Ausstellung aus. Auf Bildschirmen, die mitten im Raum hängen, zeigt sie indigene Völker, auf Reisen gefilmt, beobachtet vom Zuschauer. Weil der aber mittendrin steht zwischen all den Bildschirmen, wird er zum Beobachteten – ein Wandel in der Zeit des Kolonialismus. Im Film "A Lapse of Memory" verschwimmt die Zeit für den Betrachter: Die Tage des alten Henrys sehen alle gleich aus, immer wieder handelt er nach den gleichen Ritualen. Auf verschiedene Weisen bringt die Künstlerin so die eigene Wahrnehmung durcheinander und sorgt damit für ganz neue Perspektiven.

Die Ausstellung "Ausgangspunkt" ist vom 5. Juli bis 27. Oktober im Museum für Gegenwartskunst in Siegen zu sehen.

Wien: Unterhaltung in Grenzen

Was steckt hinter den Dingen, die den Alltag beherrschen, wie Medien, Handel, Ästhetik und Politik? Dieser Frage geht der 1982 in Neuseeland geborene Simon Denny in seinen Werken nach. Sein aktuelles Projekt thematisiert den Fall des Unternehmers Kim Dotcom, dessen Internetportale Megaupload und Megavideo aufgrund einer Urheberrechtsklage durch das US-Gericht geschlossen wurden. Die anschließende Diskussion über Eigentumsrechte und den Austausch von Daten beschäftigte Menschen weltweit.

Das Museum moderner Kunst zeigt in "The Personal Effects of Kim Dotcom" nun eine raumumfassende Installation des Künstlers, die alle 110 Objekte der Beschlagnahmungsliste umfasst. Das Ergebnis, mit Objekten wie einer lebensgroßen Predator-Statue, Kunstwerken und drei Kubikmetern Bargeld, nennt Denny eine "Anhäufung von Kopien, Plagiaten und Imitaten des 'echten' Diebesguts". Sie zeige, worum es in dieser aktuellen juristischen Frage geht: um Grenzen und Gesetze, Unterhaltung und Überwachung, Diebstahl und Eigentum.

Die Ausstellung "The Personal Effects of Kim Dotcom" ist vom 5. Juli bis 13. Oktober im Mumok in Wien zu sehen.

Zell: Harmonie der Farben

Die Harmonie der Farben und geometrischen Formen war Max Ackermann überaus wichtig. Der in Berlin geborene Künstler zählt zu den wichtigsten Künstlern der abstrakten Malerei der Nachkriegszeit in Deutschland. Seine sozialistisch anmutenden Werke wurden unter den Nationalsozialisten verboten, beschlagnahmt und als entartete Kunst bewertet. Das Museum Villa Haiss in Zell präsentiert nun mit "Transformation und Transzendenz" das ganze Farbspektrum Ackermanns.

Ackermann erhob sein Bedürfnis nach Ausgeglichenheit zu seinem eigenen künstlerischen Prinzip: Jede Farbe braucht ihr Gegengewicht im Bild, um eine harmonische Komposition erschaffen zu können. Mithilfe bunter Farbtupfer oder farblicher geometrischer Formen schafft er jedoch nicht nur Harmonie im Bild. Durch die starken Kontraste von Komplementärfarben entstehen gleichzeitig Spannungen, die seine Werke knallig und voller Leben wirken lassen. Ackermann ist außerdem bekannt für seine außergewöhnlichen Blautöne, die auch in der Ausstellung immer wieder auftauchen.

Die Ausstellung "Transformation und Transzendenz, Bilder und Pastelle aus dreißig Jahren" ist vom 6. Juli bis 8. September im Museum Villa Haiss in Zell zu sehen.