Gib mir fünf! - Ausstellungstipps

Die fünf Ausstellungstipps der Woche

Jede Woche stellen wir Ihnen Kunst-Höhepunkte vor. Diesmal: Eine Ausstellung – zwei Künstler, abstrakte Parallelwelten und eine lange Nacht zum Wachbleiben

Hamburg: Tal R – The elephant behind the clown

Es gibt ganz unterschiedliche Ausgangspunkte, über die Künstler ihre Ideen für neue Werke festhalten und sich auf den eigentlichen Schaffensakt vorbereiten: Genaue Skizzen, digitale Entwürfe oder fotografische Dokumentationen sind besonders beliebte Mittel. Nicht so bei Tal Rosenzweig, kurz: Tal R. Der israelisch-dänische Künstler bevorzugt es, mit Worten zu beschreiben, was er später auf Leinwand festhalten will.

Ob Collagen, Zeichnungen oder Malereien – bevor der 1967 geborene und in Kopenhagen lebende Künstler sein Werk beginnt, hält er seine Ideen in komplexen Sätzen fest und nutzt sie als Ausgangspunkt. Im Transformationsprozess versucht er dann, seiner Beschreibung auch im Aufbau der Sprache so nah wie möglich zu kommen. Wie das mit abstrakten Formen und gegenständlichen Figuren gespickte Endergebnis dieser speziellen Herangehensweise aussieht, zeigt jetzt der Hamburger Kunstverein in einer dafür neu errichteten Architektur im ersten Obergeschoss.

"Tal R - The Elephant Behind the Show" wird vom Kunstverein in Hamburg vom 9. April bis 13. Juni 2011 präsentiert.

Heidelberg: Ecke Bonk und Kitty Kraus

Kunst und Wissenschaft passen genauso wenig zusammen wie Musik und Politik? Das sieht Ecke Bonk anders. Das Werk des 1953 in Kairo geborenen Konzeptkünstlers will eine Weltanschauung vermitteln, in der wissenschaftliche und kulturelle Leistungen miteinander verschmelzen. So sind Bonks künstlerische Installationen als Erklärungs- und Denkmodelle zu verstehen, die physikalische Lehren wie die Thermodynamik oder die Quantenphysik für den Betrachter sinnlich erfahrbar machen. Vor diesem Hintergrund präsentiert Bonk in der Halle des Heidelberger Kunstvereins unter anderem einen Klavierflügel, über den durch die für den Menschen nicht sichtbare kosmische Strahlung einzelne Töne erklingen. Was als geisterhaftes Erlebnis in Erinnerung bleibt, ist selbstverständlich wissenschaftlich erklärbar. Daneben sind in weiteren Abteilungen der Halle naturwissenschaftliche Instrumente und Porträts bedeutender Physiker und Naturphilosophen wie Max Planck oder Robert Oppenheimer zu sehen. Der Kunstverein zeigt die Ausstellung in Verbindung mit dem 625-jährigen Jubiläum der Universität Heidelberg, Deutschlands ältester Universität.

Parallel zur Ausstellung von Ecke Bonk wird im Studio des Heidelberger Kunstvereins die Ausstellung der jungen Künstlerin Kitty Kraus eröffnet. Das New Yorker Guggenheim Museum würdigte die gebürtige Heidelbergerin bereits mit einer Einzelausstellung. Kraus ist für ihre minimalistischen Installationen bekannt, für die sie zumeist industriell gefertigte Materialien wie Teer, Klebeband oder Glühlampen verwendet. Aktuell ist Kraus für den Preis der Nationalgalerie für Junge Kunst nominiert.

Der Heidelberger Kunstverein zeigt die Arbeiten von Ecke Bonk und Kitty Kraus vom 9. April bis 15 Mai 2011.

Salzburg: Immendorff/Lüpertz

Die expressive Malweise, das Spiel mit der Symbolik und der Hang zum Abstrakten: Diese Komponenten plus einer gezielten Note Sozialkritik verbinden das parallele Schaffen von Jörg Immendorff (1945 bis 2007) und Markus Lüpertz (Jahrgang 1941). Als Männer der Nachkriegsmoderne reflektieren die bis zum Tod von Immendorff freundschaftlich verbundenen Künstler die Traditionen der deutschen Zeit- und Kunstgeschichte. Um nun auch der Öffentlichkeit einen Überblick über die parallele Entwicklung der beiden international renommierten Maler, Zeichner, Grafiker und Bildhauer zu geben, zeigt das Museum der Moderne in Salzburg mit der schlicht „Immendorff / Lüpertz“ betitelten Ausstellung erstmals einen größeren Komplex von Gemälden, Skulpturen und Grafiken.

Das MdM Salzburg zeigt die Ausstellung „Immendorff / Lüpertz“ vom 9. April bis 3. Juli 2011.

Berlin: Gottfried Jäger – Konkrete Fotografie

"Folgen von Folgen von Folgen von Folgen von Folgen" lautet der wirklich lange Titel von Gottfried Jägers Austellung Konkreter Fotografie Austellung. Er basiert auf einem Zitat des Lyrikers Helmut Heißenbüttel aus dem Jahr 1961. Jäger (Fotograf, Fototheoretiker und ehemaliger Fotolehrer) sucht mit seinen experimentellen Arbeiten die Verbindung zwischen konkreter Poesie und Fotografie. "Konkret" meint hier eine Fotografie, die keine äußeren Gegenstände zulässt und sich selbst zum Thema macht: Licht, Fotomaterial und Apparat stehen im Vordergrund. Der 1937 in Burg geborene Jäger hat den Begriff der konkreten Fotografie noch um die Merkmale konstruktiv, systematisch und seriell erweitert und damit den Begriff der Generativen Fotografie geprägt. Beispiele dieser Art werden in der Ausstellung zu sehen sein. Daneben zeigt Photo Edition Berlin, Galerie und Verlag für Fotografie, auch neuere Werke, zu denen insbesondere Jägers Fotopapierarbeiten zählen. Der Künstler ist am Eröffnungstag anwesend.

Die Ausstellung läuft vom 10. April bis 28. Mai 2011 in der Galerie Photo Edition Berlin.

Stuttgart: Lange Nacht der Museen

Kunstbegeisterte im Raum Stuttgart gehen dieses Wochenende spät ins Bett. Bis 2 Uhr nachts können die Besucher der "Langen Nacht der Museen" beinahe 100 Ausstellungsorte besichtigen. Darunter feiern gleich 17 Einrichtungen ihre Neueröffnung, zum Beispiel das weltweit größte Schweinemuseum. Außerdem gibt es die Möglichkeit, einem Gebetsritual in der Stuttgarter Moschee beizuwohnen oder in die Trauerräume und das Krematorium auf dem Pragfriedhof zu gehen. Sehenswert ist auch die als spektakulär deklarierte Kunstsammlung im Thieme Verlag, die zum ersten Mal der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird. Die Shuttle-Busse sind übrigens besser vernetzt denn je und bringen Kunstliebhaber schnell von einer Galerie zur nächsten.

Die Lange Nacht der Museen findet am 9. April 2011 von 19 bis 2 Uhr statt.