Gib mir fünf! - Ausstellungstipps

Die fünf Ausstellungstipps der Woche

Jede Woche präsentieren wir Kunst, die Sie auf keinen Fall verpassen dürfen. Diesmal mit Streifenbildern in einer ehemaligen Kirche, Bestien der Kunst und einer Auseinandersetzung mit den Alten Meistern.

Hamburg: Producer im Fokus

Während in Berlin alles auf die spannendsten Galerien und die größten Museen schaut, gibt die Producers Artfair in Hamburg dem Künstler selbst eine Bühne.

Unabhängig von Galerien und Institutionen präsentieren in einer stillgelegten Industriehalle 71 Künstlerinnen und Künstler ihre Arbeiten direkt und unmittelbar dem kunstinteressierten Publikum.
Die Werke stammen aus den Bereichen der Malerei, Fotografie, Installation, Skulptur, Film und Performance. Alle Teilnehmer verstehen sich als ein Kollektiv, in dem die Künstler eigenhändig die Halle und somit ihren Verkaufsraum und die Umgebung, in der sie präsentieren wollen, gestalten. Jeder der Künstler sollte mindestens zwei Werke unter 1 000 Euro ausstellen – ein Argument auch für junge Sammler, Galeristen und Kunstfreunde, die Messe zu besuchen.

Die P/Art als Non-Profit-Organisation will vor allem auch offene Fragen der Kunstszene zur Sprache bringen und diskutieren. Dabei geht es vor allem um den Begriff "Wert" in der Kunst und dessen Entstehung auf dem Markt im Zeitalter der Globalisierung. Geschäftsmodelle der Zukunft werden thematisiert und ihre Vor- und Nachteile besprochen. Im Anschluss an die Messe auf dem Kolbenhofgelände kooperiert die Producers Artfair mit dem Reeperbahnfestival am 26. September. Dann fragt die Veranstaltung P/artikel nach dem Übergang von bildender Kunst hin zu Musik.

Die Producers Artfair "P/ART" läuft vom 19. bis zum 22. September 2013 auf dem Kolbenhofgelände in Hamburg Bahrenfeld

Köln: Kirchenkunst

Ist es Zufall oder Schicksal, dass Max Cole sich schon vor vielen Jahren mit der Kreuzigung Petri befasste, und nun in einer Kirche ausstellt? Die erste umfassende Retrospektive der amerikanischen Künstlerin in Deutschland zeigt nicht nur abstrakte Arbeiten, denen sie sich ab den siebziger Jahren ausschließlich zuwandte. Auch frühere, bildsprachliche Werke werden in der Kunst-Station Sankt Peter ausgestellt. Mit der "Kreuzigung Petri" stellt sie bewusst eine eigene Arbeit dem gleichnamigen Werk von Peter Paul Rubens aus dem Jahr 1962 gegenüber. Erst nach diesem Kunstwerk wandte sich Max Cole der Abstraktion zu.

"Max Cole. Meditatons" zeigt in den Seitenschiffen und in der Taufkapelle der ehemaligen Kirche Werke auf Leinwand, auf der Empore Papierarbeiten. Klarheit und Tiefe zeigen sich sowohl in der Umgebung, die Cole als Ausstellungsraum dient, als auch in ihren Bildern. Und auch die erdigen Farbtöne, in breiten Streifen oder Flächen aufgetragen, harmonieren mit dem Kirchenraum. Horizontale Linien werden häufig durch kleine vertikale Striche ergänzt, die, dicht aneinandergesetzt und aus der freien Hand gezogen, wie die unzähligen kleinen Beinchen eines Tausendfüßlers wirken. Die so verliehene Lebendigkeit spielt auf spannende Weise mit dem ungewöhnlichen und kühl wirkenden Ausstellungsort der Kirche Sankt Peter.

Die Ausstellung "Max Cole. Meditations" ist vom 19. September bis zum 24. November 2013 in der Kunst-Station Sankt Peter in Köln zu sehen

Wien: Bunte Bestien

Die "Bestien" (französisch Fauves) der Malerei wurden sie genannt, weil sie die Kunst ihrer Zeit revolutionierten. Ihr Stil war der erste, der sich von der stumpfen Nachahmung der Natur befreite. Henri Matisse sowie viele seiner Freunde wie André Derain, Maurice de Vlaminck und Henri Manguin, erfanden den Fauvismus. Mit intensiven und nicht zwangsläufig wahrheitsgetreuen Farben, mit nur skizzenhaften Pinselstrichen sowie unmodellierten Farbflächen sonderten sie sich von bis dato geläufigen Stilen des zwanzigsten Jahrhunderts ab.

"Matisse und die Fauves" in der Wiener Albertina widmet den revolutionären Avantgardisten nun die erste umfassende Schau in Österreich, die sich dieser Stilrichtung annimmt. Dabei wird die Vorgeschichte des Fauvismus erwähnt und Matisses "Offenes Fenster" ausgestellt. Das berühmte Gemälde gilt, gemeinsam mit Porträts von Derain und Matisse, als Highlight der Ausstellung. Zeichnungen und Aquarelle ergänzen die ansonsten von sehr kräftigen Farben dominierte Schau. Den Abschluss bilden afrikanische Skulpturen aus den Nachlässen der Künstler sowie Matisses Bronzearbeiten bilden. Insgesamt werden 160 Werke von über 50 Leihgebern aus aller Welt gezeigt.

"Matisse und die Fauves" sind vom 20. September 2013 bis zum 12. Januar 2014 in der Albertina in Wien zu bewundern

Dresden: Zwiegespräche im Schloss

Georg Baselitz ist Maler, Grafiker und Bildhauer. Im Januar wurde er 75 Jahre alt, was das Residenzschloss Dresden zum Anlass nimmt, ihm in diesem Herbst eine ganz persönliche Ausstellung zu widmen – vom Künstler selbst entwickelt. So zeigt "Hintergrundgeschichten" die Anfänge seiner Karriere; wie Baselitz zur Malerei kam. Als Jugendlicher entdeckte er die Werke der Alten Meister für sich, nahm ihre Bilder in sich auf und schuf seine ganz eigene Interpretation davon. In diesem Prozess entstanden auch die ersten auf den Kopf gestellten Motive, die zu seinem Markenzeichen werden sollten.

Georg Baselitz gilt als Maler obszöner Darstellungen und grober Pinselstriche. Provokant fanden ihn seine Zeitgenossen Anfang der sechziger Jahre, und provokant ist auch die Hängung seiner Werke im Residenzschloss. Hier tritt er in den Dialog mit den Alten Meistern, stiftet eigenwillige Nachbarschaften mit ihren Kunstwerken sowie mit Arbeiten aus der Galerie Neue Meister und des Kupferstich-Kabinetts. Dabei beschränkt sich Baselitz bei seinen Arbeiten auf die letzten 15 Jahre. So hängt etwa Anton Raphael Mengs "Königin Maria Josepha" neben Baselitz' Ehefrau Elke, und Monets "Pfirsichglas" neben dem "Volkstanz", was Zwiegespräche hervorruft, die zuvor undenkbar waren.

Die Ausstellung "Hintergrundgeschichten" von Georg Baselitz geht vom 21. September bis zum 2. Dezember im Residenzschloss Dresden

Düsseldorf: Grüße aus dem Tessin

Er legte sich nie auf einen Stil fest. Die künstlerischen Richtungen seiner Zeit, wie Impressionismus, Pointilismus und Expressionismus, probierte Christian Rohlfs alle aus, ließ sich von ihnen inspirieren. Anregungen fand der deutsche Maler auch in seinen Reisen zu den Kunstzentren des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Dass er sich nicht nur an verschiedenen Stilen, sondern auch an neuen Techniken und diversen Materialien versucht, zeigt eine Ausstellung in der Düsseldorfer Galerie Ludorff.

Die Schau "Christian Rohlfs. Magie der Farben" zeigt ausgewählte Bilder des Künstlers, die die unterschiedlichen Stile veranschaulichen. Hier treffen Blumensträuße aus roten Tulpen oder Lilien sowie einzelne Blüten auf zunehmend abstrahierte Landschaften und Gebäude. Deren Farben scheinen ineinander zu laufen, ganz so, als würde die Luft vor Hitze flirren oder als sähe der Betrachter die Szenerie durch einen Regenschauer. Experimentierfreudig wirkt der Einsatz von Farben bei Rohlfs. So sticht häufig ein leuchtendes Rot ins Auge, während die übrigen Farben miteinander zu verschmelzen scheinen und blau zu grau und grau zu braun verläuft.

Die Düsseldorfer Galerie Ludorff zeigt vom 22. September 2013 bis zum 11. Januar 2014 Christian Rohlfs "Magie der Farben"