Gib mir Fünf! - Ausstellungstipps

Die fünf Ausstellungstipps der Woche

Jede Woche präsentieren wir Kunst, die Sie auf gar keinen Fall verpassen sollten. Diese Woche mit Berliner Electro in Hamburg, dem blanken Nichts und geheimen Botschaften aus München.

Berlin: Andreas Heusser "The No Show"

Heute noch nichts getan? Großartig! Der Künstler Andreas Heusser auch nicht. Und er macht daraus Kunst. Sogar eine ganze Ausstellung, nein, ein ganzes Museum voll Nichts. Wie man sich das vorstellen kann? Es fing wohl an mit Duchamp und dem Pissoir. Und brachte Heusser ins Grübeln – über das Nichts. Sein Diplom an der Kunsthochschule schloss er ebenfalls durch seine Nichtteilnahme an der Gruppenausstellung ab. Seitdem hat er sich dem Nichts verpflichtet. Sein "No Show Museum" in Form eines schwarzen Busses tourt durch Europa mit Endstation Biennale in Venedig und zeigt – genau – nichts! Dass genau dieses Nichts jedoch einen wesentlichen Bestandteil unserer zeitgenössischen Kunst darstellt und ein unterschätztes Phänomen ist, stellte auch Marina Abramovic fest: "The hardest thing to do is something, that is close to nothing." Wer am Samstag also auf nichts Lust hat – auf zum "No Show Museum". Versprechen lässt sich allerdings nichts.

Für Nichtsnutze und Puristen.

Die Ausstellung ist am 08. August ab 18 Uhr vor dem Grimmuseum in Berlin zu sehen.

Düsseldorf: Erika Kiffl – Fotografie von Ai Weiwei bis Gerhard Richter

Wer ist der größere Chaot: Ai Weiwei oder Günther Uecker? Erika Kiffl zog mit ihrer Kamera los um Künstler unserer Zeit in ihren Ateliers zu besuchen und dokumentierte nicht nur den Zustand der Arbeitsräume. Sie schuf Portraits, die Einblicke in die "Wiege der Kunst" ermöglichen. Obwohl der sagenumwobene Atlierraum der Ort ist, der den Mittelpunkt der kreativen Schöpfungsphase eines Künstlers darstellt, bleibt er meist im Verborgenen, das private Refugium des Künstlers. Kiffl ermöglicht einen Einblick in diese Welten und kreiert mit ihren Fotografien und Künstlerportraits selbst Kunstwerke über den Entstehungsort der Kunst. Im Museum Kunstpalast werden etwa hundert Werke präsentiert, die unter anderem die Frage aufwerfen, was sich wohl in Gerhard Richters Tupperdosen verbirgt.

Für Skopophile und Voyeure.

Die Ausstellung ist vom 07. August bis zum 18. Oktober 2015 im Museum Kunstpalast in Düsseldorf zu sehen.

Hamburg: Holly Herndon – "Everywhere and Nowhere"

DJane mit Doktortitel: Das hört sich clever an. Die kreative Heimat von Holly Herndon liegt in der Berliner Minimal Technoszene – bevor sie an der Stanford-University über "Computer Research in Music and Acoustics" promovierte. Die aktuelle Arbeit "Everywhere and Nowhere" entstand für den Klangdom des ZKM in Karlsruhe und sie arbeitet mit Klangfragmenten aus der alltäglichen Umgebung, die sie zu auditiven Assemblagen komponiert. In ihren Musikvideos regnet es einen Vorhang an NSA-Ikons oder der Betrachter wird mitgenommen auf eine digitale Reise durch Interfaces und surreale Raumwelten. Auch ihre Texte setzen sich kritisch mit Überwachung, digitalem Aktivismus und Gesellschaftstheorien auseinander. Raumgreifend setzt das der Kunstverein in Hamburg um: hier werden Soundinstallationen präsentiert, die performative Bewegung, Objekte und Klang miteinander verbinden. Das ist Kunst für alle Sinne.

Für Minimalbeatspezialisten und Glitch Art Fans.

Die Ausstellung ist vom 06. August bis zum 13. September 2015 im Kunstverein in Hamburg zu sehen.

München: 2. Biennale der Künstler – Codes: Geheimnisse und Botschaften

Wem das Wassertaxi auf Venedigs Canal Grande als Verkehrsmittel zu suspekt ist, kann auch in München sein Biennale-Glück finden! Zum zweiten Mal gastieren hier Künstler aus dem internationalen Feld, wobei der Schwerpunkt auf der aktuellen Szene in Tschechien liegt. Das diesjährige Sujet der Biennale widmet sich der Kunst der Codierung: Denn Kunst spricht ihre ganz eigene Sprache – jedes Werk transzendiert ein existentielles, gesellschaftliches oder philosophisches Phänomen. Diese Codes lassen sich nicht immer mit der Frage nach Sinn und Aussage entschlüsseln, sondern wollen in der Auseinandersetzung eines jeden Einzelnen mit dem Werk ihre Botschaft vermitteln. Nach so viel Sender-Empfänger-Analyse und Shannon-Weaver-Anlehnungen wird sich statt venezianischer Kanäle auch der Eisbach nebenan zur geistigen Erfrischung ideal eignen.

Für aquaphobe Kunstliebhaber und Kommunikationstheoretiker.


Die Ausstellung ist vom 08. August bis zum 27. September 2015 im Haus der Kunst München zu sehen.

Neumünster: Vom Grossen und Ganzen - Die Sammlung Haus N

Was passiert wenn Jonathan Meese zusammen mit Daniel Richter auf Hanne Darboven trifft? Auf jeden Fall entsteht eine Mischung mit Sprengkraft, die die Sammlung der Gerisch-Stiftung in ihrer ersten Ausstellung der Öffentlichkeit präsentiert. An großen Namen und der Vielfalt an Gattungen und Medien fehlt es der Sammlung nicht: Malerei, Skulptur und Installation sind ebenso vertreten wie Grafiken, Fotografien und Videowerke. Experimentell ist besonders die Kuration der Schau: Im Team sind neben Kunstexperten auch eine Schulklasse samt Lehrerin dabei. Was die Jungspundkuratoren über die von ihnen ausgewählten Werke denken und wie jedem Besucher garantiert ein überraschtes "Huch!" über die Lippen gehen wird, gibt es ab dem 8. August in Neumünster zu sehen.

Für Sammelwütige und Namedropper.

Die Ausstellung ist vom 08. August bis zum 04. Oktober 2015 in der Herbert Gerisch Stiftung in Neumünster zu sehen.