Gib mir fünf! - Ausstellungstipps

Die fünf Ausstellungstipps der Woche

Jede Woche präsentieren wir Kunst, die Sie auf keinen Fall verpassen dürfen. Diesmal mit einer Maschine, die die Welt versbessern soll, vollendeter Zukunft und Kunst in Bewegung

Regensburg: Faszination Akt

Es sind die Themen, die den Betrachter fesseln: Liebe, Tod und Nacktheit. Gemälde, die sich damit beschäftigen, suchen die Aufmerksamkeit, faszinieren.

Und sie stehen so gar nicht für das Werk von Käthe Kollwitz. Die bedeutende deutsche Grafikerin und Bildhauerin ist eigentlich für die Darstellung von Krieg, Krisen und die Not der Arbeiterschicht bekannt. Doch seit Beginn ihres Studiums und vor allem von 1888 bis 1890 beschäftigte sie sich intensiv mit der Aktmalerei, die sie später auch als Fach an der Berliner Künstlerinnenschule unterrichtete.

Die Ausstellung "Käthe Kollwitz – Akt im Fokus" im Kunstforum Ostdeutsche Galerie in Regensburg zeigt diese vielen Menschen unbekannte Seite der Künstlerin. Unter den Werken sind sowohl Skizzenblätter aus der Studienzeit und Kohle- und Kreidezeichnungen als auch nur als Unikate erhaltene druckgrafische Arbeiten. Hinzu kommen zwei Plastiken von Käthe Kollwitz. Die Schau wird abgerundet durch Ausstellungsstücke von Künstlern wie Max Klinger, Emil Nolde und Max Pechstein, die den unterschiedlichen Zugang zum Oberbegriff Akt darstellen sollen.

Die Ausstellung "Käthe Kollwitz – Akt im Fokus" läuft vom 24. August bis zum 3. November im Kunstforum Ostdeutsche Galerie in Regensburg

St. Moritz: Reich der Mitte

China liegt im Engadin. Umgeben von großen Bergen, deren Gipfel auch im Sommer weiße Hauben tragen, liegt der Heimatort des Kunstfestivals "St. Moritz Art Masters". Wo sich Skifahrer und kosmopolitischer Kururlauber Gute Nacht sagen, treffen sich für eine Woche Künstler von Nah und Fern(-Ost). 2013 dreht sich alles um Chinas Kunstszenen, die zwischen Tradition und westlichen Einflüssen, zwischen Kommunismus und Kapitalismus stehen. Gemeinsam mit wahren China-Spezialisten gibt das Festival Einblick die Kunstwelt des Reichs der Mitte und schlägt eine Brücke, von West nach Ost und wieder zurück.

Auf den Besucher wartet eine Ausstellung, kuratiert von Uli Sigg, mit namhaften Künstlern wie NI Youyu, XUE Feng, und Li Xi sowie den Stars Ai Weiwei und Fang Lijun. Eine Kooperation des "Organhaus Art Space" mit dem Schweizer Kunstnetzwerk "Artalliance" stellt junge Künstler aus der Region Sichuan vor, die eine Sicht auf das China außerhalb der Metropolen geben. Der chinesische Pulitzer-Preisträger Liu Heung Shing setzt sich in einer Ausstellung mit der Entwicklung des Fotojournalismus von der Kulturrevolution bis heute auseinander. Seine Werke ergänzen Fotografien von Patrick Demarchelier und Steve McCurry. Viele weitere Werke und Schauen spiegeln die Internationalität und lokale Verankerung sowohl St. Moritz’ als auch Chinas wieder.

Das Kunstfestival "St. Moritz Art Masters" findet vom 23. August bis zum 1. September in St. Moritz im Schweizer Engadin statt

Essen: 400 Pendel

Er ist ein Meister der Bewegungskunst, spielt mit Breite und Tiefe des Raumes. Im Neubau des Folkwang Museums nutzt William Forsythe als erster Künstler den ganzen Platz der großen Halle, in der, befestigt an einem Gitter, 400 Pendel in Bewegung versetzt werden. Ursprünglich sollten sie für einen Tänzer schwingen, nun darf der Besucher hindurchwandern. Die Installation "Nowhere and Everywhere at the Same Time No 2" wird zu einem ständig wechselnden Labyrinth, dessen Wände in Form der Pendel mit unterschiedlicher Intensität hin und her schwingen.

"Nowhere and Everywhere – William Forsythe" ist Teil der Ruhrtriennale, deren Kooperationspartner das Museum Folkwang seit vergangenem Jahr ist. Neben der Pendelinstallation zeigt das Museum zu diesem Anlass die Videoarbeit "City of Abstracts", in der der Besucher selbst zum Akteur zwischen wirbelnden Formen wird. Hinzu kommt eine Auswahl von Filmstudien aus Forsythes "Lectures from Improvisation Technologies", die die wichtigsten Prinzipien seiner Choreografien veranschaulichen. Im Film "Solo" dann taucht Forsythe endlich selbst als Tänzer auf – ein seltener Anblick.

Im Rahmen der Ruhrtriennale 2013 geht die Ausstellung "Nowhere and Everywhere – William Forsythe" vom 24. August bis zum 8. September

Berlin: Schatzsuche

Das Konzept erinnert an eine Schnitzeljagd oder Rallye, wie man sie aus Kindertagen kennt: Es gibt einen Auftrag, dieser muss erfüllt werden. Das Abenteuer beginnt, wenn dem Besucher der Ausstellung "Die Berliner Weltverbesserungsmaschine" eine Schatzkarte mit dem Hinweis auf 70 Objekte in den ständigen Sammlungen Berlins in die Hand gedrückt wird. Und jetzt? Jetzt wandert das Publikum beispielsweise in die Alte Nationalgalerie oder das Museum für Naturkunde und sucht. Insgesamt 16 Museen hat Kurator Friedrich von Borries für dieses Spektakel mit einbezogen.

Was die Besucher hier finden, sind Bestandteile der Weltverbesserungsmaschine. Diese ist ein geheimes Forschungsprojekt aus dem 17. Jahrhundert, das 200 Jahre später zunächst wieder in Vergessenheit geriet. Mithilfe einer bestimmten Anordnung aus Kunstwerken sollte eine weltverbessernde Wirkung erzielt werden. Die damalige Zusammenarbeit zwischen Akademien und Museen soll die Diskussion über die Rolle von Kunst und Wissenschaft im Hinblick auf eine Verbesserung der Welt im Hier und Jetzt wieder anregen, so von Borries Idealvorstellung. Vor dem Hamburger Bahnhof steht dann auch als Gedenkmodell ein pyramidenförmiger Nachbau der Maschine.

In einem zweiten Projekt des Kurators von Borries geht es um die Bekämpfung des Kapitalismus – mit seinen eigenen Mitteln. Das Unternehmen "RLF" (das richtige Leben im falschen) stellt Möbel, Accessoires und Mode mit revolutionärer Botschaft her. Die Stücke werden in der ehemaligen Kirche St. Agnes in Berlin ausgestellt. Der gleichnamige Roman erzählt die Geschichte, wie das Projekt entstand – ein Durcheinanderwirbeln von Realität und Fiktion in jeder Zeile.

Die Ausstellung "Die Berliner Weltverbesserungsmaschine" ist vom 23. August bis zum 20. Oktober im Hamburger Bahnhof, dem Museum für Gegenwartskunst, in Berlin zu sehen.

Die Designschau "RLF – Das richtige Leben im falschen" geht vom 24. bis zum 27. August in der ehemaligen Kirche St. Agnes in Berlin

Frankfurt: nach der Zukunft

Futur Perfekt – Verben, die etwas bezeichnen, das in der Zukunft bereits abgeschlossen sein wird. Doch, wie kann man das wissen? Wenn diese Art der Wahrnehmung möglich ist, kann dann überhaupt noch spekuliert werden? Gibt es dann noch Visionen und Spekulationen? Und dabei wird es bei all unserer Schnelllebigkeit immer schwieriger, Dinge vorauszusagen und im Vorhinein zu planen. Künstler denken in der Ausstellung "Futur Perfekt. Vollendete Zukunft" über dieses Phänomen nach, in 16 Werken aus Film, Fotografie, Skulptur, Objekt, Malerei und Collage.

In den Arbeiten von Nairy Baghramian, Das Institut, Mariana Castillo Deball, Danh Vo, Henrik Olesen, Clemens von Wedemeyer und vielen mehr geht es um temporäre Arbeiten, deren Ende schon abzusehen ist. Es gibt Filme mit ungewissem Ausgang, gefälschte archäologische Artefakte, Verfall und Zerstörung. Annette Kelm lässt gegenwärtige Objekte wie Dinge aus einer längst vergangenen Zeit wirken, während Dani Gal historische Reden manipuliert und kontrolliert, sie schneller oder langsamer laufen lässt, stoppt oder unterbricht. Futur Perfekt denkt nach, über die Versprechen von Zukunft.

"Futur Perfekt. Vollendete Zukunft" ist vom 23. August bis zum 13. Oktober im Frankfurter Kunstverein zu sehen