Gib mir fünf! - Ausstellungstipps

Die fünf Ausstellungstipps der Woche

Jede Woche präsentieren wir Kunst, die Sie nicht verpassen dürfen. Diesmal mit tanzenden GI's, einem ausgestopften Pferdekopf und einem wilden Dadaisten.

Hannover: Dadaistische Popart

"Rau, dreckig und unruhig" sei seine Kunst. Als Vater der Moderne und wichtigter Einfluss auf die Pop Art wird er gehandelt. Die Rede ist von Kurt Schwitters, dem Dadaisten, der an den "Sinn im Unsinn" appellierte.

Seine Kunst wurde von den Nationalsozialisten als "entartet" diffamiert, weshalb er 1937 nach Norwegen emigrierte, ehe er 1940 ins Exil nach Großbritannien floh. Inspiriert durch die englische Landschaft begann er dort, Naturmaterialien in seinen Werken zu verarbeiten – Muscheln, Steine, Knochen und Holz. Er hielt diese Gruppe von Skulpturen für die besten Arbeiten, die er in England geschaffen hatte. Die Ausstellung "Schwitters in England" im Sprengel Museum setzt sich nun mit den letzten Lebensjahren des deutschen Avantgardisten auseinander. Der Künstler, der auch als Werbegrafiker arbeitete, entwickelte ein dadaistisches "Gesamtweltbild" der Anti-Kunst: Ob Bindfaden, Watte oder Kinderwagenrad, Schwitter setzte die Materialien mit Ölfarbe gleich und verwendete gefundene Objekte und Alltagsgegenstände in abstrakten Collagen und Materialbildern.
Die Ausstellung geht den Einflüssen des Exils auf Leben und Schaffen in mehr als 150 Werken nach: Unter anderem in Collagen, Assemblagen, Gemälden und Skulpturen. Außerdem zeigt die Schau ein persönliches Archiv und Fotografien des Dadaisten, so dass der historische Hintergrund dieser Lebenspanne lebendig wird.


Die Ausstellung "Schwitters in England" ist vom 2. Juni bis 25. August im Sprengel Museum Hannover zu sehen.

Berlin: Coke and Rock'n' Roll

Wir schreiben das Jahr 1948. Jazz tönt durch die Straßen Berlins, Rock'n'Roll wird getanzt. Im Zehlendorfer Club "Andrew Barracks" halten GIs nach hübschen deutschen Mädchen Ausschau, um gemeinsam zu tanzen und die Nächte zu genießen. Amerikanische Radiosender versorgen Berlin mit Musik, man trinkt Coca Cola, Johnny Horton und Elvis Presley laufen die Schlagerparaden rauf und runter. 65 Jahre später zeigt das Allierten-Museum Berlin die Sonderausstellung "Von G. I. Blues zu G. I. Disco – Der American Way of Music in Deutschland". Die Schau befasst sich mit dem Einfluss der amerikanischen Soldaten auf das Lebensgefühl und die Popkultur in der Bundesrepublik und West-Berlin. Das Nachtleben führte Amerikaner und Deutsche in den Soldatenclubs und Diskos zusammen. Die Sonderausstellung geht den musikalischen Spuren der GIs seit 1945 nach. Auf der Schau läuft die Musik aus sechs Jahrzehnten – vom Jazz des Soldatensenders AFN über die Jukebox der sechziger Jahre bis zum Hip-Hop. Gleichzeitig werden die politischen Hintergründe beleuchtet. Zahlreiche Exponate wie Jukebox, Ghetto-Blaster und der erste Walkman veranschaulichen neben Fotos, Plakaten und Dokumenten den Wandel der Zeiten.


Die Ausstellung "Von G.I. Blues zu G.I. Disco – Der American Way of Music in Deutschland" ist nun vom 23. Mai bis 27. April 2014 im Alliiertenmuseum in Berlin zu sehen

Stuttgart: Schatten des Handelns

Die Künstlerin Pilar Albarracin steht mit einem ausgestopften Pferdekopf in einer Reithalle, inmitten einer Gruppe lebender Pferde. Die Tiere können die Anwesenheit der toten Kreatur nur schwer ertragen. Die Situation, die eine große Anspannung vermittelt, droht jederzeit zu kippen. Die Pferde halten inne, stocken, treten auf der Stelle, sind unentschieden und richtungslos. Die Videoinstallation der Spanierin ist Teil der Gruppenausstellung : "Vom Zaudern. Motive des Aufschubs, Übergang und Abschweifens", die der Kunstverein Stuttgart präsentiert. Zustände des Zauderns werden in einer durchökonomisierten Welt oft als störend, wenn nicht gar bedrohlich empfunden. Sie blockieren die Handlungsfähigkeit, den reibungslosen Ablauf der Dinge, Produktivität und Wachstum. In der Kunst und insbesondere der zeitgenössischen Kunst ist das Zaudern aber nicht nur als Motiv sondern auch als ästhetische Methode und Struktur zu finden. Hier tritt das Zaudern als Mittel der Reflektion anstelle blinder Zielstrebigkeit, das Unerwartete anstelle des Kalkulierbaren, das Mehrdeutige anstelle von Eindeutigkeit. Auch die Diaarbeit des amerikanischen Künstlers Robert Barry, "It can Change", reiht sich in diese Philosophie ein: Sie besteht aus einer Reihe von Wörtern und Sätzen, deren Bedeutung sich mit jedem Wort erweitert, verschiebt und eine andere Richtung nimmt.


Die Ausstellung "Vom Zaudern" ist vom 25. Mai bis zum 4. August 2013 in Stuttgart Württembergischen Kunstverein zu sehen

Hannover: Ästhetik des Lichts

Die Fagus-Werke im niedersächsischen Alfeld haben sich nicht nur international einen guten Ruf wegen ihrer industriell gefertigten Schuhleisten erworben, sondern auch auf kulturellem Gebiet: Das Gebäude steht seit 1946 unter Denkmalschutz, seit 2011 auf der Weltkulturerbe-Liste der Unesco. Wenn die Fagus-Werke nun eine Kunstausstellung zeigen, liegt es nahe, an dieses Erbe anzuknüpfen. Mit Ulrich Behl (Jahrgang 1939) haben sie einen "Enkel des Bauhauses" gewählt, der in den sechziger Jahren an der pädagogischen Hochschule Alfeld beim Bauhaus-Absolventen Kurt Schwerdtfeger studiert hat. Behl lehrte später an der Universität Kiel, wo er von 1971 bis 1979 eine Dozentur innehatte und das "Reflektorisches Farblichtspiel" seines ehemaligen Professors, eine Mischung aus Projektion und Theater, weiterentwickelte. 1979 entstanden die ersten Objekte, die Behls Markenzeichen wurden: Papierbespannte Holzkonstruktionen, die das Konstruktive mit der Ästhetik des Lichts verbinden. "Dem Licht eine Falle stellen" – so hat Ulrich Behl den Kern seiner Arbeit selbst beschrieben. 1995 hatte er in Venedig zur Open-Air-Schau Artelaguna einen Wald von 32 schimmernden Aluminiumzylindern aufgestellt, die fünf Meter aus dem Wasser der Lagune ragten.

Die Ausstellung "Spuren + Strukturen – status quo der evolution" im Fagus-Werk ist noch bis zum 23. Juni zu sehen. Vom 9. Juni bis 23. August sind Behls Arbeiten unter dem Titel "Schrift atmet Sprache, Papier träumt Form" in der Galerie m beck in Homburg (Saar) ausgestellt.

Nordhorn: Künstlerische Reise

Vögel versammeln sich auf einer Stromleitung, der Wind zerzaust ihre Federn, Schwärme kommen hinzu, Unruhe bricht aus. Diese geheimnisvolle Vorahnung, die Zugvögel vor ihren jährlichen Reisen erfasst, nennt man Zugunruhe, sie ist immer noch Gegenstand von Forschung. So auch bei der Künstlerin Tamara Grcic, deren Ausstellung "zugunruhe" nun in der Galerie Nordhorn zu sehen ist. Gricic Grundthemen sind der Wandel, Aufbruch und die Option der Veränderung in der Kunst. Die Verarbeitung von Alltagsgegenständen in ihren Werken, wie zum Beispiel Stativen, Rasensprengern oder Stoffbaren sind ein Teil davon. Ihre atmosphärischen Installationen sind bewegliche Objekte, bei denen sie immer wieder mit Film- und Soundmaterial arbeitet. Ihre Fotostrecken bezeugen eine abstrakte Auschnitthaftigkeit, doch sobald sie arrangiert sind, werden sie zu lebendigen Situationen, die den sicheren Boden des Betrachters ins Wanken bringen können. Als Ausstellungsraum und Station von Kunstwegen ist die Städtische Galerie Nordhorn selbst ein außergewöhnlicher Ort des Wandels und des Aufbruchs und wird nun mit dem Werk gemeinsam zu einem Sinnbild.



Die Ausstellung Tamara Grcic "zugunruhe" ist vom 31. Mai bis 28. Juli in der Städtischen Galerie Nordhorn zu sehen