Gib mir fünf! - Tipps

Die fünf Ausstellungstipps der Woche

Jede Woche präsentieren wir Kunst, die Sie auf keinen Fall verpassen dürfen. Diesmal mit der Lust am Fabulieren, mobilen Drehmomenten, dem Weg zum Glück, sakralisierten Plastiken und personifiziertem Horror

Rostock: Lust am Fabulieren

Ihre Bilder bedienen sich der christlichen Symbolik sowie der antiken Mythologie und sprechen die Sprache der italienischen Kunst von der Frührenaissance bis zum Manierismus.

Die deutschen Künstler Werner Tübke, einer der Gründerväter der Leipziger Schule, und Michael Triegel, führender Vertreter der Neuen Leipziger Schule, eint so einiges: die Lust am Fabulieren, die sich in ausgefeilten Bildikonografien offenbart, ein Nebeneinander unzähliger Stilformen sowie das Beharren auf den allein Maßstab setzenden Vorbildern der alten italienischen Meister.

In einer Ausstellung von über 80 Gemälden vereint die Kunsthalle Rostock nun beide Künstler. Neben Landschaftsskizzen, Stillleben und Porträts zeugen vor allem mythologische und religiöse Sujets von der handwerklichen Meisterschaft der Maler, wie man sie vornehmlich in der italienischen Renaissancekunst finden kann. Der kunst- und kulturhistorische Fundus von Dante bis Bronzino wird bei beiden Malern aufgegriffen und im Gewand vermeintlicher Altmeisterlichkeit im modernen Sinne neu kombiniert und interpretiert. Durch provokante Brechungen innerhalb der ikonografischen Szenen kreieren die Künstler kritische Gegenwartsbezüge.

Die Ausstellung "Werner Tübke – Michael Triegel. Zwei Meister aus Leipzig" ist vom 22. Juni bis 14. September in der Kunsthalle Rostock zu sehen

Kaiserslautern: Mobile Drehmomente

Da bekommt man ja 'nen Drehwurm! Stefan Rohrer ist ein Autonarr, besitzt einen Fetisch für alles Mobile, und genau das spiegelt sich in seinen hochglanzpolierten, farbenfrohen Skulpturen wieder. Aus Autokarosserien, Motorrollern und Modellautos formt der Stuttgarter Künstler gedehnte, verjüngte, verdrehte und dynamisch geschwungene Gebilde, die in den Raum ausgreifen und völlig aus der Bahn geworfen zu sein schein. Dort schnellt ein Porsche durch den Raum, hier vollzieht eine Vespa Salti – bei Rohrer wird der Traum eines jeden Oldtimerliebhabers Wirklichkeit.

Eine erste museale Einzelausstellung widmet sich nun den mobilen "Drehmomenten" des Künstlers. Das Auto als Ikone der Konsumgesellschaft wird dabei in all seinen Facetten ins Zentrum gerückt: Freiheit, Unabhängigkeit und Mobilität sind trotz aller Widrigkeiten noch immer mit ihm verbunden. Rohrers Arbeiten thematisieren in dem Zusammenhang nicht nur den Geschwindigkeitsrausch, der sich wie eingefroren in den Skulpturen materialisiert, sondern auch die Schattenseite der schnellen Fortbewegung – den Unfall. Doch auch diesen kleidet der Künstler in ein spielerisches Gewand, so dass die farbenfrohen Skulpturen stets zum Spiegel persönlicher Erinnerungen werden, die der Besucher mit dem Auto verbindet.

Die Ausstellung "Stefan Rohrer – Drehmomente" ist vom 7. Juni bis 7. September in der Museum Pfalzgalerie Kaiserslautern zu sehen

Leipzig: Der Weg zum Glück

Spätestens nach Pharell Williams Number-One-Hit "Happy" aus dem Jahr 2013 ist der Frohsinn zum sozialen Paradigma avanciert: Glücklichsein als gesellschaftlicher Imperativ. Der Mythos vom Glück durch Leistung befeuert nicht nur die Musikbranche. Längst haben Kreativität, Flexibilität und Fleiß als Schlagworte einer auf Erfolg ausgerichteten Selbstoptimierung Einzug in die Kunst genommen. So hat das diesjährige sechste Fotografiefestival die populäre Zeitgeistmaxime "Get Lucky!" zur Veranstaltungsdevise erhoben.

In fünf Ausstellungen auf dem Gelände der Leipziger Baumwollspinnerei zeigen 45 Künstler ihr Verhältnis zum Glück in der Leistungsgesellschaft. Die Fotografie, darunter vor allem Werbe- und Magazinaufnahmen, erweist sich in diesem Sinne als nützliches Medium, die Botschaft des Glücks wirkungsvoll zu vermitteln: Eben das perfekte "Ich" im perfekt arrangierten Bild. Selbst Besorgnis erregende Phänomene wie der Vormarsch des Burnout-Syndroms erfahren in den präsentierten Fotografien eine positive Umdeutung: ganz frei nach dem Motto "Erschöpfung ist Ehrensache!" und damit legitimes Merkmal eines Avantgarde-Lifestyles – "if you feel like Happiness is the truth!"


Das 6. Festival für Fotografie "Get Lucky!" findet vom 7. bis 15. Juni in der Leipziger Baumwollspinnerei statt

Frankfurt am Main: Sakralisierte Plastiken

Der Name Louise Nevelson ist ohne Frage Eigenprogramm: Ob als charismatische Gestalt im aufstrebenden Kunstzentrum Amerikas, als Schamanin, die ihre künstlerischen Energien aus den verschiedenen Weltkulturen zieht oder als von allen stilistischen Koventionen befreite Künstlerin des 20. Jahrhunderts, Nevelson fasziniert. Ihre Beschäftigung mit dem Theater, mit Tanz und Eurythmie, trug genauso zur Ausbildung einer schillernden Identität bei wie auch ihr extravaganter Stil in Kleidung und Auftreten.

Neben frühen Zeichnungen und Terrakotta-Plastiken aus den dreißiger Jahren, präsentiert eine Ausstellung nun Nevelsons Collagen aus den Fünfzigern sowie Holzskulpturen aus den siebziger und achtziger Jahren. Während die frühen figurativen Plastiken die Handschrift der europäischen Avantgarde tragen, demonstrieren ihre späten Arbeiten eine Auseinandersetzung mit dadaistischen und surrealistischen Verfahren. Verschiedene Fundstücke, zumeist aus Holz, Alltagsgegenstände, Möbelteile, Latten und Kästen fügt sie zu abstrakten Gebilden zusammen und gibt den Elementen schließlich einen monochromen Anstrich. Gemäß den surrealistischen "Kuriositätenkästen" des amerikanischen Künstlers Joseph Cornell sakralisiert sie dabei das Material, bewahrt es, anstatt es zu zerstören. Die Farben "Schwarz", als Tod der Dinge, "Weiß", als Element der Auferstehung und "Gold", als Idealzustand der Elemente, kategorisieren ihre Arbeiten und verleihen ihnen einen spirituellen Charakter.

Die Ausstellung "Louise Nevelson. A total Life" ist vom 5. Juni bis 6. September in Die Galerie in Frankfurt am Main zu sehen

Zürich: Personifizierter Horror

Sie ist eine Meisterin der Selbstinszenierung: Ob als stark geschminkte Hausfrau, Fitness-Trainerin, gruselig verunstaltete Clownfigur, als Schauspielerin, Modefigur oder historische Persönlichkeit, die US-amerikanische Künstlern Cindy Sherman weiß sich in Szene zu setzen. Ihre ersten Werke schuf die Fotografin 1975 bei sich zu Hause mit Selbstauslöser. Als eine der bekanntesten zeitgenössischen Vertreterinnen der inszenierten Fotografie, ist sie dieser Arbeitsweise bis heute treu geblieben. Identität, Rollenbilder, Körperlichkeit und Sexualität sind Themen, die sich wie ein roter Faden durch ihre großformatigen Arbeiten ziehen. Technisch und formal lehnt sich Sherman an Werbung, Kino oder klassische Malerei an und schöpft dabei mit meisterhaften Köstümierungen aus dem Formenrepertoire der Kunstgeschichte.

In einer großangelegten Retrospektive mit insgesamt 110 Werken, zeigt das Kunsthaus Zürich nun Schlüsselwerke aus den verschiedenen Schaffensperioden von Cindy Sherman: Ikonische Werke aus der Früphase, wie die "Untitled Film Still"-Serie, für die sie sich als Schauspielerin in fiktiven Filmszenen inszeniert, treffen auf spätere Fotografien der "Sex-Pictures"- oder "Clowns"-Serie. Den personifizierten Horror erwartet den Besucher mit den im Zentrum stehenden "Untitled Horrors". Schaurig und bedrohlich muten die unbetitelten Fotografien an, in denen sie sich mal mit hinterlistigem Grinsen, mal als verwesende Leiche präsentiert. Einen zweiten Schwerpunkt bilden Bilder des Körpers, für die sie Prothesen, verrottende Nahrungsmittel, Körperausscheidungen, Erde und Abfall zu grotesken Studien des Verfalls arrangiert hat.

Die Retrospektive "Cindy Sherman. Untitled Horrors" ist vom 6. Juni bis 14. September im Kunsthaus Zürich zu sehen