Gib mir fünf! - Ausstellungstipps

Die fünf Ausstellungstipps der Woche

Jede Woche präsentieren wir Kunst, die Sie auf keinen Fall verpassen dürfen. Diesmal mit einem Parcours am Mäuseturm, einem humoristischen Welttheater, unbekannten Flugobjekten, einem reisendem Oktopus und bepflanzten Müllhalden.

Bingen: Parcours am Mäuseturm

Wird unser Leben sicherer, wenn wir von einer Kamera überwacht werden, und was ist eigentlich der Mensch?

Diese und andere Fragen stellt die dritte Skulpturen-Triennale In Bingen. Unter dem Motto "Mensch und Maschine" wird mit der Gegenüberstellung zweier Begriffe erneut ein Rahmen geschaffen, der 21 Künstler in einem Skulpturen-Parcours zwischen Rheinfähre und Mäuseturm präsentiert. Ein Großteil der Skulpturen verweist dabei auf die jahrhundertlangen industriellen Strukturen an der Rhein-Nahe-Mündung - Schifffahrt, Güter-, Personentransport und Handel. Die durch die Kunstwerke repräsentierte Maschine tritt hier mal als Helfer, mal als Zerstörer aber auch als Übermittler oder Unterhalter auf:

Während Raphael Otto mit seiner Arbeit "CAM" das aktuelle Thema der Überwachung des öffentlichen Raumes mit Kameras aufgreift, steht bei Anna Fasshauer und Philip Grözinger das Verhältnis des Menschen zur Maschine "Auto" im Vordergrund: sowohl als wichtiger Funktions- und Bedeutungsträger, als auch als "Tötungsmaschine". Figurative Kunstwerke wie Gunther Stillings "La Mano", Helge Leibers tanzende Figuren oder Makus Lüpertz farbig gefasste Bronze "Herkules" kontrastieren hingegen die komplexen geistigen und körperlichen Eigenschaften des Menschen mit den eingeschränkten Möglichkeiten von Maschinen.

Die Ausstellung "Mensch und Maschine" ist vom 26. April bis 5. Oktober entlang des Rheinufers zu sehen.

Chemnitz: Humoristisches Welttheater

Da muss man schon genau hinschauen: Pieter der Drollige, Bauernbruegel oder einfach nur Pieter Bruegel d. Ä. nennt man ihn – ein Malerrevolutionär der niederländischen Renaissance, dessen Bildsprache so komplex ist, dass nur das Wissen um eine Bildikonografie genauen Aufschluss über sein Werk geben kann.

Mit 88 Druckgrafiken und der berühmten Zeichnung "Die Imker" gibt die Kunstsammlung Chemnitz nun einen Einblick in die fantasievolle, einfallsreiche und rätselhafte Bilderwelt des flämischen Künstlers. Pieter Bruegel (1525/30-1569) führte mit seinen tiefgründigen Landschaftspanoramen nicht nur die flämische Landschaftsmalerei auf ihren Höhepunkt, sondern gilt auch als Begründer des niederländischen Bauerngenres. Wie bei seinem Zeitgenossen und Vorbild Hieronymus Bosch, liegt der Schlüssel seines Bildinhalts oft im Detail: Ob satirische Allegorien, humoristische Sprichwörter, Volkskulturen oder eigentümliche Symbole von Tod, Sünde, Lebensfreude oder Tugenden - der Betrachter ist aufgefordert auf Entdeckungsreise zu gehen. In erhabenen Landschaften, grotesken Höllenszenen, Schiffsdarstellungen, biblischen Historien und wilden Bauernfesten entfaltet sich Breugels Welttheater des 16. Jahrhunderts im Museum am Theaterplatz.

Die Ausstellung "Pieter Bruegel d.Ä." ist vom 13. April bis 6. Juni in den Kunstsammlungen Chemnitz zu sehen

Wolfsburg: Bepflanzte Müllhalden

Eine Margarineschachtel aus Plastik wird zu einem Auto umfunktioniert und als Werbeprodukt inszeniert: Recycling par excellence nennt es die Müllindustrie, Readymade heißt es in der Kunstszene. "Riesseikling" (2011) lautet es für die junge Fotografin Charlotte Sattler:

In ihrer fotografischen Serie "Müll" aus dem Jahr 2011 zeigt die Künstlerin in mehrern Bildsequenzen die technologische Verarbeitung und Beseitigung von Zivilisationsabfällen. Porträts und Stillleben vermitteln einen Eindruck von der Müllverwertungsbranche und ihren Arbeitern. Zudem macht sie wenig spektakuläre Orte und deren Bewohner zum Thema ihrer Arbeiten, wie etwa die Serie "Müllberg Marzahn" (2011) mit einer ehemaligen, renaturierten, bepflanzten Müllhalde in Berlin zeigt. Die farbig unaufdringlichen Aufnahmen der Fotografin erzählen dabei stets Geschichten, die zugleich ein sozialpolitisches Statement zur Konsumgesellschaft abgeben.

Die Ausstellung "Müll" ist vom 12. April bis 7. Juni im Junge Kunst e.V. zu sehen.

Hameln: Unbekannte Flugobjekte

Mona Lisa hatte keine Lust mehr still zu sitzen. Da faltete Leonardo da Vinci ihr aus einem Blatt Papier einen Flieger-Falter und ließ ihn durchs Atelier segeln. Mona Lisa lächelte. Ob dies die wahre Erklärung für das geheimnisvolle Schmunzeln der Lisa del Gioconda ist, könnte uns nur Leonardo selbst beantworten. Eines steht jedoch fest: Das Universalgenie der Renaissance war mehr als ein Maler, er war vor allem ein Erfinder, ein Kunsthistoriker, Naturforscher, Architekt sowie Mechaniker und als solcher seiner Zeit weit voraus.

In einer Sonderausstellung mit über 40 Großmodellen und mehr als 30 Texttafeln zum Leben und Umfeld des Renaissance-Meisters, zeigt das Hochzeitshaus Hameln nun da Vincis Erfindungen und Maschinerien aus den Bereichen Flug, Mechanik, Optik und Architektur. Dass Leonardo die Malerei nicht bloß als schöne Kunst, sondern vor allem als Werkzeug zum Erkenntnisgewinn verstand, belegen seine unzählige Skizzen und Studien, die er zeitlebens in seinen Notizbüchern, den sogenannten Codices, festhielt. Mithilfe von Computersimulationen gelang es, viele seiner Entwürfe nach den Originalskizzen maßstabsgetreu nachzubauen. Ob Flugobjekte, Flaschenzüge, Spiegelkabinette, Vorläufer der Camera Obscura oder Rettungsreifen en miniatur – unzählige Objekte geben, teilweise auch interaktiv, Einblick in da Vincis Welt der Erfindungen.
Die Ausstellung "Leonardo da Vincis Maschinen" ist vom 13. April bis 3. August 2014 im Hochzeitshaus Hameln zu sehen

Bern: Oktopus auf Reisen

Für Shimabuku ist "fish & chips" die wohl poetischste Wortkombination des Englischen. Skurril, ohne Frage, doch bezeichnend für den japanischen Künstler. Mit suspektem Humor und einem unbestechlichen Blick für die kleinen Dinge des Lebens, demonstriert er, wie bizarr doch die Welt sein kann. So erzählt jedes von Shimabukus Werken die Geschichte einer unwahrscheinlichen Begegnung, von Grenzen, Spezien und Empfindungen.

Die erste umfangreiche Schweizer Ausstellung "Flying me" zeigt nun in zwei Teilen, in einem Querschnitt durch die Werke des Künstlers von 1991 bis 2013, Shimabukus exzentrisches Wunderland. Während in "Tour of Europe with One Eyebrow Shaved" ein Reisender mit einer abrasierten Augenbraue durch elf europäische Länder fährt und die Reaktionen der Menschen auf sein ungewöhnliches Aussehen dokumentiert, zeigen seine Fotografien, Installationen und Videos der Serie "With Octopus" die Faszination des Künstlers für achtarmige Weichtiere. Da erhält ein Oktopus aus Araki eine Führung über den Fischmarkt in Tokio, während ein anderer tot im Kühlschrank liegt. Hört sich abstrus an, ist es auch! In jedem von Shimabukus Werken verwandelt sich Banales in Fantastisches.

Die Ausstellung "Flying me" ist vom 4. April bis 25. Mai in der Kunsthalle Bern zu sehen.