Gib mir fünf! - Ausstellungstipps

Die fünf Ausstellungstipps der Woche

Jede Woche präsentieren wir Kunst, die Sie auf keinen Fall verpassen dürfen. Diesmal mit zerschnittenen Prinzessinnen, dem Werbegrafiker Herbert Bayer und Wanderarbeitern auf der ganzen Welt.
Die fünf Tipps der Woche:Die Kunst-Höhepunkte der Woche

Mindestens vier Lagen trägt die Prinzessin von Mathieu Bourel unter ihrer eigentlichen Haut: "Princess/Headcut", 2012, Collage auf Papier, 15 x 19 cm

Berlin: Cut and Paste

Am Anfang steht das Kaputtmachen: Papier wird zerrissen, gefalzt, zerlegt und geknickt. Erst dann werden aus den Einzelteilen neue Welten zusammengesetzt.

Jetzt feiert die Galerie des Berliner Verlages Gestalten die handgemachte Collage in einer kompakten Ausstellung. 122 Bilder drängeln sich an den Wänden, protzen mit ihrer analogen Schönheit und Struktur. Matthieu Bourel schneidet mit chirurgischer Genauigkeit Hautflächen aus schönen Frauenköpfen, darunter lässt er in mehreren Lagen bunte Adern und Muskel schimmern. Eine derart operierte Prinzessin lächelt trotzdem tapfer dem Betrachter entgegen.

Beth Hockel ist auf der Suche nach mystischen Momenten in der Natur, zeigt Menschen die in märchenhaften Landschaften aufgehen. Noah Giniger lässt Trauerweiden lachen, indem sie ihre Baumkronen auf den Kopf stellt. So unterschiedlich wie die Collagen, sind die Inspirationsquellen und das Ausgangsmaterial der Künstler. In den Kompositionen finden sich Anzeigenmotive, Reportagefotos, Pornoschnipsel und Flohmarktfunde wieder. Einen Überblick über die Geschichte der Collage und viele aktuelle Positionen finden sich im Buch zur Ausstellung.

Zu sehen ist die Ausstellung "The age of collage" im Gestalten Space, Sophie-Gips-Höfe, Sophienstraße 21, 10178 Berlin vom 15.11.2013 bis um 5.1.2014

Celle: Spot an

Seit die ersten Haushalte Anfang des 19. Jahrhunderts an die sich immer weiter verteilenden Stromnetze angeschlossen wurden, gibt es kaum noch ein Geschäft ohne Leuchtreklame oder eine Großstadt in der man in der Nacht die Sterne sieht. Die Entwicklung von neuen Leuchtmitteln schreitet stark vorran und auch Künstler beschäftigen sich seit knapp hundert Jahren mit Licht.

Das Kunstmuseum Celle widmet sich nun der außergewöhnlichen Dichte an Lichtkünstlern in Deutschland. Ausgewählt wurden 30 Künstler nach der Herkunft, Wohnsitz, Ausbildung oder Lehre, die sie mit Deutschland verbindet. Gezeigt werden Lichtkunst-Pioniere, Klassiker und Trendsetter. Dabei wird der Bogen von Otto Piene über Jakob Mattner bis hin zu Tim Berresheim und Regine Schumann gespannt. Der erste von zwei Ausstellungsteilen zum Thema Lichtkunst zeigt wie stark das Thema Licht bei Künstlern in Deutschland im Fokus steht und verdeutlicht inwieweit technische Innovationen der Lichtkunst neue Impulse bescherten.

Die Ausstellung "Scheinwerfer" läuft vom 16. November 2013 bis 30. März 2014 im Kunstmuseum Celle mit Sammlung Robert Simon.

Berlin: Werbung über alles

Blauäugige Staatsnähe haftet dem Bauhäusler Herbert Bayer bis heute an. Stellte er sein Talent neben Verlagen und der Konsumgüterindustrie auch staatlichen Institutionen zur Verfügung. Erst nachdem Herbert Bayers Arbeiten von den Nationalsozialisten als "Entartete Kunst" gebrandmarkt wurden, verließ er Deutschland und seine vorherigen Auftraggeber. Er arbeitete zeitweise als Art Director für die französische Vogue und das Dorland–Studio, eine der ältesten Werbeagenturen Europas. Beyer zählte zu den kreativsten Gebrauchsgrafikern seiner Zeit und schuf bis zu seiner Emigration 1938 hunderte Plakate, Buch– und Zeitschriftentitel, Werbeanzeigen und –broschüren.

Das Berliner Bauhaus–Archiv wagt im Themenjahr "Zerstörte Vielfalt" nun einen differenzierten Blick auf Herbert Bayers Schaffenszeit von 1928 bis 1938. Zu sehen sind unter anderem bemerkenswert surrealistische Zeitschriftencover und die offen faschistische Plakatserie "Kraft durch Freude".

"mein reklame‐fegefeuer" ist vom 20. November 2013 bis zum 24. Februar 2014 im Bauhaus–Archiv Berlin zu sehen.

Baden–Baden: Endlich eine Lobby

Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte. In diesem Fall Christoph Faulhaber, der den deutsch–russischen Konflikt um das legendäre Bernsteinzimmer durch ein aus Popeln gebasteltes Double auf ganz eigene Weise entschärft. So wie er, haben sich neun weitere Künstler damit befasst, den Machtlosen eine Stimme zu geben. Dabei greift zum Beispiel der ägyptische Künstler Alaa Awad mit seinen Wandbildern die politische Situation des arabischen Frühlings auf. Teresa Margolles zeigt ihre raumgreifende Installation "La Promesa" erstmals außerhalb ihres Heimatlandes Mexiko. Dafür ließ sie ein komplettes Wohnhaus aus einem Stadtteil abtragen: 25 Tonnen Schutt teilen jetzt den großen Oberlichtsaal – ein Mahnmal für die eskalierende Gewalt in Ciudad Juarez, der am stärksten von Drogenkriegen geprägten Stadt Mexikos. .Und die slowenische Gruppe IRWIN gründet gleich mal einen eigenen Staat.

Für die Kunsthalle Baden-Baden ist "Macht der Machtlosen" der zweiten Teil zur Fragestellung: "Braucht Gesellschaft Kunst?". Dabei öffnet sich der Fokus des ersten, Deutschland bezogenen Abschnittes hin zu einer globalen Sichtweise und schließt so den inhaltlichen Kreis. Erweitert wird die Ausstellung mit der Neugestaltung des Cafe Kunsthalle durch das Berliner Urban Gardening Projekt Prinzessinnengarten. Mit neuem Mobiliar, Einrichtungsgegenständen und verwandelter Speisekarte verweisen die Berliner auf Prinzipien der Regionalität, Nachhaltigkeit und Sozialverträglichkeit.

Zu sehen ist "Macht der Machtlosen" vom 16. November 2013 bis zum 9. Februar 2014 in der Kunsthalle Baden–Baden.

Hamburg: "Im Frühtau zu Berge"

Es ist ein altes, jedoch überaus aktuelles Thema. Seit jeher wurden ganze Generationen in Krisenzeiten aufgrund ihrer Perspektivlosigkeit genötigt, auf der Suche nach Arbeit ihr Land zu verlassen. Aktuell ist arbeitsbedingte Migration in Europa, den meisten Industrienationen und in nahezu allen von der internationalen Wirtschaftskrise betroffenen Ländern zu beobachten. Allein in China wird die Zahl derer, die für Arbeit auf Wanderschaft gehen müssen auf 200 Millionen geschätzt.

Das Hamburger Museum der Arbeit widmet sich mit "Wanderarbeiter – Fotografien einer neuen Arbeiterklasse" einem zeitgenössischen Phänomen und lässt insgesamt neun Fotografen die unterschiedlichen Formen der Wanderarbeit der letzten 50 Jahre dokumentieren. Dabei reichen die gezeigten Gebiete von China (Wolfgang Müller) über Thailand (Ralf Tooten) bis nach Moldawien (Andrea Diefenbach) und Deutschland (u. a. Oliver Tjaden).

Die Ausstellung "Wanderarbeiter – Fotografien einer neuen Arbeiterklasse" ist vom 15. November 2013 bis zum 2. März 2014 im Hamburger Museum der Arbeit zu sehen.