Gib mir fünf! - Ausstellungstipps

Die fünf Ausstellungstipps der Woche

Jede Woche präsentieren wir Kunst, die Sie auf keinen Fall verpassen dürfen. Diesmal mit 'ner Menge Comics, Kulturprogramm für Nachtschwärmer und poppig-bunte Farbwelten.
Die fünf Tipps der Woche:Die Kunst-Höhepunkte der Woche

So ungeschönte Körper malt nur einer – Lucian Freud: "And the Bridegroom", 1993, Öl auf Leinwand, 231,8 x 196,2 cm, Lewis Collection

Wien: Freud und die Alten Meister

Nackte Körper, auf Betten, Sofas oder einfach auf dem Boden liegend, ungeschönt, mit Speckrollen, zu großen Nasen und hängenden Brüsten.

Lucian Freud porträtierte Kollegen, Freunde und Familie, detailgetreu und authentisch. Der Enkel von Sigmund Freud, der als einer der "größten figurativen Maler des 20. Jahrhunderts" gilt, arbeitete kurz vor seinem Tod noch selbst mit an der Schau, die ihm das kunsthistorische Museum in Wien nun unter der kuratorischen Leitung von Jasper Sharp widmet. "Lucian Freud" heißt die ganz einfach, und präsentiert einige seiner wichtigsten Gemälde wie Selbstporträts, Freunde und Kollegen, aber auch Landschaften und Stillleben. Hinzu kommen Skulpturen aller Epochen seit der ägyptischen Antike.

Lucian Freud war ein Anhänger der Alten Meister, mit denen er sich Zeit seines Lebens auseinandersetzte. Ein Schwerpunkt der Ausstellung liegt auf dieser Auseinandersetzung, mit Verbindungen zu Dürer, Holbein, Rubens, Rembrandt, Tizian und anderen. Ein umfangreiches begleitendes Programm ergänzt die Ausstellung, während das Sigmund-Freud-Museum unter dem Titel "Lucian Freud: Privat" zeitgleich Fotoarbeiten von Freuds langjährigem Assistenten und Freund David Dawson zeigt. Diese Fotografien veranschaulichen nicht nur die Umstände, unter denen Freuds Arbeiten entstanden, sondern sie bieten auch einen sehr persönlichen und intimen Einblick in sein Leben.

Die Ausstellung "Lucian Freud" ist vom 8. Oktober 2013 bis zum 6. Januar 2014 im kunsthistorischen Museum Wien zu sehen.

Berlin: Individuelle Bildsprache

Sie sind eigentlich fertig mit ihrer Ausbildung gewesen, hatten bereits studiert. Doch die Ostkreuzschule für Fotografie im Kunstquartier Bethanien ermöglichte ihnen ein Studium nach dem Studium. Die Absolventen der Postgraduierten-Klasse stellen ihre in diesem Post-Studium entstandenen Arbeiten in der Ausstellung "POST" der Öffentlichkeit vor. Betreut von Ute Mahler und Robert Lyons erarbeiteten sich die jungen Frauen und ein Mann ihre eigene Bildsprache, einigten sich mit sich selbst auf einen Stil. Dabei wird jedoch immer auch ein Bezug zu aktuellen, gesellschaftlich relevanten Themen hergestellt, wie etwa in Nadine Loës Arbeit "Fischles Katz", die für sie Nähe zu ihrer Großmutter bedeutet. In Zeiten von Pflegegeld, Demografie und Alzheimer findet der Besucher mühelos seinen ganz eigenen Zugang zur Geschichte.

Parallelen zum eigenen Leben zeigen sich auch in den anderen Fotoreihen, die in ganz unterschiedlichen Arbeitsweisen entstanden. Die Stile reichen von konzeptuellen Ansätzen über dokumentarische Arbeiten bis hin zu inszenatorischer oder eher beobachtender Fotografie. Gesellschaftskritisch wird es zum Beispiel in "Transit", der Fotoreihe von Rebecca Sampson. In ihrer Arbeit befasste sie sich mit dem Thema der Lebensumstände von Asylbewerbern in Deutschland. Ihre perspektivlose Existenz, die Ausgrenzung und Chancenlosigkeit, ihr Leben als Illegale, all das macht sie eindrucksvoll sichtbar und bringt den Betrachter zum Nachdenken. Wärmer ums Herz wird es dann wieder in Kaja Gropes "Ein Geschenk für meine Mutter".

"POST" läuft vom 3. bis zum 7. Oktober in der Ostkreuzschule für Fotografie in Berlin-Kreuzberg.

Hamburg: Bang und Kawoooooom

Dank den Donaldisten, den eingefleischten Fans von Donald Duck & Co, erobern Comics ja schon länger das Feuilleton in Deutschland – vor allem weil es unter den "FAZ"-Redakteuren besonders viele Donaldisten gibt. Dabei können Comics viel mehr als Enten zeigen. Wie viel mehr, kann man dieses Wochenende beim Comicfestival Hamburg bewundern. Ausstellungen, Lesungen und Künstlergespräche bringen Nachwuchszeichner mit erfahrenen Comic-Machern zusammen. So zeigt die Klasse der HAW-Professorin Anke Feuchtenberger Tierzeichnungen, es werden neue Graphic Novels wie die hochspannende Geschichte "Das Erbe" der israelischen Zeichnerin Rutu Modan vorgestellt oder das Debüt "Ausgeliefert" der Kanadierin Geneviève Castrée, das die Geschichte einer Tagträumerin erzählt.

Das Comicfestival Hamburg findet vom 3. bis 6. Oktober in St. Pauli, Schanzen- und Karoviertel statt.

Österreich: Für Nachtschwärmer

Schlaflose, Nachtschattengewächse und aufgeweckte Kunstfreunde aufgepasst: Der ORF präsentiert die 14. Lange Nacht der Museen in ganz Österreich. Von 18 bis 1 Uhr nachts können Besucher mit nur einem Ticket alle Ausstellungen ihrer Wahl besuchen. Neben kleinen, kuriosen Offspaces und renommierten Museen und Galerien gilt es, Newcomer zu entdecken und persönliche Lieblinge zu definieren.

In Wien zum Beispiel lohnt sich ein Besuch in der neu eröffneten Kunstkammer, es gibt Varietéshows und Gedankenleser im Clownmuseum, und ein Workshop im Museum für angewandte Kunst zeigt, wie aus Fahrradschläuchen Schmuck entsteht. Matisse und die Fauves zeigen sich in der Albertina, Klimts "Der Kuss" im Belvedere. Kinder können sich im Dorotheum als Detektive auf Spurensuche begeben oder an einem Schattentheater-Kurs teilnehmen. Insgesamt 129 Häuser öffnen in Wien ihre Pforten, davon 53 mit einem speziellen Kinderprogramm.

Salzburg lockt mit Fotografien von Robert Mapplethorpe und der Enthüllung eines Geheimnisses im Bergbau- und Gotikmuseum. Im Mozart-Wohnhaus läuft die Ausstellung "Mozart Bilder – Bilder Mozarts – zwischen Wunsch und Wirklichkeit". Für die Kleinen gibt es ein besonderes Programm im ORF-Landesstudio sowie die ganze Welt des Spielens im Spielzeugmuseum Bürgerspital.

Graz präsentiert im Joanneum die Faszination belebter und unbelebter Natur sowie Geschichte und Entwicklung der Stadt im GrazMuseum. In allen Bundesländern Österreichs gilt das Ticket, das unter tickets.ORF.at erhältlich ist. Das vollständige Programm ist auf der Website einsehbar.

Die ORF Lange Nacht der Museen beginnt am 5. Oktober 2013 um 18 Uhr und endet um 1 Uhr nachts.

Berlin: gefälschte Pinselstriche

Alles, nur keine Pinsel, benutzt Christine Streuli, um ihre Bilder zu malen. Stattdessen bedient sich Streuli schablonierter Papierfragmente, Punktraster, Flächen und Umrisslinien, die mittels unterschiedlicher Druckverfahren großformatig als Collagen aufgebaut werden. Den Besucher erwarten emotionsgeladene Bildwelten, die sich durch Schichten, Staffeln und Verschränkungen in den Raum erstrecken und dem Betrachter völlig neue visuelle Erfahrungen bieten. Die Ausstellung „Nonstoppainting“ im Berliner Haus am Waldsee zeigt Streulis abstrakte Bilder, Collagen und Kompositionen.

Die Werke zitieren gleichermaßen die künstlerische Welt der Werbung als auch verschiedenste Elemente historische Kunst und Ornamentik. Durch die Kombination heftig bewegter grafischer Elemente mit durchstrukturierten Zitaten entsteht bei jedem Werk ein hektischer Eindruck. Ein Zusammenhang zwischen dem hier gezeigten raumgreifenden Überangebot und den Herausforderungen, die der Alltag in der globalen Informationsgesellschaft mit ihrer grenzenlosen Verfügbarkeit bereithält, ist durchaus beabsichtigt: Malerei für Multitasker.

Die Ausstellung "Christine Streuli – Nonstoppainting" findet vom 4. Oktober bis 5. Januar im Haus am Waldsee in Berlin statt.