Gib mir fünf! - Ausstellungstipps

Die fünf Ausstellungstipps der Woche

Jede Woche präsentieren wir Kunst, die Sie auf keinen Fall verpassen dürfen. Diesmal unter anderem mit Phantasie-Wohnlandschaften, Picassos Gefühlen beim Stierkampf, dem Copy-and-paste-Master und den Zukunftsfotografierern.

Weil am Rhein: Phantasie-Wohnlandschaft

Wer die Wohnhöhle "Visiona 2" des dänischen Designers Verner Panton (1926 bis 1998) betritt, fühlt sich in ihrer rot illuminierten Mitte sofort sicher und geborgen – ein Gefühl, das einen an die eigene Zeit im Mutterleib erinnern kann.

Organische Formen, weiche Oberflächen und ein warmes, rotes Licht erinnern nicht zufällig an das Innere einer Gebärmutter. Panton versuchte mit seiner bewohnbaren Skulptur das Innenleben des Menschen in eine äußere Form zu bringen.

Mit der "Visona 2" brach Panton im Jahr 1970 mit traditionellen Wohnkonzepten, indem er die Trennung zwischen Raum und Einrichtung aufhob und dem Raum selbst zum Möbel machte. So verschwommen Raum, Sitzgelegenheiten, Textilien, Beleuchtung und Wand- und Deckenverkleidungen zu einer futuristisch anmutenden "Phantasy Landscape". Die Vitra Design Museum Gallery zeigt ab dem 7. Februar eine originalgetreue und begehbare Rekonstruktion von Pantons Phantasie-Wohnlandschaft.

Die Ausstellung "Visiona 1970 – Revisiting the Future" ist vom 7. Februar bis 1. Juni 2014 in der Vitra Design Museum Gallery in Weil am Rhein zu sehen.

Hamburg: Kunst statt Werbung

Eine Plakatwand, ein Jahr, zwölf Künstler – für das Projekt "Xzibit2013" suchten die jungen Hamburger Künstler Lorenz Goldstein und Vladimir Schneider zwölf junge Künstler aus, die jeweils einen Monat lang mit der Plakatfläche vor dem "Projekthaus" in Hamburg-Ottensen machen durften, was sie wollten. "Wir wollten die Leute, die da jeden Tag dran vorbeilaufen, mit Kunst konfrontieren, wo normalerweise Werbung hängt", sagen sie.

Es gab keine thematischen Auflagen für die teilnehmenden Künstler, die allesamt noch weitestgehend unbekannt sind. Von Collagen über Fotografien bis hin zu Malereien – die zwölf Ergebnisse sind abwechslungsreich, mitunter überraschend und fallen auf. Am Samstag, den 8. Februar, präsentieren Goldstein und Schneider ab 20 Uhr im "Projekthaus" in Hamburg-Ottensen alle zwölf Plakat-Arbeiten in einer großen Abschlussausstellung, die durch weitere Arbeiten der Künstler ergänzt wird.

Die Ausstellung "Xzibit" ist vom 13. Februar bis 1. März 2014 im U.FO-Kunstraum des Projekthaus in Hamburg zu sehen.

Heidenheim: Picassos Gefühle beim Stierkampf

Im Jahr 1966 dokumentierte der deutsche Fotograf Hubertus Hierl einen Stierkampf im südfranzösischen Frèjus. Zufällig entdeckte er dabei auch Pablo Picasso (1881 bis 1973) in den Zuschauerrängen. Er nutzte die Gunst der Stunde und fotografierte nicht nur die dramatischen Geschehnisse in der Stierkampfarena, sondern auch Picassos Reaktionen und Gefühle darauf. Es war das letzte Mal, dass Picasso einem Stierkampf beiwohnte.

Wie viele seiner spanischen Landsleute war auch Picasso vom Stierkampf fasziniert. Das Motiv des Stierkampfs taucht in seinen Werken immer wieder auf – zum Beispiel in einer Serie von 26 Aquatinta-Radierungen, in der er einen Stierkampf chronologisch dokumentierte. Auch sein Landsmann Francisco de Goya (1746 bis 1828) interpretierte in 33 Radierungen den Kampf zwischen Mensch und Stier. Das Kunstmuseum Heidenheim stellt Goyas und Picassos Stierkampf-Radierungen ab dem 8. Februar aus. Ergänzt werden die Werke unter anderem durch die Picasso-Aufnahmen von Hierl.

Die Ausstellung "Tauromaquia – Die Kunst des Stierkampfs" ist vom 8. Februar bis 27. April 2014 im Kunstmuseum Heidenheim zu sehen.

Köln: Copy-and-paste-Meister

Die Digitalisierung schreckt auch vor der Hoheit von Pinsel und Leinwand nicht zurück – selbst in der Malerei findet der Computer mittlerweile Einzug. Mit der Methode des "Digital Painting", des digitalen Malens, entstehen unter anderem klassisch anmutende Aquarell- und Ölgemälde. Unterläuft dem Künstler dabei ein Fehler in seiner Komposition, reichen ein paar Klicks und Bildteile werden ausgeschnitten, kopiert und an anderer Stelle wieder eingesetzt.

Zu Lebzeiten des italienischen Malers Giulio Cesare Bedeschini (1582 bis 1627) war das natürlich nicht möglich. Dennoch wusste Bedeschini sich auch ohne Photoshop und Co. zu helfen – er korrigierte seine Zeichnungen und Gemälde, indem er Teile davon ausschnitt und neu anordnete. Das Wallraf-Richartz-Museum in Köln widmet dem "Copy-and-paste"-Meister der analogen Bildbearbeitung ab dem 14. Februar eine Ausstellung.

Die Ausstellung "Schätze aus der Jesuiten–Sammlung I: Die Zeichnungen des
Giulio Cesare Bedeschini" ist vom 14. Februar bis 4. Mai 2014 im Graphischen Kabinett des Wallraf-Richartz-Museum & Foundation Corboud in Köln zu sehen.

Hamburg: Die Zukunftsfotografierer

Wer auf ein Foto blickt, schaut in der Regel in die Vergangenheit. Das dokumentierte Geschehnis samt dem Moment, in dem der Fotograf den Auslöser betätigt hat, ist passé. Eine Gruppe von zehn Fotografen, fünf deutsche und fünf russische, wurde vom Goethe Institut Moskau dazu eingeladen, diese Regel zu brechen – anstelle der Gegenwart, die nach dem Moment der Aufnahme zur Vergangenheit wird, sollten sie die Zukunft fotografieren.

Natürlich ist dies technisch nicht möglich, weshalb die Fotografen die Zukunft auf Umwegen suchten: Sie dokumentierten Orte, die auf die Zukunft hindeuten, fanden Zukunftsversprechen oder inszenierten die Zukunft. Olga Chernysheva fotografierte zum Beispiel Werbeplakate samt Angestellten einer russischen Bank, die ihren Kunden durch bestimmte Produkte eine bessere Zukunft versprechen. Unter dem Titel "Die Zukunft fotografieren" stellt das Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg die Arbeiten aller Teilnehmer ab dem 7. Februar aus.

Die Ausstellung "Die Zukunft fotografieren" ist vom 7. Februar bis 4. Mai 2014 im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg zu sehen.