Gib mir fünf! - Ausstellungstipps

Die fünf Ausstellungstipps der Woche

Jede Woche stellen wir Ihnen Kunst-Höhepunkte vor. Diesmal geht es um Paul Klee und Hans Arp, die Diplomausstellung in Dresden und das Festival Über Lebenskunst in Berlin

Luzern: Der Moderne Bund

Die Münchner Künstlergemeinschaft „Der Blaue Reiter“ – so benannt nach dem von Wassily Kandinsky und Franz Marc herausgegebenen Almanach – brachte 1911 Bewegung in die Kunstszene. Heute gilt der Zusammenschluss der nonkonformistischen Künstler als einer der wichtigsten Erneuerer der Kunst des 20. Jahrhunderts.

Dass im selben Jahr auch in der Schweiz eine Künstlergemeinschaft mit ähnlichen Intentionen gegründet wurde, ist wohl weniger bekannt: Hans Arp, Walter Helbig und Oscar Lüthy gründeten den "Modernen Bund" in Weggis am Vierwaldstätter See – das genaue Datum ist unbekannt, die erste schriftliche Erwähnung datiert auf Oktober 1911. Wie die Kollegen vom Blauen Reiter wollten sie avantgardistische Kunst einem breiten Publikum bekannt machen und konfrontierten ihre Schweizer Landsleute mit internationalen Stilrichtungen. Einen einheitlichen Gruppenstil, wie ihn etwa die Brücke zeitweise pflegte, hatte der Moderne Bund nicht angestrebt. Es sind auch keine Statuten oder sonstige verbindliche Richtlinien bekannt.
Das Kunstmuseum Luzern erinnert jetzt an die Schweizer Pioniere mit der Ausstellung "Der Moderne Bund – Arp, Helbig, Lüthy, Gimmi, Huber Klee" mit 100 Arbeiten aus eigenem Besitz sowie Leihgaben. Der Schwerpunkt liegt auf den Themen Landschaft und Körper.

Die Ausstellung im Kunstmuseum Luzern ist vom 18. August bis zum 13. November zu sehen. Der Katalog kostet 68 Franken.

Berlin: Über Lebenskunst

Das Über Lebenskunst Festival lässt keine Disziplin aus – seit einem Jahr wird rund um das Haus der Kulturen der Welt in Berlin an nachhaltigen Projekten gearbeitet: Die Künstlergruppe Myvillages.org hat eine Vorratskammer mit Bio-Essen aus den Gärten der Stadt angelegt, das während des fünftägigen Festivals aufgespeist wird. Es wurden Bienenhäuser auf dem Haus der Kulturen der Welt, dem Roten Rathaus und im Garten des Schloss Charlottenburg aufgestellt. Studenten von Olafur Eliasson haben ein Floß gebaut, das das Wasser der Spree reinigt. Der Club WMF veranstaltet eine Fahrraddisco, bei der Fahrräder den Strom für die Soundanlage produzieren. Die Künstlerin Steffi Stangl hat Marcel Duchamps Readymade eines Flaschentrockners so weitergebaut, dass ihre Pfandflaschenstation an Mülleimern und Laternen in der Stadt befestigt wird, um den zahlreichen Pfandsammlern die Suche zu erleichtern. Das von der Bundeskulturstiftung geförderte Festival beinhaltet auch eine kompetent besetzte Konferenz, bei der es unter anderem um die Frage geht, ob man "Über Holzwege zur Nachhaltigkeit" kommt.

Das Festival findet von Mittwoch dem 17. August bis Sonntag, 21. August im Haus der Kulturen der Welt, Berlin, statt.

Föhr: Martin Mlecko: Waterfalls

Auf der Strandpromenade wird „Föhr on Fire“ gezeigt und der Abend mit einem Feuerwerk beendet, das Museum „Kunst der Westküste“ präsentiert die Installation Waterfalls (2003). Die Arbeit von Martin Mlecko zeigt die zeitgleiche Projektion von vier Wasserfällen unterschiedlicher Kontinente, deren Rauschen mit einer Tonspur aus dem Spielfilmklassiker Niagara von 1953 verbunden ist. In diesem Ehedrama von Regisseur Henry Hathaway tritt Marilyn Monroe als Femme Fatale auf, die mit den übermächtigen Niagarafällen zu einer ausdrucksstarken Metapher großer Gefühle verschmilzt.
Martin Mleckos Installation erschient als minimalistisch-moderne Version von Gian Lorenzo Berninis barockem Vier-Ströme-Brunnen auf der Piazza Navona in Rom. Dem Betrachter bieten sich inhaltlich unbestimmte und permanent „fließende“ Imaginationsräume, die durch Leidenschaft und Eifersucht akustisch untermalt werden. Martin Mlecko ist ein Berliner Foto- und Videokünstler, die Videoarbeit Waterfalls entstand ursprünglich als Skulptur für einen Platz in Moers.

13. August 2011 in Wyk auf Föhr im Museum Kunst der Westküste. Das Museum ist an diesem Tag bis 21 Uhr geöffnet. Feuerwerk circa um 22.40 Uhr

Berlin: Volatile Smile – Ein uneinschätzbares Lächeln

Nicht nur visuelle Eindrücke auf dem Bildschirm können den Betrachter verstören. Auch ihre Abwesenheit hinterlässt mitunter ein mulmiges Gefühl. Die Ausstellung "Volatile Smile" des Künstlerduos Geissler/Sann dokumentiert in einer Installation aus Computerscreens im Off-Modus und mehreren fotografischen Arbeiten eben diese Unsicherheit und könnte damit kaum zielgenauer die gegenwärtige Situation auf dem Weltmarkt wiedergeben. Wo sonst ununterbrochen flirrende Zahlenreihen und statistische Kurven den vermeintlichen Status Quo belegen, klaffen jetzt schwarze Löcher der Ungewissheit. Ein Gedanke, der dem ständigen Verfügbarkeitsanspruch von Informationen an der Börse entgegensteht und zugleich den offenen Ausgang der internationalen Wirtschafts- und Finanzkrise charakterisiert.

Begleitet wird die Ausstellung in der Neuen Gesellschaft für Bildende Kunst unter anderem von dem Vortrag "The Philosophy of Finance" mit dem Kulturkritiker Brian Holmes (am 16.08.) und dem Videoscreening "Fuck the War" (am 11.09.), das sich mit der spielerischen Auseinandersetzung von Gewalt und Macht im Rahmen von Computer- oder Kinderspielen befasst. Man könnte sie als Vorstufe zum "uneinschätzbaren Lächeln" begreifen.

Die Ausstellung ist in der Neuen Gesellschaft für bildende Kunst NGBK vom 13. August bis zum 11. September 2011 zu sehen. Eröffnung am 12. August um 19 Uhr.

Dresden: Diplomausstellung

Um die Verknüpfung und Überschneidung unterschiedlichster Genres geht es bei der diesjährigen Diplomausstellung der Hochschule für bildende Künste in Dresden . Auch inhaltlich werden Grenzen nicht nur überwunden, sondern im gleichen Zug auch veranschaulicht. So widmet sich Robert Pappermannn der Abbildung natürlicher Formen aus reproduzierbaren Stoffen, der aus Papier und Pappe ganze Waldlandschaften rückwirkend wiederherstellt, während andere sich auf minimale Formvorgaben beschränken: Marcel Tarelkin ordnet abstrakte geometrische Gebilde im Großformat an. Wieder andere, wie Daniela Hoferer, die in ihrer überdimensionalen Stickerei der Passionsgeschichte aufgreift, schließen in ihren Darstellungen eine erzählende Komponente mit ein. Kuratiert wurde die kontrastreiche Ausstellung von Jule Reuter.

Die Diplomausstellung der Hochschule für bildende Kunst in Dresden ist noch bis zum 04.09.2011, Dienstag bis Sonntag von 11-18 Uhr zu sehen.