Monat der Fotografie - Berlin

Die zwölf Ausstellungstipps der Woche

Jede Woche präsentieren wir Kunst, die Sie auf keinen Fall verpassen sollten. Diesmal mit einem Spezial zum Europäischen Monat der Fotografie in Berlin. Wir stellen zwölf Ausstellungen vor, die Sie nicht verpassen sollten – mit dabei ein Labor der Erinnerungen, malerische Fotografie und eine Stasi-Bildcollage.

Willy-Brandt-Haus – Ara Güler

Neapel sehen und sterben? Nein, vorher muss man noch Istanbul sehen! Wie schön die Stadt ist, verdeutlichen Ara Gülers Fotografien.

Mit seiner Leica war er schon fast überall auf der Welt unterwegs, doch seine Liebe galt immer seiner Heimatstadt. Nicht ohne Grund wird Ara Güler "das Auge Istanbuls" genannt. Seine Fotografien zeigen alle Facetten der Stadt am Bosporus und vor allem das Leben in ihr. In der Retrospektive im Willy-Brandt-Haus ist Gülers Stadtporträt zu sehen – mit Fotografien aus mehr als 60 Jahren Schaffenszeit.

Die Ausstellung "Ara Güler – Das Auge Istanbuls. Retrospektive von 1952 bis 2013" ist noch bis zum 15. Januar 2015 im Freundeskreis Willy-Brandt-Haus zu sehen.

Martin-Gropius-Bau – Memory Lab

Ein Labor für Erinnerungen, in das man eintauchen kann, das einen selbst emotional involviert – klingt erst einmal nach Zauberei oder Fantasiegeschichte. "Memory Lab" versucht genau das, indem es sich nicht nur mit Emotionen und Erinnerungen in der dokumentarischen Fotografie auseinandersetzt, sondern auch die Frage nach der Wirklichkeit, nach der Konstruktion von Vergangenheit und Geschichte stellt. Die Ausstellung zeigt, wie Bilder, Texte und Erinnerungen unseren Blick und unser Weltbild beeinflussen und als Konstruktion das kulturelle Gedächtnis prägen.

Die Ausstellung "Memory Lab – Die Wiederkehr des Sentimentalen. Fotografie konfrontiert Geschichte" ist noch bis zum 15. Dezember 2014 im Martin-Gropius-Bau zu sehen.

Martin-Gropius-Bau – Walker Evans

Es ist irgendwie grotesk, aber die Große Depression in den dreißiger Jahren in Amerika war der Beginn der Erfolgsgeschichte von Walker Evans. Seine frühen Fotografien dokumentieren die Auswirkungen der Wirtschaftskrise auf dem Land. Über 50 Jahre lang porträtierte Evans in seinem nüchternen Stil Amerika, bereiste aber auch die Welt und fotografierte auf Tahiti, Kuba oder in Londoner Subways. Die Ausstellung im Martin-Gropius-Bau illustriert mit mehr als 200 Originalabzügen einen Querschnitt durch das Lebenswerk des Fotojournalisten und Künstlers.

Die Ausstellung "Walker Evans – Ein Lebenswerk" ist noch bis zum 09. November 2014 im Martin-Gropius-Bau zu sehen.

Camerawork – BONKERS

Die Französin Bettina Rheims wollte ursprünglich Frauen aus Berlin fotografieren, aber ihnen fehlte die Leichtigkeit und wahrscheinlich waren sie auch nicht verrückt genug. Stattdessen ging Rheims nach London und fotografierte britische It-Girls. Daraus entstanden ist die Serie "BONKERS": verrückt, britisch, schön. In der gleichnamigen Ausstellung sind 26 großformatige Porträts zu sehen. Mal sind die Frauen nackt, mal in Klamotten von Vivienne Westwood, aber immer überspitzt und mit ein bisschen Ironie präsentiert.

Die Ausstellung "BONKERS – A Fortnight in London" ist noch bis zum 29. November 2014 im CAMERA WORK zu sehen.

Diverse Orte – Karl-Ludwig Lange

Sie kennen Berlin? Denkste! Seit mehr als 40 Jahren fotografiert Karl-Ludwig Lange die deutsche Hauptstadt und hat tausende Schwarzweiß-Bilder von seiner Wahlheimat gemacht. Er fotografierte Passanten, Straßenzüge, Hinterhöfe, die Mauer und Villen gleichermaßen. Seine Bilder erzählen von einem melancholischen, rauen Berlin und sind unter dem Titel "Karl-Ludwig Lange. Der Photograph in seiner Zeit. Berliner Jahre 1973-2004" in zehn verschiedenen Ausstellungen in kommunalen Museen und Galerien zu sehen. Der Clou: Die Ausstellungen sind topografisch (un)sortiert, jede Ausstellung verweist nicht auf den eigenen, sondern auf einen anderen Bezirk. Das unterstützt Langes ganz eigene Erzählweise der Entwicklung der Stadt.

Alfred Erhardt Stiftung – Michael Wesely

Kein anderer nimmt den Begriff Langzeitbelichtung so ernst wie Michael Wesely. Er belichtet Aufnahmen oft über Monate und Jahre hinweg! Berühmt ist er eher für seine urbane Bilder, wie zum Beispiel seine Aufnahmen vom Potsdamer Platz. In der Alfred Erhardt Stiftung sind nun aber großformatige Naturfotografien Weselys zu sehen. Es sind Details älterer Fotografien, deren Motive er durch die Wahl des Ausschnitts entfremdet. Seine Bilder wirken dadurch abstrakt und malerisch.

Die Ausstellung "Michael Wesely – Another Pencil of Nature – Part 2" ist noch bis zum 21. Dezember 2014 in der Alfred Ehrhardt Stiftung zu sehen.

Haus am Kleistpark – Arwed Messmer

Dass die Staatssicherheit gründliche Arbeit leistete, ist weithin bekannt. Nun wurde aus einem jüngst veröffentlichten Dokument ersichtlich, wie gründlich: Erich Honecker selbst wurde während seiner Telefonate belauscht. Von diesem Arbeitsethos zeugt auch die Ausstellung "Reenactment MfS", die einen Einblick in die fotografische Dokumentation des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) über gescheiterte Fluchtversuche an der Mauer gibt. Arwed Messmer trug jedoch nicht nur Originaldokumente für seine eindrucksvolle Bildcollage zusammen, sondern bearbeitete diese und erweiterte das vorhandene Material durch eigene Fotografien. Messmer kennzeichnet damit nicht nur die grausame Präzision der Stasi, sondern stellt auch die Frage nach der Authentizität eines dokumentarischen Bildes.

Die Ausstellung "Reenactment Mfs" ist noch bis zum 14. Dezember 2014 im HAUS am KLEISTPARK zu sehen.

Robert Morat Galerie – Ute und Werner Mahler

Auf der Suche nach dem Unerwarteten und Merkwürdigen waren Ute und Werner Mahler. Gefunden haben sie es in Brandenburg, Thüringen und Niedersachsen. Zwischen Baumkronen reckt sich ein Dinosaurier gen Himmel. Dies und weitere Ergebnisse ihrer Entdeckungsreise sind nun in der Ausstellung "Die seltsamen Tage" in der Robert Morat Galerie zu sehen. Die Mahler'schen Fotografien geben dem Betrachter Rätsel auf und sind tatsächlich seltsam – seltsam schön.

Die Ausstellung "Die seltsamen Tage – Ute Mahler, Werner Mahler" ist noch bis zum 06. Dezember 2014 in der Robert Morat Galerie zu sehen.

Kehrer Berlin – Eva Leitolf

Die meisten Postkarten von Europa zeigen wunderschöne Orte, die großen Sehenswürdigkeiten, einfach das perfekte Bild. Auf den Postkarten der deutschen Fotografin Eva Leitolf erblickt man ein ganz anderes Europa. Ihre Aufnahmen zeigen Plätze, an denen es zu rassistisch motivierten Konflikten kam. Fast friedlich sehen diese Orte aus, aber schöne Postkartenmotive sind sie nicht. Sollen sie auch nicht sein. Ihre Fotografien ergänzt Leitolf mit Zeitungsberichten, die schildern, was an dem jeweiligen Ort geschehen ist.

Die Ausstellung "Postcards from Europe 10/14 – Work from the ongoing archive" ist noch bis zum 30. November 2014 in der KEHRER BERLIN Galerie zu sehen.

Das Verborgene Museum – Monique Jacot

Wie lassen sich die "Vogue", schweizerische Frauenrechtlerinnen, Krisengebiete und Spielautomaten in Las Vegas in einer Ausstellung vereinen? Mit den Arbeiten der Schweizer Fotografin Monique Jacot! Sie reiste in Krisengebiete, um hygienische Missstände zu dokumentieren, sie lichtete Salvador Dalí, Max Frisch oder François Truffaut für große Magazine ab. Auch Frauenrechtlerinnen widmete sie ein eigenes Fotoprojekt, eine Arbeit über Las Vegas wurde zu einer Studie über die Wechselwirkung von Milieu und Mensch. Das Verborgene Museum zeigt nun eine Retrospektive der Künstlerin und gibt damit Einblick in die Komplexität unserer Welt.

Die Ausstellung "Monique Jacot – Reportagen und Tagträume" ist noch bis zum 01. Januar 2015 in dem Verborgenen Museum des Vereins für Dokumentation der Kunst von Frauen zu sehen.

Pavlov's dog – Über | Meister

"Man belohnt seinen Lehrer schlecht, wenn man immer sein Schüler bleibt.", hat Friedrich Nietzsche einmal gesagt. Die Beziehung zwischen Lehrer und Schüler ist selten eine leichte. Wie spannungsgeladen und zugleich befruchtend sie sein kann, zeigt die Ausstellung "Über | Meister". In Bildpaaren werden Fotografien der Schüler und ihrer Meister gegenübergestellt, um die Dynamik aufzuzeigen; inwieweit sie sich beeinflussten oder wie unterschiedlich sich ihre Bildsprache entwickelte.

Die Ausstellung "Über | Meister" ist noch bis zum 29. November 2014 im pavlov's dog, Raum für Fotografie zu sehen.

Only Photography – Entropie zu Hause

Eine zerknüllte MC-Donalds-Tüte, daneben ein flachgefahrener Bierdeckel auf schwarzem, grobkörnigem Asphalt. Ein Bild, dass überall entstanden sein könnte, zur genaueren Zuordnung fehlt es an Hinweisen – Informationsmangel oder Entropie heißt das in den Sozialwissenschaften.
Wilhelm Schürmanns Ausstellung "Entropie zu Hause" bezieht sich aber weniger auf diese Auslegung des Wortes, vielmehr geht es um die ursprüngliche Wortbedeutung: Umwandlung. Er thematisiert in seinen Fotografien die Zustände seines Umfelds. Seine Fotografien sind skurrile Beobachtungen des Alltags aus den Achtzigern sowie der letzten fünf Jahre.

Die Ausstellung "Wilhelm Schürmann – Entropie zu Hause" ist noch bis zum 17. Januar 2015 in der Galerie only photography zu sehen.

Europäischer Monat der Fotografie

Der Europäische Monat der Fotografie in Berlin findet bereits zum sechsten Mal statt.
Mit rund 130 Ausstellungen und 500 Fotografen ist es das größte deutsche Festival der Fotografie.
http://www.mdf-berlin.de/de/