Gib mir fünf! - Tipps der Woche

Die fünf Tipps der Woche

Jede Woche stellen wir Ihnen Kunst-Höhepunkte vor. Diesmal: Fotografie in Berlin und Köln, Videos und Objekte in Hannover und Karlsruhe

Berlin: Jessica Backhaus

Auf die Details achtet Jessica Backhaus. Auf die kleinen, die oft übersehen werden und auf die stillen Momente. Mit ihrer intimen Bildsprache hat die in Cuxhaven geborene Künstlerin es zu einer der wichtigsten Vertreterinnen der zeitgenössischen Fotografie gebracht.

Mittlerweile ist ihr viertes Buch "I wanted to see the World" erschienen. Wie bei den früheren Bänden "Jesus and the Cherries", "What still remains" und "One Day in November" (alle Kehrer Verlag) verleihen kräftige Farben den ruhigen Motiven Lebendigkeit. Backhaus zeigt die Schönheit des Alltäglichen auf sensible und emotionale Weise. Ein Querschnitt durch alle vier Bücher ist nun im Schauraum Berlin der Galerie Robert Morat zu sehen.

Jessica Backhaus zog im Alter von 16 Jahren nach Paris, und sie studierte dort Fotografie und visuelle Kommunikation. Acht Jahre später ging sie nach New York, um ihrer Leidenschaft für Fotografie weiter nachzugehen. Dort entwickelte sie ihren eigenen Stil.

Die Werkschau von Jessica Backhaus ist im Schauraum Berlin der Galerie Robert Morat bis zum 21. Mai zu sehen.

Hannover: Sebastian Neubauer

Die schönen und schrägen Seiten unserer bunten Medienwelt interessieren Sebastian Neubauer. In seinen Filmen, Fotos und Performances zitiert er die Fernseh-, Film- und Unterhaltungswelt, setzt das Material so zusammen, dass es sich selbst kommentiert, und schafft ein komplexes Abbild der heutigen Erlebniswelt. Im Zentrum seiner Arbeit steht die Interaktion von Musik, Bild- und Textebene. In der Videoarbeit "239" montiert er bekannte Filmausschnitte nach einer strengen Zahlenlogik, einem Zwei-, Drei- und Neunminutentakt, aneinander. Dabei sind Film- und Tonspur gegenläufig und erzeugen ständige Irritationen und neue Querverweise. Der Kunstverein Hannover zeigt darüber hinaus Arbeiten, in denen Neubauer sich ironisch mit dem Kunstsystem auseinandersetzt. Die Installation "The Metaphysical Possibility of Joy in the Mind of Someone Unhappy", ein drei Meter langer Plüschhai in einer Art Holzvitrine, ist unschwer als Persiflage auf Damien Hirsts Hai in Formaldehyd "The Physical Impossibility of Death in the Mind of Someone Living" zu erkennen.

Die Ausstellung "Sebastian Neubauer: Scheine weiter, liebste Phantasie!" ist vom 26. Februar bis zum 03. April im Kunstverein Hannover zu sehen. Zeitgleich läuft die Ausstellung "Reform, Revolution, Putsch" der türkischen Videokünstlerin Özlem Sulak.

Karlsruhe: Flotsam and Jetsam

Der Titel des Projekts "Flotsam and Jetsam" verweist auf traditionelle maritime Rechtssprechung, die Treibgut in zwei Kategorien sortiert: Unterschieden wird zwischen Überresten aus einem Schiffsunglück (flotsam) und bewusst über Bord geworfenen Dingen (jetsam). Dem Finder allerdings steht beiderlei Gefundenes zur freien Verfügung. Darauf basiert das Projekt von den dänischen Künstlern Jacob Dahl Jürgensen und Simon Dybbroe Møller initiierte Projekt. Mit einer Gruppe befreundeter Künstlerinnen und Künstler sammelten sie auf einer kleinen vulkanischen Insel alles ein, was an den Strand getrieben wurde, und verarbeiteten es. Neben Skulpturen und Objekten, die daraus entstanden, wurden die Gegenstände vor allem als improvisierte Musikinstrumente benutzt. Diese Klänge haben die Künsler auf einer Schallplatte aufgenommen. Ein Film dokumentiert das Finden und Suchen der Künstlergruppe und deren Improvisationen. Er veranschaulicht wie aus Schutt, Geröll und Fragmenten der Gesellschaft die Geschichte der Gegenstände zum Leben erweckt wird.

Die Ausstellung "Flotsam and Jetsam" von Jacob Dahl Jürgensen & Simon Dybboe Møller ist noch bis zum 27. März im Lichthof des Badischen Kunstvereins zu sehen.

Köln: Lars Breuer

Das Atelier der Künstlerresidenz Galata in Istanbul bietet jedes Jahr Stipendiaten der Stadt Köln Wohn- und Arbeitsraum für sechs Monate. Einer der Künstler, die das Glück hatten, in der modernen Metropole arbeiten zu können, ist Lars Breuer, dessen Werke aus dieser Zeit nun in der Ausstellung "Reich der Flora" in der Temporary Gallery Cologne zu sehen sind. Istanbul mit seiner antiken Tradition, seiner Ornamentvielfalt und seinen Palastgärten inspirierte Lars Breuer zu Arbeiten, die er einer langjährig entwickelten Fotoserie zerborstener Bäume entgegensetzt: Ölbilder hauchzarter Blütenblätter, antiker Rosetten und pflanzlichem Architekturschmuck stehen den Fotos gegenüber und spielen so mit den Stereotypen menschlicher Naturbilder. Lars Breuer malt aber nicht nur auf Leinwand, sondern schafft auch großformatige Wandarbeiten. Sein "Reich der Flora" vereint die Ideale der Antike mit einer Dokumentation der selbstzerstörerischen Natur. Lars Breuer wurde 1974 in Aachen geboren und studierte an der Kunstakademie Düsseldorf.

Die Ausstellung "Reich der Flora" in der Temporary Gallery Cologne ist noch bis zum 02. März zu sehen.

Esslingen: Michael Bauer

Die Ausstellung "K-Hole (Frogs)" vereint Michael Bauers Repertoire aus Malerei, Skulptur und Display-Architektur. Entführt wird der Besucher in imaginäre Welten, in denen Fantasmen, Psychedelisches und Eigentümliches aufeinander treffen. Bewegende Figurationen aus Schmutzflecken und Farbklumpen, ein grau-braunes Schlamm- und Schattengewühl aus heraldischen Formen und Ornamenten zieht den Betrachter sogartig ins Geschehen. Im Obergeschoss der Villa Merkel befindet sich zudem die von Michael Bauer kuratierte Gruppenausstellung "The Keno Twins 4". Mit subjektivem Blick, frei und ohne Schubladendenken, zeigt die Ausstellung Künstler, die Michael Bauer bewegen und die abseits des klassischen Kunstbetriebs arbeiten. Unter anderem Horst Ademeit, Chris Hipkiss, George Widener und August Walle.

Die Ausstellung läuft vom 27. Februar bis zum 08. Mai in der Villa Merkel in Esslingen am Neckar.