Gib mir fünf! - Tipps der Woche

Die fünf Tipps der Woche

Jede Woche stellen wir Ihnen Kunst-Höhepunkte vor, die Sie sich nicht entgehen lassen sollten. Dieses Mal: Sadomaso-Schaukeln, soziales Design und einen Kunst-Wahlkampf.

München: Monica Bonvicini / Tom Burr

Wie eine heiße Affaire wirkt die künstlerische Zusammenkunft der in Berlin lebenden Italienerin Monica Bonvicini mit dem Amerikaner Tom Burr. Mit Sicherheit sei es aber keine "arrangierte Hochzeit", versichert die Städtische Galerie im Lenbachhaus und im Kunstbau München.

Sexuelle Anspielungen gibt es jedenfalls bei beiden Künstlern, wobei Bonvicinis Sadomaso-Schaukeln der mit dem "Preis der Nationalgalerie" 2005 ausgezeichneten Installation "Never Again" wohl die meiste Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Hinter beiden Positionen steht die Auseinandersetzung mit Räumen oder Alltagsobjekten, die in ihrem musealen Kontext als gesellschaftliches Konstrukt, als Träger von Machtverhältnissen, entlarvt werden. Formal haben sich die zwei Künstler bei der Minimal Art getroffen, um von ihr ausgehend und diese weiterentwickelnd einen jeweils eigenen Ausdruck zu finden. Die Verbindung bleibt eben lose und die Liaison hält nur bis zum 16. August.

DMY – International Design Festival Berlin

"Daily, Monthly, Yearly", die Berliner Designplattform DMY präsentiert noch bis zum 7. Juni mit dem International Design Festival den jährlichen Höhepunkt ihres relativ jungen, aber erfolgreichen Projekts, mit dem sie seit 2003 weltweit auf Messen, Festivals und Ausstellungen agiert. Workshops, Panel Talks, Vorträge, Performances und Partys begleiten ein reiches Ausstellungsprogramm, das in diesem Jahr sogar ausgeweitet wurde. Neben der etablierten Schau der "DMY Youngsters", die junges, innovatives Design präsentiert, bekommen nun auch die "DMY Allstars", etablierte Designer, eine zentrale Ausstellungsfläche. Weitere Highlights: die als "Jury Selection" ausgezeichneten zehn besten Objekte und Projekte, die erstmalige Verleihung des DMY-Awards und das DMY-Symposium. Die Macher legen besonderen Wert auf nachhaltiges sowie soziales Design und auf die Rückeroberung des öffentlichen Raums. Als kreative Leitlinie lautet somit das Motto: Mut zum Experiment und zur Innovation – auch, und gerade in unsicheren Zeiten.

Karlsruhe: "Wahlheimat"

Deutschland geht wählen – und die Kunst macht mit. In Karlsruhe läuft seit diesem Frühjahr die Wahlkampfmaschinerie heiß und am kommenden Samstag sollen die Gewinner öffentlich präsentiert werden: 20 Künstler, die von kunstinteressierten Bürgern zuvor per E-Mail oder SMS – ganz zeitgemäß und demokratisch – gewählt wurden, können dann ihre Arbeiten zum Thema "Wählen – Demokratie – Partizipation" im Rahmen der Ausstellung "Wahlheimat" präsentieren, wobei Honorar und Ausstellungsfläche gemäß den Stimmenanteilen vergeben werden. Initiatoren sind die Staatliche Hochschule für Gestaltung (HfG) und das Zentrum für Kunst und Medientechnologie Karlsruhe (ZKM). Die Werke werden bis zum 28. September ausgestellt.

Oldenburg: Isa Rosenberger / Nina Pereg

Das Edith-Ruß-Haus für Medienkunst zeigt mit der Österreicherin Isa Rosenberger und der in Tel Aviv geborenen Nira Pereg zwei künstlerische Positionen, die gesellschaftspolitische Zustände und Entwicklungen vor dem Hintergrund ihrer urbanen Räume zum Thema machen. Rosenberger dokumentiert mit Foto- und Videoarbeiten, wie sich das postsozialistische Europa an seiner Vergangenheit abarbeitet. So wird ein ehemals als politische Propagandabühne genutzter Brunnen in Bratislava zum Schauplatz ihrer Fotoserie "Ruzinov", die sie mit Textcollagen verbindet, welche wiederum aus Gesprächen mit Passaten und Bewohnern entstanden sind. Nira Pereg bewegt sich mit ihren Filmen und Fotografien zwischen dem Kongo, Paris und immer wieder ihrer Heimat Israel, wo sie unter anderem der Frage nachgeht, wie sich das Individuum gegen öffentliche Rituale oder den architektonischen Raum behaupten kann. Die Ausstellung, die noch bis zum 8. August läuft, ist ihre erste Einzelschau in Deutschland.

Berlin: Björn Perborg / Guy Zagrsky

Ein drittes künstlerisches Doppelpack präsentiert schließlich das Künstlerhaus Bethanien. Der Schwede Björn Perborg befasst sich in seiner ironischen Kunst nicht nur mit der Darstellung des Mannes in der Gesellschaft, sondern widmet sich auch anderen Absurditäten des Alltags. Der scheinbar naive Blick auf diverse Phänomene und Situationen zieht sich durch all seine Arbeiten wie auch in der hier gezeigten Werkreihe "Geschichten aus dem Koffer": Überdimensional große Koffer werden zum Miniausstellungsraum umfunktioniert und mit Animationen, einer Installation, Diashow und einer Fotoausstellung bespielt, die er anhand persönlicher Erlebnisse entwickelt hat. Hier erfährt man dann unter anderem wie "The Trip to America" verlief, bei dem der Künstler versuchte, eine Tüte voll Waschpulver, ein Miniaturmesser und ein Buch über den Islam ins Flugzeug zu schleusen. Die Ausstellung "Syncope" des aus Isreal stammenden Künstlers Guy Zagursky konfrontiert in zwei Werkgruppen autoritäre Staatsmacht in Form von abstrakten Polizistenmaschinen mit weiteren acht Roboterinstallationen auf der gegenüberliegenden Wand, die anstatt der Schlagknüppel mit wild um sich prügelnden Blindenstöcken bewaffnet sind. Auch hier sollten gewisse Sicherheitsbarrieren nicht überschritten werden.