Gib mir Fünf! - Ausstellungstipps

Die fünf Ausstellungstipps der Woche

Jede Woche präsentieren wir Kunst, die Sie auf keinen Fall verpassen sollten. Diesmal mit einer Neueröffnung in Leipzig, deutschen Tannen in Wolfsburg, wuchernden Pilzen und wildem Gestrüpp in Mainz, kurzlebigen Kunststars in Baden-Baden und neorealistischen Fotografien in Rüsselsheim.

Leipzig: Eröffnungsausstellung der Sammlung Hildebrand

In Leipzig eröffnet am Wochenende ein neuer Ort für zeitgenössische Kunst. In den Räumen der G2 wird schräg gegenüber der Thomaskirche zukünftig vor allem der Fokus auf die renommierten Künstler der Region gelegt.

Schon die erste Schau, die insgesamt 50 Arbeiten versammelt, macht klar, wie sich der Schwerpunkt der in der G2 präsentierten Sammlung Hildebrand gestaltet: Neo Rauch, David Schnell, Matthias Weischer, Tilo Baumgärtel und Uwe Kowski stehen für die etablierte Leipziger Malerei dieser Tage. Werke von Daniel Richter, Stephan Balkenhol und Ruprecht von Kaufmann sollen für etwas Heterogenität sorgen. Aber es wird nicht ausschließlich Malerei gezeigt: Fotografie, Skulptur und Zeichnung werden ebenfalls berücksichtigt. Zur Eröffnung macht die G2 einen interessanten Schnitt: Die erste Ausstellung zeigt nur Werke, die in den letzten 15 Jahren, also ab 2000, entstanden sind. Mehrmals jährlich sollen nun im Herzen Leipzigs frische Ausstellungen folgen.

"Leipzig 2015. Sammlung Hildebrand" in der Galerie G2 ist vom 22. März bis 11. Oktober 2015 zu sehen.

Mainz: Lois Weinberger

Die Kunsthalle in Mainz zeigt ab diesem Wochenende eine Einzelausstellung des österreichischen Künstlers Lois Weinberger. Der beschäftigt sich in seinem Werk mit dem Urwuchs der Natur, wenn er zum Beispiel Pilze an Wänden oder Puppen wachsen lässt. In seinen "Wildcubes" sperrt er keine Wildgeschöpfe ein, sondern durch das Nichts in ihnen den Betrachter aus, und mit seinen Fotografien toter Industriegebiete zeigt er, wie sich die Natur die industriellen Orte zurückerobert. Der installative Ansatz des 1947 in Tirol geborenen Künstlers, Räume zu erschaffen, die sich selbst entwickeln können, stellt ihn in eine Tradition zu Künstlern wie Giuseppe Penone und der Arte Povera. Die Schau zeigt einen Blick über das Werk Weinbergers von der Notiz, über das Modell, bis zur Zeichnung.

Die Werke von Lois Weinberger werden in der Kunsthalle Mainz vom 20. März bis zum 6. September 2015 gezeigt.

Wolfsburg: Erwin Wurm – Fichte

Der österreichische Bildhauer Erwin Wurm wird am Wochenende die große Ausstellungshalle des Kunstmuseums Wolfsburg in einen heimeligen Nadelwald verwandeln. Beim Spiel mit Kleinbürgertum und deutscher Romantik sowie Erholungsraum und Märchenhort wird die Schau "Fichte" wohl auch Bezug auf den Philosophen Johann Gottlieb Fichte nehmen, der wohl verantwortlich dafür ist, dass wir am Wochenende nicht in die "Tanne" gehen, denn genau dieses Gehölz bietet wohl das eigentliche Vorbild für die Installation. Nichtsdestotrotz: Wer den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sieht, darf sich auf über 40 weitere, hauptsächlich neuere Arbeiten aus dem Werk des Künstlers freuen. Zu sehen sind Schuhe tragende Wärmflaschen (mit dem Titel "Mutter"), gequetschte Toiletten und kopflose Tänzer, die zeigen, dass Wurm nicht nur einen gepflegten Humor hat, sondern sich offensichtlich seit Jahren einen Kehricht um Fragen von Hoch- und Tiefkultur schert.

Die Ausstellung "Erwin Wurm – Fichte" findet vom 22. März bis zum 13. September 2015 im Kunstmuseum Wolfsburg statt.

Baden-Baden: Nach dem frühen Tod

Was haben diese drei Künstler gemein: Vincent van Gogh, Jean-Michel Basquiat und Jackson Pollock? Alle drei starben zur Hochphase ihres noch unvollendeten Werks. Doch welche Mechanismen müssen wirken, damit ein Künstler posthum zur gefeierten Ikone aufsteigen kann? Mit dieser Frage beschäftigt sich die Ausstellung "Nach dem frühen Tod". Die Kunsthalle Baden-Baden zeigt dabei neben den drei genannten Künstlern ein verblüffend breites Feld vom israelischen Installationskünstler Absalon (1964-1993) bis zur US-amerikanischen Fotografin Francesca Woodman (1958-1981). Trotz ihrer alphabetischen Breite bleibt die Austellung, abgesehen von einigen Abweichlern wie Van Gough (1853-1890), August Macke (1887-1914) oder Wilhelm Morgner (1891-1917) in großen Teilen auf das mittlere und späte 20. Jahrhundert fokussiert. Im Mittelpunkt sollen nicht nur die Mechanismen hinter dem posthumen Starruhm stehen, sondern auch der Einfluss des Künstlers als Persönlichkeit auf spätere Preisgestaltung und Werbepolitik.

Die Ausstellung "Nach dem frühen Tod" findet vom 21. März bis zum 21. Juni 2015 in der Kunsthalle Baden-Baden statt.

Rüsselsheim: Luce - Fotografien von Pietro Donzelli

Die Rüsselsheimer Opelvillen stellen einen beeindruckenden Vertreter des italienischen Neorealismus vor: Der Fotograf Pietro Donzelli arbeitete vor allem Mitte des letzten Jahrhunderts, in den fünfziger und sechziger Jahren und näherte sich seinen Themen im Format des Porträts und der Reportage. Seine an vielen Stellen wunderbar inszeniert wirkenden Schwarz-Weiß-Fotografien fangen das staubige, ruhige, naturverbundene Leben seiner italienischen Heimat ein. Durch das einfühlsame Spiel mit Licht, Perspektive und Ausschnitt muss man Donzelli durchaus zu den wichtigen Vertretern der italienisch-neorealistischen Epoche rechnen.

Die Ausstellung "Pietro Donzelli (1915-1998) Luce. Fotografien" ist vom 25. März bis zum 14. Juni in den Opelvillen in Rüsselsheim zu sehen.