Gib mir fünf! - Ausstellungstipps

Die fünf Ausstellungstipps der Woche

Jede Woche präsentieren wir Kunst, die Sie auf keinen Fall verpassen sollten. Diesmal mit Raumschiffen, verbogenen Gebäuden und naturalistischen Skulpturen.

Bonn – Himmel auf Erden

Von der Himmelsscheibe von Nebra aus dem Jahre 1600 vor Christus bis zu heutigen Weltallexpeditionen – die Neugierde für das Universum scheint so alt wie die Menschheit selbst.

Ein Überblick dieser Liebe ist jetzt in Bonn zu sehen. Gezeigt werden kosmische Himmelsbilder von William Turner oder Peter Paul Rubens, moderne Maler wie Max Ernst und Odilon Redon ebenso, wie heldenhafte Weltall-Comics. Das Raumschiff "Liberty Bell 7", mit dem die US-Amerikaner ihren zweiten bemannten Raumflug starteten, wird im Original zu sehen sein. In einem Video informiert die Bundeskunsthalle über die spannenden Hintergründe des Relikts. Ob über Comics, Kunst oder Artefakte – in jedem Fall kommt man dem Himmel in Bonn bald ein Stück näher.

Die Ausstellung "Outer Space – Faszination Weltraum" findet vom 3. Oktober bis zum 22. Februar in der Bundeskunsthalle in Bonn statt.

Frankfurt am Main – Doppelgänger

Wer nicht zu ihrer Zeit geboren wurde, muss leider damit leben, Berühmtheiten wie Cäsar und Kleopatra niemals wahrhaftig zu Gesicht zu bekommen. Dafür stehen in diversen Museen Marmor- und Holzbüsten, um ihnen ein naturgetreues Abbild zu geben. Heute, ein paar tausend Jahre später, kommt man den Originalen dank Echthaar, Glasaugen und exakt angepasstem Inkarnat immer näher. Man denke an die täuschend echten Skulpturen von Duane Hanson oder Ron Mueck, die jetzt im Frankfurter Liebieghaus zu sehen sind. In der epochenübergreifenden Schau wird aber aufgezeigt, dass auch im Mittelalter manche Darstellung, der Realität zum Verwechseln ähnlich sah. Dabei nimmt die Ausstellung nicht nur Berühmtheiten in den Blick. Ob Jesuskind oder "Seated Child" – die Ausstellung findet in jeder Gesellschaftsschicht Protagonisten, die manchmal so real sind, dass nur noch das Augenzwinkern fehlt.

Die Ausstellung "Die große Illusion – Skulpturen und ihre Techniken" findet vom 1. Oktober bis zum 1. März im Liebieghaus – Skulpturensammlung in Frankfurt am Main statt.

Wien – Passend gemacht

Sein Professor war sich zu seiner Zeit nicht sicher, ob es sich bei dem spanischen Architekten um einen Verrückten oder ein Genie handelt. Seine Gebäude waren rund, verbogen, aus der Form gefallen, etwa das im Stil des Modernismus gehaltene Casa Batlló oder die seit 1882 immer noch unvollendete Kirche Sagrada Família. Mittlerweile zweifelt kaum jemand an Antoni Gaudís Begabung. Neben Methodik und Philosophie vermittelt das Wiener Architekturzentrum auch den Werdegang Gaudís: von biografischen Themen, Video- und Fotoaufnahmen seiner Bauten, bis hin zu Möbeldesign. Die ganze Welt des 1926 gestorbenen Meisters, die noch heute visionär ist.

Die Ausstellung "Gaudí. Eine zukunftsweisende Architektur" findet vom 2. Oktober bis zum 2. November im Architekturzentrum in Wien statt.

Wiesbaden – Faust auf Faust

Was für Sandro Botticelli Dante Alighieris "Göttliche Komödie" war, ist für Max Beckmann Goethes "Faust II": Inspirationsquelle für 143 Federzeichnungen, den "Faustzyklus". Die Bleistiftskizzen und Tuschezeichnungen zeigen Beckmann selbst, der sich in diversen Szenen aus dem literarischen Klassiker teilweise als Mephistopheles aber auch als Faust darstellt. Nachdem der Londoner Kunsthändler Arthur Kauffmann in den siebziger Jahren alle Zeichnungen am Stück gekauft hatte, werden sie gemeinsam verwahrt. In Wiesbaden sind nun sämtliche Zeichnungen des Zyklus öffentlich zu sehen. Das erste Mal seit zehn Jahren.

Die Ausstellung "Goethe – Faust – Beckmann" findet vom 2. Oktober bis zum 18. Januar im Museum Wiesbaden statt.

Hamburg – Hingesprüht

Während Graffiti-Hamburg in diesen Tagen um OZ, den "Großvater der Szene", trauert, arbeitet das Street-Art-Festival "Knotenpunkt 14" schon wieder daran, öffentliche Reinheitsgebote zu stören. In Zusammenarbeit mit der Galerie Affenfaust werden an diesem Wochenende auf 850 Quadratmetern 50 internationale Künstler gezeigt, die mit illusionistischen Hauswandlöchern oder anderen skurrilen Darstellungen das Stadtbild verändern. Darunter solche, die sich, wie 1010, in Anonymität hüllen, aber auch Künstler wie Björn Holzweg. Der aus Leipzig stammende Mann arbeitet bereits seit zehn Jahren in der Hansestadt und hat unter anderem das Stadtbild in Ottensen in der Bahrenfelder Straße 206 mit einem Tiermotiv verziert.

Das Festival "Knotenpunkt 14" findet vom 2. bis zum 5. Oktober im Kolbenhof in Hamburg statt.