Gib mir fünf! - Ausstellungstipps

Die fünf Ausstellungstipps der Woche

Jede Woche präsentieren wir Kunst, die Sie auf keinen Fall verpassen dürfen. Diesmal mit Dunst-Visionen, DDR in Farbe, audiovisueller Essenz, dem Meister des Witzes und der einzigen Heavy-Metal-Band Aserbaidschans.

Wiesbaden: Dunst-Visionen

Wilhelm Klotzek, 1980 in Ostberlin geboren, ist sich selbst für die Rolle des Hausmädchens nicht zu schade.

Eigens für seine erste institutionelle Einzelausstellung, zu sehen ab 22. März im Kunstverein Wiesbaden, inszenierte der Künstler eine regionale Talkshow: "Hessen Jetzt!". Darin spielt er nicht nur den fiktiven Moderator, sondern schlüpft auch in verschiedene Rollen des Filmprojekts "Buddenbrooks", das in der Show diskutiert wird.

In dieser Arbeit blickt Klotzek in die Vergangenheit, in einer anderen verfolgt er seine nicht allzu ernst gemeinten Zukunftsvisionen: In der fiktiven Kampagne "Dunstraum Wiesbaden. Eine Stadt raucht" bewirbt sich Wiesbaden für den Titel der Raucherhauptstadt Europas. Die Arbeiten des studierten Bildhauers und Gewinners des Columbus-Förderpreises für aktuelle Kunst bewegen sich stets im Spannungsfeld zwischen Bildhauerei und Text und greifen auf eine breite mediale Palette zurück: Klotzek arbeitet mit Performances, Skulpturen, Videos, Installationen, Geschichten und Büchern.

Die Ausstellung "Wilhelm Klotzek / Zigaretten und andere nichtalkoholische Getränke" ist vom 22. März bis 11. Mai 2014 im Nassauischen Kunstverein Wiesbaden zu sehen.

Berlin: DDR – in Farbe

Die Fotografen Martin Schmidt (*1925) und Kurt Schwarzer (1927 bis 2012) waren in der DDR im Auftrag von Zeitschriften, staatlichen Organisationen und Unternehmen als Fotoreporter unterwegs. Ungeachtet ihres Einsatzortes – ob landwirtschaftlicher Betrieb, Fabrik, Kindergarten oder Altenheim – war es stets ihr Auftrag, einen modernen sozialistischen Staat zu repräsentieren. Ihr wichtigstes Werkezeug hierbei: die Farbfotografie.

Das Deutsche Historische Museum zeigt mit ihren Auftragsarbeiten ab dem 21. März, wie die damals junge DDR mit farbigen Aufnahmen ihrer zeitgemäßen Fabriken, effizienten Landwirtschaft, ihrer Errungenschaften und Neubauprojekte versuchte, Aufbruchsstimmung und Optimismus zu verbreiten. Neben großformatigen Abzügen werden auch originale Publikationen, Farbdias, Negative und weitere Arbeitsmaterialien der Fotoreporter ausgestellt.

Die Ausstellung "Farbe für die Republik – Auftragsfotografie vom Leben in der DDR" ist vom 21. März bis 31. August 2014 im Deutschen Historischen Museum in Berlin zu sehen.

Wien: Audiovisuelle Essenz

Wird ein filmisches Auseinandergehen zu einem Zusammenkommen, wenn man die Szene rückwärts abspult? Eines ist sicher: Es führt zur totalen Verwirrung des Betrachters, wenn Filmszenen, in denen sich Menschen begegnen oder auseinandergehen, verkehrtherum abgespult werden. In ihrer Videocollage "Goodbye" geht die Wiener Künstlerin Karin Fisslthaler noch einen Schritt weiter: Sie spiegelt die Bildszenen teils, bis niemandem mehr klar ist, was der ursprüngliche Akt darstellen sollte: eine Begrüßung oder eine Verabschiedung.

Fisslthalers Arbeit ist Teil der Ausstellung zum diesjährigen "sound:frame", dem Wiener "festival for audiovisual expressions." Seit 2007 führt das Festival Künstler und Theoretiker aus den Bereichen Medienkunst, Visuals, Architektur und Design zusammen. Die parallel stattfindende Ausstellung im Wiener Museum für angewandte Kunst sucht dabei nach der "Essenz" der jungen Kunstform der audiovisuellen Kunst. Teilnehmende Künstler sind unter anderem Andreas Koller, Sixtus Preiss, Veronika Mayer, Benjamin Tomasi und Nuors////02.

Die Ausstellung "sound:frame 2014 – If this is the Answer, what is the Question?" ist vom 26. März bis 13 April 2014 im Wiener Museum für angewandte Kunst zu sehen.

Oldenburg: Meister des Witzes

Robert Gernhardt (1937 bis 2006) zählt zu den wichtigsten zeitgenössischen Dichtern deutscher Sprache. Er war zunächst Mitarbeiter der Satirezeitschrift "Pardon" und später Mitbegründer des noch heute erscheinenden Magazins "Titanic".

Gerhardt war jedoch nicht nur ein Meister des Witzes in Wort und Schrift – auch war er ein begnadeter Karikaturist. Das Stadtmuseum Oldenburg widmet sich nun erstmals mit rund 100 Exponaten aus dem Bestand des Frankfurter Caricatura-Museums dem zeichnerischen Werk Gernhardts, das so wie sein literarisches Werk von Satire und Witz geprägt ist.

Die Ausstellung "Robert Gernhardt – Das zeichnerische Werk" ist vom 23. März bis zum 4. Mai 2014 im Stadtmuseum Oldenburg zu sehen.

Freiburg: Die einzige Heavy-Metal-Band Aserbaidschans

Für seine Videoinstallationen greift der in London lebende Künstler Jordan Baseman auf Interviews, erzählte Geschichten und seine eigenen Feldnotizen aus den Begegnungen mit den Protagonisten seiner Filme zurück. Für seinen neuesten Streifen, "Nobody Likes Us But We Don’t Care" (Niemand mag uns, aber es juckt uns nicht), traf er die wahrscheinlich einzige Heavy-Metal-Band Aserbaidschans.

Mit der gleichnamigen Ausstellung widmet das Stadtmuseum Oldenburg Baseman nun eine Einzelausstellung. In dem 20-minütigen Film, der dort ebenfalls gezeigt wird, porträtiert Baseman die Band "SiRR" und zeichnet das Bild einer Gruppe, die trotz fehlenden Publikums im musikalisch traditionell-orientierten Aserbaidschan ihr Ding durchzieht.

Die Ausstellung "Jordan Baseman – Nobody Likes Us But We Don’t Care" ist vom 21. März bis 4. Mai 2014 im Kunstverein Freiburg zu sehen.