Gib mir fünf! - Tipps der Woche

Die fünf Tipps der Woche

Jede Woche stellen wir Ihnen Kunst-Höhepunkte vor. Diesmal: skulpturale Fotografie, fotografierte Arbeiter und Arbeiten von Hans Arp

Salzburg: Ilse Haider

Eigenartige skulpturale Fotografien, Bilder mit raumgreifenden Oberflächen und von seltsamer Materialität – Ilse Haider hinterfragt die Qualitäten des fotografischen Bildes auf ihr Grundsätzliches hin. Fotografie wird ins Skulpturhafte erweitert, die Trägermaterialien sind nicht mehr Papier, sondern Holzpaneele, Peddigrohrgeflechte oder aus Wattestäbchen geformte unebene Flächen.

Sie fragmentiert ihre Motive, und der Betrachter muss sie sich imaginär neu kreieren. Haider irritiert stereotype Frauenbilder: Sie enttarnt ikonenhafte Porträts und Schönheitsideale als Floskeln und dekonstruiert das machoartige Bild des Mannes.
Der Breicha-Preis wird alle zwei Jahre an einen österreichischen Fotografen für ein beachtenswertes fotografisches Oeuvre verliehen und von der Familie des Gründungsdirektors des Rupertinums, Otto Breicha, dotiert. Die Preisverleihung findet im Rahmen der Ausstellungseröffnung am 29. Januar um 11 Uhr statt.

Die Ausstellung "Ilse Haider. Objekte und Fotografien“ läuft vom 29. Januar bis zum 10. April 2011 im MdM Rupertinum in Salzburg

Bremen: "Arbeiterfotografie"

Die Galerie Flut in der Hochschule für Bildende Künste Bremen bietet jungen Künstlern Fläche für neue Ausstellungskonzepte. Am 28. Januar ist das Hamburger Kuratorenkollektiv "Foto Folgen" eingeladen sich in den Räumlichkeiten auszubreiten. Ihre Ausstellung "Arbeiterfotografie" entstaubt ein historisches Genre, das seine Wurzeln in der sozialistischen Arbeiterbewegung des 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts hat, indem sie es mit den Blicken junger zeitgenössischer Künstler auf Arbeiter und Arbeiterklasse konfrontiert. Der Berliner Andy Kania zum Beispiel, zeigt in seiner Serie "New Model Army" gesellschaftliche Archetypen: Menschen der Straße, saufende Obdachlose, niedere Gestalten, die Könige des Kiez. Kaputt, lustvoll und exzessiv stellt Kania sie dar. Die Fotografin Kathrin Spirk hat Pendler in London in Szene gesetzt, die ihren Weg zur Arbeit joggen – und dabei pro Woche bis zu 50 Meilen zurücklegen. Bildhauerin und Fotografin Christin Kaiser schafft eine Installation, in der das historische Bauhaus und die gleichnamige Baumarktkette eine denkwürdige Kollision erfahren.

Die Ausstellung "Arbeiter Fotografie" ist vom 28. Januar bis zum 6. Februar 2011 in der Flut Galerie am Speicher XI 8 in Bremen zu sehen.

München: Hans Arp

Schwellenplastiken und Papierarbeiten des deutsch-französischen Künstlers Hans Arp werden nun in der Münchner Galerie Thomas präsentiert. Sowohl die Collagen von Silhouetten als auch die dreidimensionalen Schwellenplastiken sind beide als eigene Werkgruppen zu sehen, allerdings erkennt man eine deutliche Parallele. Beide lassen aus abstrakter Geometrie Bekanntes entstehen: Menschliche Körper und organische Formen. Sie stammen aus dem Spätwerk des 1886 im Elsass geborenen Malers, Bildhauers, Dichters, und Mitbegründers der Dada-Bewegung. Arp gilt als einer der bedeutendsten Vertreter dieser Kunstrichtung. Darüber hinaus setzte er sich auch mit vielen avantgardistischen Strömungen seiner Zeit auseinander und war Mitglied der Künstlervereinigung Abstraction-Création.

Die Ausstellung läuft vom 28. Januar bis zum 30. April 2011 in der Galerie Thomas, Maximilianstraße 25. Der ausführliche Katalog kostet 15 Euro.

Chemnitz: Jan Dibbets

"Der Horizont ist die schönste Linie, die es gibt, zwei- und dreidimensional gleichzeitig; sie hat auch keine Perspektive", sagte Jan Dibbets 1974 in einem Gespräch. In seinen großformatigen Papierarbeiten, die nun in den Kunstsammlungen Chemnitz in der Austellung "Horizons" präsentiert werden, verflüchtigt sich die romantische Vorstellung vom unendlichen Horizont schnell. Zusammengefügte Landschaftsausschnitte erschaffen die Illusion eines Horizonts und zeigen die Verhältnisse von Abbild und Abstraktion. Der 1941 in den Niederlanden geborene Künstler zählt zu den bedeutendsten Vertretern der Land Art und beschäftigt sich seit Ende der sechziger Jahre mit natürlichen Landschafträumen als künstlerisches Gestaltungsmittel, mit dem Problem der Wahrnehmung, der Sinnestäuschung und der bildlichen Illusion.

Die Ausstellung "Horizons" ist in den Kunstsammlungen Chemnitz vom Samstag, den 29. Januar um 18 Uhr bis zum 13. März 2011 zu sehen.

München: "Escalier du Chant"

Eigens für den großen Treppenaufgang der Pinakothek der Moderne hat Olaf Nicolai eine performative Soundinstallation geschaffen. Im Zentrum des Projekts steht die menschliche Stimme. Nicolai hat zwölf internationale Komponisten und Komponistinnen gebeten, Lieder zu aktuellen politischen Ereignissen zu schreiben. Diese sollen im Laufe der zwölf Monate des Jahres 2011 entstehen und zu einer Art gesungenen "Jahreschronik" werden. "Bei meiner Arbeit geht um die Bedeutung des Klangs – auch im Titel der Arbeit: Durch das Aussprechen des französischen Werktitels 'Escalier du chant' ergibt sich eine Anspielung auf Marcel Duchamp. Dessen vor 100 Jahren entstandenes Gemälde 'Akt, eine Treppe herabsteigend' erweiterte radikal die traditionelle Vorstellung des unbewegten Bildes um die Seh-Erfahrungen des bewegten. Das Gemälde von Duchamp lässt Zeit sichtbar werden. Auch meine Arbeit verbindet eine Treppe mit einer Zeiterfahrung." Die Lieder werden an zwölf Sonntagen des Jahres von den Sängern der Neuen Vocalsolisten Stuttgart aufgeführt. Der Treppenaufgang wird so zur Bühne, auf der auch die Besucher zu Akteuren werden.

Die erste Performance wird am 30. Januar 2011, zwischen 12 und 18 Uhr auf der großen Treppe der Pinakothek der Moderne in München stattfinden.