Gib mir fünf! - Tipps

Die fünf Ausstellungstipps der Woche

Jede Woche präsentieren wir Kunst, die Sie nicht verpassen dürfen. Diesmal mit New Yorker Szenekunst, Grenzüberschreitungen und fiktiven Realitätsebenen

Klosterneuburg: Verspiegelte Bildwelten

"Vorspiegelung" – der Titel der Ausstellung von Martin Schnur im Essl Museum greift das Grundthema der Bilder des österreichischen Künstlers auf.

In seinen Bildern treffen verschiedene Ebenen aufeinander, gehen ineinander über und bleiben gleichzeitig getrennt. Menschen in seinen Bildern tragen keine oder einfache Kleidung, halten große Scherben zerbrochener Spiegel in den Händen und bleiben für sich, stets fern der Natur. Doch statt mit seinen Bildern Geschichten zu erzählen, überlässt Schnur es dem Betrachter, welche in seinem Kopf entstehen zu lassen. Spiegelungen und Reflexionen greifen das Licht auf und ergeben neue Blickwinkel, eröffnen, dass das Bild nur einen Teil dessen widergibt, was es abbildet oder in der Fantasie abbilden könnte.

Die Ausstellung "Martin Schnur – Vorspiegelung" ist vom 01. Februar bis zum 09. Juni im Essl Museum in Klosterneuburg zu sehen. Die Eröffnung findet am Donnerstag, den 31. Januar um 19:30 statt.

Basel: Fiktion und Realität

Mandla Reuter besitzt ein Stück Land. Genauer gesagt ein Stück Land in Los Angeles. Und zumindest laut Reuter, der den Besitz des Landes in seiner Ausstellung in der Kunsthalle Basel gleichzeitig zu beweisen und zu widerlegen versucht. So enthält eine seiner Installationen einen weißen Teppich, der mit Fußabdrücken und Dreck seines Stücks Land bedeckt ist – als Beweis der Existenz. Eine andere Arbeit hingegen stellt die Existenzwiderlegung dar: ein von Reuter an seine Adresse in Los Angeles adressierter Brief, der zurück an den Absender gesandt wurde mit der Bemerkung der Poststelle, es gebe die Adresse nicht: "No such street". In der Ausstellung, die mehrere Räume umfasst, können manche Teile nur über von Reuter gestaltete Umwege erreicht werden. Die Installationen, Objekte und Fotografien befassen sich mit Fiktion und Realität, der Bedeutung von zweckentfremdeten Objekten und dem unsteten Gefühl von Raum und Zeit.

Die Ausstellung "Mandla Reuter" ist bis zum 10. März in der Kunsthalle Basel zu sehen.

Basel: Tell It To My Heart

Für Judie Ault darf politische Kunst nicht abstrakt und repräsentativ sein – sie muss in Dialogen und Zusammenarbeit entstehen. Sinngemäß ließen die Ausstellungen und öffentlichen Projekte ihres New Yorker Künstlerkollektivs "Group Material" politische und ästhetische Debatten, vielfältige Kunstformen und Experimente zu. Für ihre Ausstellung "Tell It To My Heart" im Kunstmuseum Basel arbeitete Julie Ault mit Weggenossen wie Danh Vo und Jason Simon zusammen. Die über 200 ausgestellten Werke von Künstlern wie Nancy Spero, Felix Gonzalez-Torres und Roni Horn geben ein persönliches Bild der New Yorker Kunstszene der letzten 30 Jahre wieder, wie Judie Ault sie erlebt hat. Begleitend dazu hat Jason Simon ein Filmprogramm konzipiert, das an 14 Abenden Kurzfilme und Videos der ausgestellten Künstler wie auch Spielfilme zeigt.

Die Ausstellung "Tell It To My Heart – Collected by Julie Ault" ist vom 02. Februar bis zum 12. Mai im Kunstmuseum Basel – Museum für Gegenwartskunst zu sehen. Im Juni reist die Ausstellung zu Culturgest nach Lissabon.

Dortmund: Intermediale Kollision

Hans Breder ist kein Freund der Grenzen und des Normalen. So wie er in Fotografien menschliche Körper ineinander übergehen lässt, gehen bei ihm auch die Kunstgattungen und Wissenschaften ineinander über. Als Pionier der intermedialen Kunst bewegt sich der 1935 in Deutschland geborene und seit 1964 in den USA lebende Künstler auf "Kollisonsfeldern". Und will mit seinen Videos, Fotografien, Skulpturen, Gemälden und Installationen Kultur und Medien der Gegenwart reflektieren. Das Museum Ostwall in Dortmund zeigt neben einer Auswahl seiner Werke der letzten 40 Jahre seine Arbeit als Professor für Intermedia und Videokunst an der Universität von Iowa.

Die Ausstellung "Hans Breder – Kollisionsfelder" ist vom 01. Februar bis zum 01. April im Museum Ostwall in Dortmund zu sehen.

Weil am Rhein: Entstehung und Niedergang von Bauten

Bekannt wurde Thomas Florschuetz durch die Großaufnahmen, die er von seinen Körperteilen machte, und die übereinander gesetzt neue und fremdartige Körper ergeben. Doch auch seine Fotografien von Alltagsobjekten und Bauten ergeben neue Blickwinkel und Perspektiven. Die Ausstellung "Thomas Florschuetz – Extrakt" im Vitra Design Museum widmet sich den Gebäudeaufnahmen des deutschen Fotografen, darunter Fotografien zweier Gebäude Louis Kahns und des Palasts der Republik in Berlin. Für Florschuetz besonders relevant ist dabei das Bruchstückhafte und Unvollendete in der Architektur sowie ihr Zerfall. Stets auf der Suche nach Spannungen und Kontrasten, greift er ideelle Bedeutung und tatsächlichen Zustand der Bauten auf.

Die Ausstellung "Thomas Florschuetz – Extrakt" ist vom 01. Februar bis zum 26. Mai im Vitra Design Museum in Weil am Rhein zu sehen.