Gib mir fünf! - Ausstellungstipps

Die fünf Ausstellungstipps der Woche

Jede Woche präsentieren wir Kunst, die Sie auf keinen Fall verpassen dürfen. Diesmal eine kreative Spinnerei, morbide Körperkunst, ein Duett im Tal der Könige, Doppelschüssen und einer archäologischen Hitparade.

Leipzig: Kreative Spinnerei

Sie erhielt den Kuss des Künstlers und erwachte aus dem Dornröschenschlaf:

Die stillgelegte Baumwollspinnerei in Leipzig mauserte sich bereits vor über 20 Jahren unter dem Motto "From cotton to culture" zu einem mittlerweile weltweit bekannten Kunstzentrum. Auch dieses Jahr locken wieder über 15 Galerien und Ateliers auf dem Spinnerei-Gelände zum jährlichen Frühlingsrundgang. Zwischen Backsteinhäusern und Bratwurstständen schart sich das aufgekratzte Kunstvolk zwei Tage, um Malerei, Fotografie und Installationen hautnah zu erleben. Aus der Vielzahl der interessanten Positionen stechen drei Ausstellungen besonders hervor:

"Steve Viezenz – In der Not fressen die Fliegen auch Teufel" in der Galerie Kleindienst: Da lockt schon der skurrile Titel. Der Künstler Steve Viezenz arbeitet frei nach dem Motto "Alles ist erlaubt". Befreit von allen Regeln der Kunst, mixt der Künstler Surrealismus, Pop-Art und einen gehörigen Schuss Leipziger Schule zu einem echten Stil-Cocktail. Dabei bedient er sich in der Vorratskammer der Kunstgeschichte, übernimmt Motive und Allegorien der alten Meister, erfindet groteske Fabelwesen und bewegt sich mit seinen überbunten Malereien stets an der Grenze zwischen Fantastik und Morbidität. Vom 3. Mai bis 31. Mai

"Does Humor Belong in Art?" in der Halle 14: Hier ist Lachen erlaubt, sogar erwünscht. Mit der Frage, welchen Platz Humor in der gegenwärtigen Kunstpraxis einnimmt, nähern sich sieben internationale Künstler mit Gemälden, Drucken, Video-, Foto- und Objektinstallationen der Kunst des Frohsinns in all ihren Facetten. Schön sarkastisch darf es sein, denn wer zuletzt lacht, der grunzt am längsten! Vom 3. Mai bis 6. Juli

"Arthur Zalewski – Notes on Beijing" in der ASPN Galerie Bunte Mangas, Tamagotchi und reichlich Smog in der Luft – die Europäer meinen China zu kennen, der deutsche Künstler Arthur Zalewski beweist ihnen nun das Gegenteil. Mit seinen Fotografien zeigt er die chinesische Lebenswirklichkeit fragmentarisch, unseriell und damit ohne Verweise auf eine explizite kulturelle Identität. Inkonsistente Bilder der Volksrepublik annullieren vorgefertigte Klischees und eingeübte Urteile. Vom 3. Mai bis 15. Juni

Der große Frühjahrsrundgang findet am 3. und 4. Mai in der Leipziger Baumwollspinnerei statt

Frankfurt: Morbide Körperkunst

Gunther von Hagens bekommt Konkurrenz, Körperwelten gibt es nämlich jetzt auch in der künstlerischen Lightversion: In einer Frankfurter Gruppenausstellung nähern sich 14 internationale Künstler dem Thema Tod über den leblosen Körper. Skulpturen, Installationen, Zeichnungen, Collagen, Fotografien und Videos führen dem Besucher die Sterblichkeit des menschlichen Körpers plakativ vor Augen. Neben medialen Präsentationen des Leichnams und metaphorischen Bildkonstruktionen, muten vor allem jene Kunstwerke recht morbide an, in denen der tote Körper als Material zum Einsatz kommt.

Die Skulpturen von Berlinde De Bruyckere etwa gleichen dem Werk eines Präparators. Aus Wachs, Epoxidharz, Farben und Tierhäuten wurden menschliche Körperfragmente täuschend echt nachgebildet. Simulierte Verstümmelungen oder starke Verrenkungen erzählen von Schmerzen und Qualen genauso wie von möglichen Metamorphosen des Körpers. Ein Sinnbild über das Leben und Sterben kreiert hingegen Kaia Hugin. In ihrem Video gräbt sich eine junge Frau durch spiralförmige Bewegungen sicht- und hörbar selbst in die Erde einer kargen Berglandschaft ein. Das Finale bleibt stets präsent: Der menschliche Körper ist sterblich.

Die Ausstellung "Der Tod ist dein Körper" ist vom 1. Mai bis 6. Juli im Frankfurter Kunstverein zu sehen

Dresden: Duett im Tal der Könige

Filme über wiederauferstehende Mumien, Geschichten aus 1001 Nacht oder fernöstliche Innendekorationen, die orientalischen Mythen dienen seit Jahrhunderten den Menschen als Inspirationsquelle. Da wundert es kaum, dass selbst große Künstler der Kulturgeschichte vom Land der aufgehenden Sonne eingenommen wurden. So auch Paul Klee und Max Slevogt, zwei Maler, die unterschiedlicher gar nicht sein könnten:

Mit rund 150 Exponaten, darunter Beispiele altägyptischer Kunst, lässt eine Dresdner Doppelausstellung nun beide Künstler mithilfe ihrer gemeinsamen Faszination für die Kultur des Morgenlands in einen Dialog treten. In der Verschiedenheit ihrer künstlerischen Ansätze spiegeln sich grundlegende Aspekte der Orientrezeption des frühen 20. Jahrhunderts. Max Slevogt, der im Frühjahr 1914 eine akribisch geplante Malerexpedition von Alexandria nach Assuan durchführte, setzt sich in seinen impressionistischen Ölgemälden, Aquarellen und Zeichnungen intensiv mit der Landschaft und Kultur am Nil auseinander. Paul Klee, der im gleichen Jahr in Tunesien das nördliche Afrika für sich entdeckt hatte, wurde 15 Jahre später durch eine Ägyptenreise unter anderem von der altägyptischen Hieroglyphenschrift zu eigentümlich abstrakten Gemälden inspiriert.

Die Ausstellung "Nach Ägypten! – Die Reisen von Max Slevogt und Paul Klee" ist vom 30. April bis 3. August im Dresdner Albertinum zu sehen

Berlin: Doppelschuss

Da wird geschossen, was das Zeug hält – und das gleich doppelt: Die Fotografin Herlinde Koelbl hat in ihrem neuen, international angelegten Kunstprojekt "Targets" Schießziele aus aller Welt vor die Linse bekommen. Neben Fotografien, vermitteln Soldatenporträts sowie Video- und Soundinstallationen einen Eindruck über die kulturellen Unterschiede innerhalb der militärischen Ausbildung.

Hat der Feind ein Gesicht oder ist er abstrakt? Truppenübungsplätze in über 25 Ländern, darunter China, Russland, Afghanistan, Irak, Brasilien und andere demonstrieren unterschiedliche Kriegstechniken und -topografien. Mit Fotografien zerfetzter menschlicher Silhouetten aus Pappe, durchlöcherter Plastikpuppen oder Aufnahmen von Patronen durchsiebten Metallplatten, gibt Koelbl einen erschreckend durchsichtigen Einblick in die Praktiken des Krieges.

Die Ausstellung "Targets. Fotografien von Herlinde Koelbl" ist vom 9. Mai bis 5. Oktober im Deutschen Historischen Museum in Berlin zu sehen

Bonn: Archäologische Hitparade

Reich, ehrgeizig, gebildet und voller Tatendrang – das alles war Max Freiherr von Oppenheim und damit besaß er alle Eigenschaften, die ein erfolgreicher Schatzjäger im Goldrausch braucht. Getrieben von der Macht des Abenteuers, folgte der Kölner Bankierssohn 1899 auf einer Reise im Nordosten Syriens dem Tipp eines Beduinen aus der Gegend von Ras el Ain, der ihm von mysteriösen Steinbildern an einem alten Siedlungshügel namens Tell Halaf berichtet hatte. Obwohl er keine Genehmigung besaß, veranlasste er auf eigene Kosten Grabungen, die schon bald Erstaunliches zu Tage brachten: Mit seinen Suchgräben hatte Oppenheim den Eingangsbereich eines aramäischen Fürstensitzes aus dem frühen 1. Jahrtausend vor Christus freigelegt. Nach einigen Rückschlägen gelang dem Diplomaten 1930 die Gründung eines eigens für den archäologischen Großfund angelegten Museums in Berlin, das 1943, im Zuge des zweiten Weltkrieges, bis auf die Mauern niederbrannte.

Nun, knapp 70 Jahre später, hat sich nach ausgiebigen Restaurierungsarbeiten zur Jahrtausendwende, erneut eine Ausstellung Oppenheims "Abenteuer Orient" gewidmet. Wie bereits in der vorangegangen Werkschau im Pergamon Museum im Jahre 2011, zeugen monumentale steinerne Bildwerke, fantastische Reliefs, kostbare Grabbeigaben und aufwendige Kostüme von der einstigen Pracht und dem Reichtum des Palasts vom Tell Halaf. Leitfaden der Großschau bildet Max von Oppenheims Biografie und seine nie enden wollende Liebe zum Orient.

Die Ausstellung "Abenteuer Orient" – Max von Oppenheim und seine Entdeckung des Tell Halafs" ist vom 30. April bis 10. August in der Bonner Kunsthalle zu sehen