Gib mir fünf! - Ausstellungstipps

Die fünf Ausstellungstipps der Woche

Jede Woche präsentieren wir Kunst, die Sie auf keinen Fall verpassen dürfen. Diesmal mit der Wechselwirkung von Kunst und experimenteller Musik, dem architekturkritischen Fotografen Iwan Baan und kleinen Welten, die durch ein Nadelöhr passen.

Kleve: Angesteckt, mit großen Augen

Die Idee des "American Way of Life" hat spätestens nach der geplatzten Immobilienblase 2007 ausgedient. Wer nichts hat, für den ist es nahezu unmöglich etwas zu bekommen.

Der amerikanische Künstler Llyn Foulkes thematisiert in seinen Bildern die Schattenseiten der Suche nach individuellem Glück und materiellem Wohlstand. Diesen konsumkritischen Arbeiten Foulkes gehen surrealistische Malereien, Combine Paintings und Assemblagen sowie verstörende Porträts voran. Seit den achtziger Jahren schraubt und bastelt Llyn Foulkes außerdem an "The Machine". Einem Ungetüm aus Trommeln, Pfeifen, Hörnern und Bässen aller Art. Diese Maschine wird immer komplexer und der Prozess der Herstellung wohl nie ein Ende finden.

Das Museum Kurhaus in Kleve zeigt die europaweit erste Retrospektive zu Llyn Foulkes. Zu sehen sind rund 100 Werke von den frühen sechziger Jahren bis heute. Besondere Aufmerksamkeit wird der Wechselwirkung von bildender Kunst und experimenteller Musik gewidmet. Hierzu initiiert das Museum eine Veranstaltungsreihe zu zeitgenössischer experimenteller Musik.

Zu sehen ist die Ausstellung "Llyn Foulkes – Music is my joy, painting is my angst" vom 8. Dezember 2013 bis 2. Februar 2014 im Museum Kurhaus Kleve.

Nürnberg: Spannbeton für die Ewigkeit

Funktional und doch ästhetisch anspruchsvoll? Dem Architekten und Hochschullehrer Ernst Neufert galt diese Prämisse als Leitmotiv seiner Arbeit. Er wirkte in gut drei Epochen deutscher Architekturgeschichte und schrieb mit dem Buch "Bauentwurfslehre" ein international anerkanntes Standardwerk über Normung und Bauplanung in der Entwurfsphase.

Die Ausstellung im Neuen Museum Nürnberg setzt sich nun mit dem breit gefächerten Gesamtwerk Neuferts auseinander. Wert wird dabei auf seinen Umgang und den gestalterischen Erfindungsreichtum mit Konstruktionen und Materialien gelegt. Da Ernst Neufert in erster Linie für seine Industriebauten zu Zeiten des Wiederaufbaus bekannt ist, sind seine Bauten bis heute Lehrobjekte. Zum Beispiel das heute denkmalgeschütze ehemalige Quelle-Versandhaus in Nürnberg, dessen Spannbetonkonstruktion beispielhaft für die gelungene Synthese zwischen technischer Innovation und gestalterischer Qualität steht. Neben einer großen Vielfalt seiner Entwürfe fließen auch neueste Forschungsergebnisse über das Versandhaus in die Ausstellung mit ein.

Zu sehen ist "Ernst Neufert – Leben und Werk des Architekten" noch bis zum 19. Januar 2014 im Neuen Museum Nürnberg.

Ismaning: Tradition auf Papier

Immer zum Ende eines Jahres tritt im Kallmann Museum die zeitgenössische Kunst zurück und öffnet die Reihen für Auszüge aus dem umfangreichen Werk des Namensgebers Hans Jürgen Kallmann. Das Stiftungsmuseum besitzt neben den dieses Jahr zu sehenden Arbeiten auf Papier auch Landschafts- und Tierbilder sowie Interieurs. Bekannt wurde Kallmann jedoch mit seinen einfühlsamen Porträts von Persönlichkeiten aus Kultur, Politik und Wissenschaft.

Zu sehen sind mystische Landschaften und Tierbilder ebenso wie Zeichnungen von Städten, Fabriken, Wäldern und Interieurs. Diese Arbeiten sind zumeist Annäherungen an das eigentliche Ölbild. Für seine Skizzen und Zeichnungen verwendete Hans Jürgen Kallmann neben Kohle und japanischen Filzstiften eigens für ihn gemischte Pastelkreiden, durch die die dunklen Töne in seinen Bildern stärker zur Geltung kommen.

Die Ausstellung "Hans Jürgen Kallmann – Arbeiten auf Papier" ist vom 8. Dezember 2013 bis zum 9. Februar 2014 im Kallmann Museum in Ismaning zu sehen.

Hamburg: Durch ein Nadelöhr

Wie sich ein Junge entwickeln kann, der in der Schule als ein Nichts von Schülern und Lehrern gehänselt wurde, zeigt die Schaffenskraft des britischen Künstlers Willard Wigan. Schon früh baute Wigan für Ameisen ganze Wohnkomplexe mit Mobiliar. Dass alles maßstabsgetreu war, versteht sich fast schon von selbst. Durch den Bibelspruch "Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als ein Reicher ins Himmelreich kommt" inspiriert fängt Wigan an, weniger als 0,005 Millimeter große Figuren, Häuser und Märchenszenen darzustellen. Als Werkzeuge dienen ihm dabei Nadeln mit Rubin- und Diamantsplittern. Den Pinsel mimt eine Wimper des Briten.

Um seine Mikroskulpturen anfertigen zu können, ohne sie zu beschädigen oder einzuatmen, musste sich Willard Wigan besondere Fähigkeiten antrainieren. So lernte er seinen Herzschlag und seinen Puls zu kontrollieren. Auf seine Atmung achtet der Bildhauer, seit er Alice im Wunderland verschluckte.

Das MKG – Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg zeigt "Kleine Welten. Mikro-Skulpturen von Willard Wigan" vom 8. Dezember 2013 bis zum 16. März 2014.

Herford: Architecture and Living

Aufwertung bestehender Bausubstanzen, Verdrängung gewachsener Gesellschaftsstrukturen. Architektur und wie mit ihr umgegangen wird, ist immer auch ein Spiegel des gesellschaftlichen Wandels und der Zukunftsbereitschaft der Obrigkeit. Dass zu neuen Gebäuden auch grundsätzlich immer das Umfeld, in dem es entsteht, in Betracht gezogen werden muss, stellt der Fotograf Iwan Baan in seinen Arbeiten dar. So zum Beispiel, wenn er die "Cité de l'Océan et du Surf" in Biarritz oder das Parkprojekt "Superkilen" in Kopenhagen fotografiert.

Für die Ausstellung in Herford schickt Iwan Baan die Besucher auf eine einjährige Reise durch 52 Städte. Im Blick hat er dabei stets besondere Lebensräume und herausragende Bauprojekte. Die Bilder werden von Baan kommentiert und zeigen den täglichen Überlebenskampf der Menschen in Ballungsräumen und in ländlichen Regionen. In einer seiner eindrucksvollsten Dokumentationen zeigt er ein unvollendetes 45-stöckiges Hochhaus, in dem halb legal 750 Familien leben.

"52 Wochen, 52 Städte" von Iwan Baan ist vom 8. Dezember 2013 bis zum 16. Februar 2014 im Museum Marta Herford zu sehen.