Gib mir fünf! - Ausstellungstipps

Die fünf Ausstellungstipps der Woche

Jede Woche präsentieren wir Kunst, die Sie auf keinen Fall verpassen dürfen. Diesmal mit "entarteter Kunst", einer poetischen Spurensuche, einem Spiegelkabinett in mehreren Akten, fotografischer Libertinage und Materialerzählungen.

München: Mythos Welt

Zwei Meister des Nachexpressionismus treffen aufeinander: Max Beckmann und Otto Dix.

Beide Maler beginnen mit Naturdarstellungen und werden vom Ersten Weltkrieg geprägt. Beckmann war kurzzeitig Sanitäter, Dix, der Underdog und Arbeiter, musste dagegen bis zum letzten Kriegstag an vorderster Front kämpfen. Nach dem Krieg entwickelten beide Künstler ihren jeweils unverkennbaren Stil, indem sie sich für eine konkrete malerische Auseinandersetzung mit der erlebten, erschütternden Wirklichkeit einsetzten. Dix, indem er die Schattenseiten der zeitgenössischen Gesellschaft – Kriegsversehrte, Hungersnot, Prostitution - dokumentierte, Beckmann, indem er sich auf die Suche nach dem Unsichtbaren hinter dem Sichtbaren machte: beide, indem sie die Welt und ihren Mythos zu ergründen suchten.

In einem spannenden Parcours von den Anfängen bis zu den Spätwerken zeigt die Hypo-Kunsthalle mit über 180 Gemälden, Zeichnungen und Grafiken, wie beide Künstler die Extreme ihres Zeitalters verarbeiteten. Daneben sind auch Porträts von Berühmtheiten des öffentlichen Lebens, Stillleben sowie religiöse Themen zu sehen. In elf thematisch gegliederten Räumen werden Gemeinsamkeiten sowie Unterschiede der von den Nationalsozialisten zur "entarteten Kunst" erklärten Werke der Malerpioniere offengelegt.

Die Ausstellung "Dix / Beckmann. Mythos Welt" ist vom 11. April bis 10. August in der Hypo-Kunsthalle zu sehen.

Bad Homburg: Spurensuche

"Nur wo du zu Fuß warst, bist du auch wirklich gewesen", betonte einst Johann Wolfgang von Goethe im Hinblick auf das Reisen. Dass der wichtigste Vertreter der Weimarer Klassik jedoch nicht nur Poet, sondern auch leidenschaftlicher Zeichenkünstler war, wissen nur wenige. In vielen Skizzen und Tuschezeichnungen hielt Goethe seine Landschafts- und Stadtimpressionen von Thüringen, der Schweiz und Italien fest.

In einer gleichsam kartografischen wie auch dokumentarischen Sicht auf die Welt, begab sich die Bildjournalistin der "FAZ", Barbara Klemm, als imaginärer "Reisebegleiter" Goethes auf fotografische Spurensuche. Indem sie dem Reiseweg Goethes folgte, entstanden einzigartige schwarzweiße Landschaftsaufnahmen, die nun erstmals in der Ausstellung "Reisenotizen" zusammen mit Goethes kleinformatigen Zeichnungen präsentiert werden. Ergebnis ist eine beeindruckende Gegenüberstellung zeitgemäßer Medien der Reisedokumentation.

Die Ausstellung "Reisenotizen: Barbara Klemm – Fotografien. Johann Wolfgang von Goethe – Zeichnungen" ist vom 16. März bis 9. Juni im Museum Sinclair-Haus zu sehen.

Hannover: Spiegelkabinett in mehreren Akten

"Vorhang auf!" lautet die Devise von Ulla von Brandenburg. In ihren Filmen, Zeichnungen, Performances und Installationen arbeitet die Künstlerin stets mit Methoden und Techniken des Theaters und stellt damit den bühnenhaften Charakter bildender Kunst heraus. Den Mittelpunkt ihrer Arbeit bilden meist Filme, die sie mit Vorhängen, Architekturen oder Wandmalereien in eine räumliche Gesamtinszenierung integriert.

Ihre neueste filmische Arbeit, "Die Straße" (2013), wird nun zusammen mit weiteren jüngeren Werken in einer umfassenden Ausstellung des Kunstvereins Hannovers gewürdigt. Der Film zeigt das Geschehen auf einer Straße, die durch eine ephemere Kulissenstadt aus weißen Leinwänden verläuft. Im Kunstverein wird die Handlung in eine architektonische Stoffkulisse gebettet, durch die sich der Zuschauer gleich einem Bühnenakteur bewegt. Zentrale Motive in Brandenburgs Werk sind dabei immer wieder der Spiegel und der Schatten. In charakteristischen Scherenschnitten oder Schattenspielen werden die Grenzen zwischen Fiktion und Realität ausgelotet. Wie durch ein Spiegelkabinett bewegt sich der Zuschauer durch die in mehrere Akte gegliederte Werkschau.

Die Ausstellung "Ulla von Brandeburg. Drinnen und Draußen" ist vom 5. April bis 22. Juni im Kunstverein Hannover zu sehen.

Wien: Fotografische Libertinage

Junge Frauen, wuchernde japanische Häuserlandschaften, aufbrechende Wolkenlandschaften und die Frage "Was macht diese Echse bloß dort zwischen ihren Beinen?" – dies alles charakterisiert das vielfältige fotografische Werk von Japans wohl kontroversestem Kultur-Exportgut Nobuyoshi Araki. Die einzigartige bildnerische Handschrift des Fotografen hinterlässt eine sowohl poetische als auch provokative Darstellung menschlicher Leidenschaften. Der von ihm geprägte Begriff "Foto-Ich" konkretisiert sich dabei in den Arbeiten seiner mit Analogkamera aufgenommenen Serie "Last by Leica", in einem fesselnden Spiel von Fiktion, Realität und Sehnsucht. Schockierende Aufnahmen sexueller Praktiken wie Bondage signalisieren eine künstlerische Radikalität, die ihresgleichen nur in dem Werk eines weiteren bedeutenden Fotografen der Gegenwart findet:

Juergen Teller ist ein Geschichtenerzähler und lässt uns mit seinen Arbeiten an seinem Leben teilhaben. Wie Araki beschäftigt er sich mit existentiellen Fragen des Körperlichen und der Sexualität. Während er in den Neunzigern die Modefotografie mit Bildern revolutionierte, die die Oberflächlichkeit der Modeindustrie offenlegten, verarbeitet er in seiner neuen Serie "Woo!" von 2013 persönliche Anekdoten und Kindheitserinnerungen. In einem spannenden künstlerischen Dialog wird Arakis "Last by Leica"-Serie nun Tellers Werkkomplex in einer Ausstellung der Galerie OstLicht gegenübergestellt.

Die Ausstellung "Araki Teller Teller Araki" ist vom 4. April bis 25. Mai in der Wiener Galerie OstLicht zu sehen.

Krefeld: Materialerzählungen

Eine Werkstatt aus Papierbänken, Betonblöcke aus Styropor: Was dem Betrachter da vor Augen kommt, mag im ersten Moment ziemlich gewöhnlich sein, doch ganz im Gegenteil:

Die Ausstellung "Living in the Material World" führt den aufmerksamen Besucher bewusst in die Irre. Zwölf Künstlerinnen und Künstler bedienten sich einer bunten Produktpalette – Aluminium, Beton, Kunststoff, Papier und Styropor bis hin zu Altglas, Lippenstift, Möbeln oder Porzellantellern – und definierten dabei die vertrauten Stoffe hinsichtlich Gebrauch und Funktion um. Es wurde gebaut, gefaltet, geformt und à la Ready-Made wiederverwertet. Entstanden sind faszinierende Arbeiten, die mithilfe ihrer Materialität den Entstehungsprozess anschaulich nacherzählen. Der Wettstreit Form und Werkstoff wird hiermit relativiert: 25 Objekte und Installationen begeistern gleichsam durch Gestalt und Material.

Die Ausstellung "Living in the Material World. Materialität in der zeitgenössischen Kunst" ist in den Kunstmuseen Krefeld (Museen Haus Lange Haus Esters) vom 6. April bis 10. August zu sehen.