Gib mir fünf! - Tipps

Die fünf Ausstellungstipps der Woche

Jede Woche präsentieren wir Kunst, die Sie nicht verpassen dürfen. Diesmal mit skurill-humorvollen Skulpturen, Sonnenblumen aus China und der Frage nach Freiheit.

Erlangen: Freiheit und Selbstbestimmung

Nachdem die chinesische Regierung 17 Kameras zur Überwachung von Ai Weiwei in seinem Haus eingebaut hatte, antwortete der Künstler, indem er vier weitere Webcams in seinem Haus installierte und die Bilder live ins Web übertrug.

Auf diese Weise war er für die ganze Welt sichtbar. Nach den Schikanen durch die chinesische Regierung sollte diese Überwachung dem Künstler ein gewisses Maß an Freiheit sichern. Nur 24 Stunden nachdem die Website WeiweiCam online gegangen war, wurde er von der chinesischen Regierung gezwungen, die Website zu schließen. Erinnerungen in Form von Videos stellt er nun in der Gruppenausstellung "Freiheit" vor. Sie wird anlässlich des 200. Jahrestages der Völkerschlacht, die im Jahr 1813 die napoleonischen Freiheitskriege entschied, im Kunstpalais Erlangen inszeniert. Zwölf internationale Künstler beleuchten das brisante Thema aus unterschiedlichen Perspektiven. Was bedeutet Freiheit heute? Einige Künstler warnen davor, Freiheit für vermeintlich mehr Sicherheit aufzugeben. Die Künstler spüren in ihrer Konzeption dem Thema der politischen Freiheit nach, dem Kampf um Demokratie und Menschenrechte, dem Wunsch nach Aufbruch und dem Ringen um Selbstbestimmung.

Die Ausstellung "Freiheit" ist vom 12 April – 30. Juni 2013 im Kunstpalais Erlangen zu sehen

Köln: Finish Art und ästhetische Poesie

Mysterienkult oder modernistisch zeitlos? Bei Don Dudleys Werken ist man sich da nicht so sicher. Acryllack auf Aluminium, graphische Formen und Anordnungen, verbunden mit einfacher Farbgebung in Rot, Blau oder hellem Grün.

Sein Fokus sind handgemachte Objekte, die dennoch einen industriellen Charakter haben. Kein Staubkorn, keine Farbnase, kein Pinselstich stört die Oberfläche: Sie weisen keinerlei Spuren einer künstlerischen Handschrift auf. Erstmals zeigt die Galerie Thomas Zander eine umfassende Einzelausstellung mit Werken aus den sechziger und siebziger Jahren. Zu jener Zeit war der Künstler bereits mit Einzelausstellungen in bedeutenden Museen wie zum Beispiel dem New Museum in New York vertreten. Das zentrale Thema seiner Kunst ist das reine Seherlebnis komplexer, einfarbiger Oberflächen. Don Dudley arbeitet in dieser Tradition mit industriellen Baustoffen, ist aber grundlegend als Maler zu betrachten. Farben und Formen sowie Kompositionen stehen im Zeichen des Minimalismus. Die Kunst Dudleys zeichnet sich nicht durch Härte aus, sondern durch eine faszinierende Wechselwirkung aus formaler Strenge, ästhetischer Poesie und reiner Visualität.

Die Austellung "Don Dudley – Modular Spaces" ist vom 13.April bis 22.Juni 2013 in der Galerie Thomas Zander in Köln zu sehen.

Berlin: Finnland und experimentelle Skulpturen

Eine kunterbunte Hüpfburg, die aussieht wie eine Mischung aus mexikanischen Totenfiguren und einem Lebkuchenhaus, würde man nicht gleich dem Begriff "Skulptur" zuordnen. Einer kleinen Katze, die mit leeren Augen, paralysiert mit einem Schwert zwischen abgetrennten Tierköpfen steht, hingegen schon. Das Finnland Institut zeigt beide in der Ausstellung "Skulptur, heute!". 15 Künstler nutzen hierfür bahnbrechende Techniken und experimentelle Materialien, die in der traditionellen Bildhauerei eher ungewöhnlich sind. Die Betrachter können die Skulpturen durch Geräusche, Farben oder Bewegung erleben, wie in der interaktiven Videoinstallation von Marjukka Korhonens und Raimo Uunila. Die beiden Künstler filmen in ihrem Werk "Ich wollte schwimmen gehen" skurril-humorvoll und doch ernsthaft, wie sie sich bei der Polizei selbst anzeigen. Der Grund: "Verschmutzung der Ostsee im Rahmen einer Kollektivschuld." Für den Besucher der Ausstellung liegen Formulare bereit, in denen jeder den beiden Protagonisten folgen und gegen sich selbst Anzeige erstatten kann.

Die Ausstellung "Skulptur, heute!" ist vom 10.04 – 15.05.2013 im Finnland Institut Berlin zu sehen

Celle: Digitale Malerei

Aus der an der Wand hängenden Spannplatte sind Spitzen herausgebrochen, der samtige Glanz der ausgelaufenen Acrylfarbe lässt das Kunstwerk in schwarz und türkis leuchten. Kein Pinselstrich ist zu sehen.

Das Bild hat sich selbst gemalt: Die Künstlerin Signe Guttormsen hat Farbe über das Holz gekippt und diese ist abstrakt ineinander verlaufen. Hat der Pinsel ausgedient und ist für die Malerei ein Neustart fällig? Die Frage stellt die Ausstellung "RE:SET" im Kunstmuseum Celle und zeigt zwölf Künstler, die auf die Herausforderungen der Digitalisierung reagieren. Die Maler und Kuratoren Claudia Desgranges und Friedhelm Falke stellen anhand ausgewählter Werke von Künstlerkollegen aus Europa die Normen, Techniken und Deutungen der abstrakten Malerei zur Diskussion. Als Kontrastprogramm zeigen vier zeitgenössische Videokünstler die verschiedensten Facetten digitaler Animation und bauen mit ihrer Interpretation des Themas eine Brücke zur abstrakten Malerei.

Die Ausstellung "RE:SET" ist vom 14. April – 25.August 2013 im 24H Kunstmuseum in Celle zu sehen.

Koblenz: Blüten des Geistes

Xu Jiang ist Rektor einer der wichtigsten Kunsthochschulen Chinas, der Hangzhou Art Academy. In Koblenz zeigt er jetzt die monumentale Skulptur "It is possible for them to live together". Das riesige Feld aus sechs Meter hohen, aus Aluminium bestehenden, vertrockneten Sonnenblumen ist wohl das größte Werk, das er je geschaffen hat. Die Auseinandersetzung mit der Natur verbindet Xu Jiang mit der gesellschaftspolitischen Kritik. Die Sonnenblumen sind in den Augen des Künstlers Symbol einer ganzen Generation: jener Generation, die nach den großen Kriegen des 20. Jahrhunderts und nach der Kulturrevolution aufgewachsen ist. Xu arbeitet so historische Umbrüche auf und zeigt die Loslösung von der Vergangenheit und der Notwendigkeit der Neuorientierung. Weniger monumental, sondern geradezu zerbrechlich sind die Werke der Professorin Shi Hui, die auch im Ludwig Museum gezeigt wird. Die Künstlerin arbeitet mit weichen, fließenden Formen und bindet Pflanzenelemente in ihre Werke mit ein. "Structur 5", bestehend aus einer Stahlbasis, Holz, Papier und integriertem Fieberglas, wurde nun als Außenskulptur aufgestellt. Die entstandenen Formen beziehen sich auf die friedvolle Geisteshaltung der Künstlerin, die mit Ruhe und einem zarten Gespür für Materialien arbeitet.

Die Ausstellung "Flourishing Spirits – Blüten des Geistes" ist vom 14 April – 16.Juni 2013 im
Ludwig Museum Koblenz zu sehen.