Gib mir fünf! - Ausstellungstipps

Die fünf Ausstellungstipps der Woche

Jede Woche präsentieren wir Kunst, die Sie auf keinen Fall verpassen dürfen. Diesmal mit dem "Salon der Gegenwart", kleinen und großen Dingen und der verwirrend guten Künstlerin Lutz Bacher.
Die fünf Tipps der Woche:Die Kunst-Höhepunkte der Woche

Anton Henning nutzt den "Salon der Gegenwart" als Sprungbrett. "Portrait No. 335", 2013, Öl auf Leinwand

Hamburg: Oase zeitgenössischer Kunst

Wer als Künstler den Weg in die Galerien und damit auch in die Öffentlichkeit sucht, hat es oft nicht leicht.

Seit 2011 kuratiert Christian Holle im "Salon der Gegenwart" in Hamburg zeitgenössische Kunst und gibt dadurch jungen Künstlern Starthilfe, bietet ihnen eine Plattform und bringt sie mit bereits etablierten Künstlern zusammen.

Als Unterstützer konnten dieses Jahr Jonas Burgert, Anton Henning und Anselm Reyle gewonnen werden. Gezeigt werden Arbeiten von 43 jungen Künstlern aus Deutschland, die einen facettenreichen Überblick über den aktuellen Stand zeitgenössischer Malerei geben.

Der "Salon der Gegenwart" ist vom 22. bis 24 November 2013 in Hamburg zu sehen.

Berlin: "Im Augenblick"

"Du hast nur diesen einen Moment. Wie ein Jäger, der sein Ziel anvisiert, wartest du auf den Augenblick, der aussagekräftiger ist als alle anderen", wird Fred Stein (1909 bis 1967) zitiert. Eindrucksvoll hielt der Fotograf das Leben in Paris und New York, Stätten seiner Emigration, in Straßenansichten und Porträts fest. Ausgestattet mit einer Kleinbild- und einer Mittelformatkamera gelang es ihm, dem Leben der Menschen in seiner Umgebung ein Gesicht zu geben, wodurch zahlreiche Milieustudien und Charakterbilder aus Paris und New York entstanden. Alltägliches vermischt Stein dabei mit einem außergewöhnlichen Moment, wie zum Beispiel das Bild einer nicht sehr erfreut blickenden Dame mit einer Zeitung als Sonnenschutz auf dem Kopf.

Das Jüdische Museum Berlin zeigt nun die deutschlandweit erste Retrospektive des in Dresden geborenen Fred Stein. Wobei sich die Ausstellung auf ein Gesamtwerk aus über 130 Schwarzweiß–Fotografien und mehr als 1200 Porträtaufnahmen bezieht. Bei letzteren verzichtete Stein auf besondere Lichteffekte oder nachträgliche Retuschen und setzte sich vielmehr mit dem Denken und den Werken der von ihm porträtierten Persönlichkeiten auseinander. Dabei tauchen Namen wie Hannah Arendt, Albert Einstein und Herbert von Karajan auf.

Die Ausstellung "Im Augenblick. Fotografien von Fred Stein" ist vom 22. November 2013 bis zum 23. März 2014 im Jüdischen Museum Berlin zu sehen.

Zürich: Kunst aus Sexhandbüchern

Seit den siebziger Jahren stellt sie geschlechtliche oder gesellschaftliche Identitätsmodelle in Frage und verfremdet dabei deren bekanntes Erscheinungsbild. Bei ihrem eigenen Namen macht Lutz Bacher daher keine Ausnahme. So bedient sich die Künstlerin des männlichen Pseudonyms, um selbst eine andere Betrachtungsposition einzunehmen. So verwirrt Bacher mit Werken, die sie aus Selbsthilfeanleitungen und Sexratgebern zusammenstellt.

Die dadurch entstehenden unterschiedlichen Deutungsmöglichkeiten und Irritationen sind ein wichtiger Bestandteil ihrer Arbeit. Unter dem Titel "Snow" zeigt Lutz Bacher eine Übersicht ihrer Werke, ausgehend von den siebziger Jahren bis heute. Dabei wechselt die Ausdrucksform von Fotografie und skulpturalen Ensembles hin zu Videoarbeiten und Installationen.

Die Kunsthalle Zürich zeigt "Snow" von Lutz Bacher vom 23. November 2013 bis zum 2. Februar 2014.

Berlin: Künstlerische Freiheit

Mit einer Zeichnung erschaffen Künstler schier unendlich viele Weiten. Die Zeichnung als autonomes Ausdrucksmittel zeitgenössischer Kunst würdigt nun die Deutsche Bank Kunsthalle in Berlin: Mit "The Circle Walked Casually" zeigt Kuartorin Victoria Noorthoorn, die bereits die Biennale in Lyon 2011 betreute, Zeichnungen internationaler Künstler zwischen 1900 und der Gegenwart. Zu sehen sind unter anderem Werke Josef Albers, Otto Dix, Eva Hesse, Louise Bourgeois und Jakub Julian Ziólkowski.

Dabei geht Noorthoorn der Frage nach, wie das Medium Zeichnung die heutige menschliche Existenz, Sehnsüchte und Selbstzweifel darstellt. Durch die Bühnenbildnerin und Regisseurin Daniela Thomas und den Architekten Felipe Tassara in Zusammenarbeit mit der Kuratorin erhalten die über 130 Werke der 51 Künstler eine Ausstellungsarchitektur, die die Bilder schweben lässt. So bilden die ausgestellten Arbeiten einen Erzählstrang, in dem sich ein Bild auf das vorangegangene bezieht.

Die Ausstellung "The Circle Walked Casually" ist vom 28. November 2013 bis zum 2. Februar 2014 in der Deutsche Bank Kunsthalle in Berlin zu sehen.

Münster: Die Sicht der Dinge

Dass sich die Industriegesellschaften über Besitz und das Fehlen von Besitz definieren ist ein Umstand, mit dem der Mensch vorerst leben muss. Dass diese Tatsache jedoch den Besitz von rund 10&nbsp000 Dingen bedeutet, ist enorm. Diese Ansammlung rief bereits von Karl Marx über Zygmunt Bauman bis hin zu Charles Taylor kulturkritische Beobachter auf den Plan. Dass sich Gegenstände auch positiv auf den Menschen auswirken und zur Selbsterkenntnis führen können, beweisen verschiedene Wissenschaften, wie Material Culture Studies oder Thing Studies.

Die Kunsthalle Münster schickt derzeit zwölf Künstler und Künstlerinnen ins Feld, um diesen positiven Ansätzen auf die Spur zu kommen. Mit von der Partie sind unter anderem Wiebke Bartsch, Sylvie Fleury, Erwin Wurm und Surasi Kusolwong. In ihren zumeist installativen Arbeiten werfen sie Fragen wie: "Werden Vorlieben für bestimmte Dinge gehegt?", "Was offenbart uns das Objekt über seine jeweilige Geschichte?" und "Was sagt der Besitz von Dingen und ihrer speziellen Zugehörigkeit und Unverwechselbarkeit zu einer Person als eine Erweiterung des Körpers un den phänomenalen Raum aus" auf.

Die Kunsthalle Münster zeigt die Ausstellung "Die Liebe zu den Dingen" 23. November 2013 bis 30. März 2014.