Gib mir fünf! - Ausstellungstipps

Die fünf Ausstellungstipps der Woche

Jede Woche präsentieren wir Kunst, die Sie auf keinen Fall verpassen dürfen. Diesmal mit der surrealen Badewanne, einem kreativen Duett, multiplizierter Historie, einer Synergie der Künste sowie expressiver Rebellion

Berlin: Surreale Badewanne

Trompetende Hähne, skelettierte Meerjungfrauen oder häusergroße Madolinen: Nein, hier ist nicht die Rede von der skurrilen Welt Salvador Dalís. Hier geht Berlin surreal, und zwar mit dem wild-kreativen Künstlerkabarett "Die Badewanne".

1949 zwischen den Trümmern der Nachkriegszeit als Zusammenschluss von Literaten, Tänzerinnen, Musikern und Malern, darunter Jeanne Mammen, Heinz Trökes und Mac Zimmermann, gegründet, hob das Künstlerkollektiv um Mitbegründer und Allround-Künstler Alexander Camaro die Idee des französischen Surrealismus auf die kulturellen Experimentierbühnen der Hauptstadt. Thema sind zentrale künstlerische Positionen der Nachkriegszeit wie Surrealismus, Existenzialismus, die Kritik am Nationalsozialismus sowie das Absurde. Die grundsätzliche Freiheit und Gleichberechtigung aller Ausdrucksformen ist dabei stets Bedingung des Künstlerkabaretts. Mit 150 Exponaten zeigt das Camaro-Haus nun erstmals die surreal-bunte Welt der "Badewanne". Poetische Bilder über Träume, Traumata, über Euphorie und Hoffnungslosigkeit in der deutschen Nachkriegszeit, vermitteln ein faszinierendes Porträt von der Gründungszeit der Künstlergruppe.

Die Ausstellung "Berlin Surreal – Camaro und das Künstlerkabarett 'Die Badewanne'" ist vom 25. April bis 24. Juni im Berliner Camaro Haus zu sehen.

Baden: Kreatives Duett

Ein diamantbesetzter Totenkopf, Kühe in Formaldehyd oder bunte Pillen als Siebdrucke auf Papier – so kennt man Damien Hirst für gewöhnlich. Bei Arnulf Rainer kommen einem eher übermalte Mona Lisen, Van Goghs oder bunt bepinselte Madonnen in den Sinn. Was aber verbindet beide Künstler miteinander?

Dass man sie so noch nie gesehen hat – in einer Doppelausstellung zeigen sich beide Größen der zeitgenössischen Kunst nun von ihrer anderen Seite. "Durcheinander" lautet das Motto, Malerei ist das zentrale Medium und der gemeinsame Nenner. Mit über 40 Gemälden aus der bisher erst einmal veröffentlichten Serie "Two Weeks One Summer", besinnt sich Damien Hirst auf das wohl essentiellste Medium der Kunstgeschichte zurück, die Ölmalerei auf Leinwand. Auch Rainer begreift die Malerei als "visuelle 'Form' des geistigen Bewusstseins" und präsentiert Werke der fünfziger Jahre, die sich mit der Nähe von Leben und Tod auseinandersetzen. Neben seiner Malerei, greifen Installationen und Assemblagen von Damien Hirst die Thematik des Werdens und Vergehens bei Rainer auf. Letztlich bewegt sich der Besucher wie der Zuhörer eines kreativen Duetts durch die Ausstellung, wohl wissend, dass hier nur die Malerei Ordnung in das Durcheinander bringen kann.

Die Ausstellung "Damien Hirst/Arnulf Rainer. Durcheinander/Commotion" ist vom 25. April bis 5. Oktober im Badener Arnulf-Rainer-Museum zu sehen.

Karlsruhe: Multiplizierte Historie

Wenn Filme, Musikstücke, Zeichnungen, Fotografien und Installationen allesamt in einer Ausstellung auftreten, kann das entweder verwirrend oder spannend sein. Bei der bildenden Künstlerin Michaela Melián trifft letzteres zu. In ihrer neuen Arbeit "In a Mist" demonstriert die gebürtige Münchnerin, dass nahezu alle Medien der Kunst geeignet sind, die Historie zu reflektieren. So entwickelt sie in ihren Werken vielschichtige Erinnerungsfelder und komplexe Verweissysteme, die zentrale Elemente und Fragestellungen der jüngeren und älteren Geschichte repräsentieren.

Ausgangspunkt ihres Konzepts ist dabei das Theaterstück Fritz Bauer von Natalie Saz und W. Selichowa, das den Klassenkampf und die schweren Lebensbedingungen einer deutschen Arbeiterfamilie Ende der zwanziger Jahre thematisiert. Das Stück spiegelt einen Grundkonflikt des letzten Jahrhunderts wider: den Streit zwischen Kommunismus und Kapitalismus. In Musik-, Sprach- und Bildercollagen greift nun Melián die angesprochenen Themen auf, zerlegt sie in ihre Einzelteile, hinterfragt deren Aktualität und bettet sie schließlich in neue, dynamische Raumsituationen ein.

Die Ausstellung "Michaela Melián – In a Mist" ist vom 25. April bis 22. Juni im Badischen Kunstverein in Karlsruhe zu sehen

Bochum: Synergie der Künste

Sommer, Sonne, gute Laune und dazu noch jede Menge Kunst. So präsentiert sich das Detroit-Projekt-Sommerfestival dieses Jahr in Bochum. Über 20 Kunstprojekte von internationalen und nationalen Künstlern wurden im Stadtraum realisiert und locken die Besucher, Kunst mal anders und unmittelbar im öffentlichen Raum zu erleben. Das Projekt will damit einen Impuls geben, der die Bewohner ermutigt, das öffentliche Leben und die Zukunft der Stadt aktiv mitzugestalten.

Neben Live Music Acts, Street Art und Tanz locken vor allem zwei größere Kunstprojekte die Bochumer auf die Straßen: Tim Etchells schafft mit seiner großformatigen, temporären LED-Installation, die eigens für das Fördergerüst des Deutschen Bergbaumuseums entworfen wurde, eine interdisziplinäre Verbindung von Kunst und Musik. In Neonschrift erleuchtet der Satz "How Love Could Be", bei dem es sich um ein Zitat der ersten Single des Detroiter Plattenlabels Motown "Bad Girl" von The Miracles handelt, den höchsten Ausstellungspunkt der Stadt. Stadtplanerisch wird es bei der Fotoaktion "Mein Bochum– unsere Zukunft". In einer Mitmachkampagne wurden über mehrere Monate Fotos von Bürgern gesammelt, auf denen die Zukunft Bochums sichtbar wird. Aus über 250 Einsendungen wurden 29 Bilder ausgewählt, die auf großformatigen Plakatflächen in der ganzen Stadt zu sehen sind.

Die Arbeiten des Detroit-Projekt-Sommerfestivals sind vom 26. April bis zum 5. Juli 2014 an öffentlichen Ausstellungsorten in Bochum zu sehen.

Wolfsburg: Expressive Rebellion

Anfang des 20. Jahrhunderts wehte durch Wien der Geist des Aufbruchs: Persönlichkeiten wie Gustav Klimt, Sigmund Freud oder Gustav Mahler waren Revolutionäre, die in ihren jeweiligen Disziplinen Meilensteine setzten. Doch betrat bald ein weiterer Pionier der Moderne die Bühne der Avantgarde: der Künstler Oskar Kokoschka.

Er war nicht nur Humanist, er war ein Rebell seiner Zeit. Mit seiner expressiven Malerei und dem dramatischen Duktus etablierte er einen künstlerischen Stil, der sich von den vorherrschenden Strukturen des Historismus und den vom Ornament geprägten Jugendstil abhob. Mit 55 Gemälden und rund 138 Arbeiten auf Papier gibt das Kunstmuseum nun einen Einblick in sein umfangreiches Oeuvre: im Fokus die Porträtmalerei. Leitfaden der Ausstellung bildet dabei die Person Kokoschka selbst – seine Selbstbildnisse – sowie die Menschen und die Gesellschaft seiner Zeit – Frauenbildnisse, politische Allegorien oder Tierbildnisse. In einer höchst persönlichen Perspektive werden unter anderem die Werke seiner Berliner Jahre (1910 bis 1916), darunter Arbeiten für die Zeitschrift "Der Sturm", seine turbulente Beziehung zu Alma Mahler sowie seine Dresdner Jahre von 1916 bis 1923 verarbeitet.

Die Ausstellung "Oskar Kokoschka – Humanist und Rebell" ist vom 26. April bis 17. August im Wolfsburger Kunstmuseum zu sehen