Gib mir fünf! - Ausstellungstipps

Die fünf Ausstellungstipps der Woche

Jede Woche präsentieren wir Kunst, die Sie auf keinen Fall verpassen sollten. Diesmal mit einer Kunstmesse die eigentlich keine ist, Deutschlands Denkmälern, Street-Fotografie, zum Verwechseln ähnlicher Malerei und einer Hausbesetzung

Wiesbaden – Hauptstadtluft und Japankunst

Ein bisschen Berlinfeeling mitten in Hessen.

Seit 1964 besteht die Städtepartnerschaft zwischen Wiesbaden und Berlin-Kreuzberg, was für die Ausstellung "Hausbesetzung" zur Folge hat, dass vor allem Kreuzberger Künstler aufgefordert wurden, sich an dem Projekt zu beteiligen. Das Thema: Strukturwandel von Großstadtvierteln. Dafür besetzen die Künstler eine Villa aus dem 19. Jahrhundert in Wiesbaden mit ihrer Kunst, Videoinstallationen, Malerei und Skulpturen. Beständigkeit innerhalb der Ausstellung soll es nicht geben. Wichtiger sei es, den stetigen Wandel zu präsentieren.

Parallel zeigt der Kunstverein die Ausstellung "No night, day neither" von Taro Izumi. Der Preisträger des diesjährigen Follow Fluxus, einem Stipendium für internationale Künstler, zeigt Werke, die zwischen Juni und August in Wiesbaden entstanden sind. Als Japaner in Deutschland hat er die Sprachbarriere auch in seine Arbeiten einfließen lassen. Dabei beschäftigt er sich vor allem mit Tieren, die weder von anderen Tierarten noch von Menschen verstanden werden können. Das Ergebnis seiner Gedanken und Tage in Wiesbaden ist eine auf mehrere Räume verteilte Installation.

Die Ausstellungen "Hausbesetzung" vom 13. September bis zum 12. Dezember findet an verschiedenen Orten statt und die Ausstellung "No night, day neither" vom 13. September bis 31. Mai 2015 im Nassauischen Kunstverein in Wiesbaden.

Zürich – Vom Künstler zum Kurator

Peter Fischli zählt mit seinem 2012 gestorbenen Partner David Weiss zu den bedeutendsten Gegenwartskünstlern der Schweiz. Bekannt wurde das Duo vor allem mit dem Kunstfilm "Der Lauf der Dinge". Das Thema "Kettenreaktionen", das für den Film ausschlaggebend ist, lässt sich auch auf die von Fischli kuratierte Ausstellung beziehen, indem hier Maler auf Maler reagiert. Die Bilder des Schweizer Malers und Konzeptkünstlers Jean-Frédéric Schnyder sind denen des Schweizer Symbolisten und Jugendstilmalers Ferdinand Hodler sehr ähnlich – sowohl in Farbe als auch in den Sujets. Dennoch: Für den Kurator ist gerade der Unterschied der insgesamt 180 Werke faszinierend, und so gibt er der Ausstellung den inoffiziellen Titel des "Ungleichen".


Die Ausstellung "Ferdinand Hodler/Jean-Frédéric Schnyder" findet vom 12. September bis zum 26. April 2015 im Kunsthaus in Zürich statt.

Deutschland bekennt Farbe

Märchenhafte Schlösser und Burgen, der Kölner Dom, das Lübecker Holstentor, das Siegestor in München, oder die Gedenkstätte der Berliner Mauer –  Deutschland hat eine bewegte Geschichte, die dieses Jahr zum 21. Mal mit dem "Tag des offenen Denkmals" am 14. September geehrt werden. 2013 lockten die Denkmäler vier Millionen Kulturbegeisterte und stehen dieses Jahr unter dem Motto "Farbe als Blickpunkt". In Thüringen sind es 650, in Sachsen 850 und insgesamt nehmen in Deutschland 7500 Denkmäler teil. Das Hamburger Brahms-Kontor, errichtet 1903/31 präsentiert seine goldene Mosaikdecke, rote Kolumnen und den bunten Kachelboden. Das ehemalige Äbtissinnenhaus des im 13. Jahrhundert gegründeten Klosters Gnadental im hessischen Dauborn sieht mit seiner rot-weißen Fassade aus wie ein Spielzeughaus, und die St. Elisabethkirche in Berlin-Mitte bietet einen Kontrast zu der sonst hektischen Innenstadt.

Der "Tag des offenen Denkmals" findet am 14.September in allen teilnehmenden Städten der Bundesrepublik statt.

Berlin – Street View

Lange bevor Google für Street View die Straßen der Welt abfuhr, haben unzählige Fotografen die Metropolen und ihre Geschichten festgehalten. So entstand das Foto der schüchtern und trotzdem frech stehenden Jungen im Fenster einer Erdgeschosswohnung in Spanish Harlem, New York City. Ob Sie nach Hause kommen, oder von den Geräuschen des Fernsehers angezogen werden, bleibt unklar. Erst der Titel "Jason and Anthony looking into Rodriguez home" enthüllt den Kontext. Der Dokumentarfotograf Joseph Rodriguez zeigt Werke mitten aus dem Leben, ohne zu verfälschen. Und das ist auch das zentrale Thema der Ausstellung. Gemeinsam mit den Fotografen Gregory Bojorquez und Miron Zownir, der vor allem in Berlin und New York tätig ist, zeigt die Hardhitta Gallery in Berlin Fotografien dreier Männer, die dafür bekannt sind, das Echte zu zeigen, ohne Make-Up, ohne Fotoshop. Bene Taschen, der Sohn des Taschen-Verlagsgründers Benedikt Taschen, hat die Galerie 2011 eröffnet. Nicht zuletzt ist auch Berlin eine Weltstadt und bietet eine Kulisse für viele Street-Fotografen.

Die Ausstellung "A Story to tell" findet vom 16. bis zum 28. September in der Hardhitta Gallery in Berlin statt.

Hamburg – Neue Ideen

Die rohen und lichtdurchfluteten Räume der Phoenix-Fabrikhallen sind nicht nur das Zuhause der Sammlung Falckenberg, sondern an diesem Wochenende Showplatz einer Kunstmesse, die eigentlich keine ist. Galerien werden ausgeschlossen und alles läuft direkt über die Künstler. Das ganze Wochenende haben Besucher Zeit, sich die Präsentationen der ausstellenden Maler, Fotografen, Konzept- und Installationskünstler anzusehen und mit ihnen zu sprechen, da sie größtenteils das ganze Wochenende vor Ort sein werden. Das Producers Artfair wird von dem zehnköpfigen Kreativteam mit "Immer wieder Neuanfang" beschreiben. Auf gut 2000 Quadratmetern stellen 60 Teilnehmer aus, die zuvor von einer Jury ausgewählt wurden. Angesprochen werden soll potenziell jeder: Studenten, Senioren, Sammler und Kunstszenen-Neulinge.

Die Veranstaltung "P/ART" findet vom 11. bis 14. September in den Phoenix Fabrikhallen in Hamburg-Harburg statt.