Gib mir fünf - Ausstellungstipps

Die fünf Ausstellungstipps der Woche

Jede Woche präsentieren wir Kunst, die Sie auf keinen Fall verpassen dürfen. Diesmal mit einem aufblasblaren Teehaus, einem Schlachtenpanorama und viermal Norbert Schwontowski
Die fünf Tipps der Woche:Die Kunst-Höhepunkte der Woche

Das Haus der Kunst präsentiert die Münchner Gruppenausstellung jetzt als Biennale – beim Thema Luxus ist Yomer Fidel Montejo Harrys dabei: "Boso transparent (transparenter Kuß)", 2008, Radiografie, 35 x 45 cm

München: Vanity Flair – 1. Biennale der Künstler

Die "Große Kunstausstellung" (GKA) war im Münchner Kalender so fest verankert wie das Oktoberfest.

Seit über 60 Jahren fand die 1949 gegründete, von verschiedenen Künstlergruppen organisierte Gruppenausstellung alljährlich im Haus der Kunst statt – und sorgte wegen ihrer kunterbunten, unkuratierten Gemischtwaren-Looks mitunter auch für beißende Kritik. Im letzten Jahr ließ man sie dann ausfallen und diskutierte stattdessen über ein neues Konzept. Das ist nun gefunden: Statt im jährlichen Rhythmus, soll die Schau nur noch alle zwei Jahre stattfinden und unter ein thematisches Motto gestellt werden. Die Künstlerauswahl findet nicht mehr per öffentlicher Ausschreibung statt, sondern die Teilnehmer werden von einem Kuratorium ausgewählt. Zur ersten Ausgabe der neuen "Biennale der Künstler" zum Thema "Vanity Flair – Luxus und Vergänglichkeit" wurden 40 Künstler ausgewählt, darunter Lokalmatatore wie Alix Stadtbäumer, der ein vier Meter hohes goldenes Kartoffelobjekt zeigen wird, und Altstars wie die 77-jährige Fotokünstlerin Vera Mercer, die ein barockanmutendes Stillleben mit totem Specht präsentiert.

Im Haus der Kunst, 5. August bis 4. Oktober 2013, Eröffnung am 4. August, 18 Uhr

Bremen: Norbert Schwontowski

Als im Juni bekannt wurde, der Maler Norbert Schwontkowski sei gestorben, reagierte die Kunstszene überrascht und geschockt. Der Bremer Maler war gerade einmal 64 Jahre alt gewesen, und seine Karriere war noch jünger. Erst vor einigen Jahren hatten ihn seine eigenwillig verrätselten Bilder bekannt gemacht; eine Berliner Erfolgsgalerie hatte ihn unter ihre Fittiche genommen, Retrospektiven folgten, hinzu kam 2005 eine Professur an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg. Schwontkowski war ein Einzelgänger im besten Sinne, er gehörte keiner Gruppe oder Schule an. Er malte absurde Szenen in oft undefinierten Bildräumen, in den oft fahl bis grau getönten Gemälden blitzte ein Sinn für trockene Pointen auf, aber auch eine große Traurigkeit. Nun sind Schwontkowskis Werke gleich in vier Häusern seiner Heimatstadt Bremen zu sehen.

Die Ausstellung "Norbert Schwontkowski. Dass ich ein Maler war" besteht aus vier Teilen: Kunsthalle Bremen 27. Juli bis 20. Oktober 2013; Kunstverein Bremerhaven, 27. Juli bis 29. September 2013, Weserburg, Museum für Moderne Kunst seit 11. Juli; ebenfalls seit 11. Juli 2013 Karin und Uwe Hollweg Stiftung, der Besuch der Stiftung nur im Rahmen der Schwontkowski-Führungen in der Kunsthalle oder der Weserburg möglich

Leipzig: Eine Stadt im Aufruhr

Brennende Häuser, fliehende französische Soldaten, auf dem Hof der Thomaskirche liegen Verletzte, umgestürzte Wagen, herumirrende Kinder – und der Betrachter ist mittendrin in den Wirren, in die Leipzig 1813 durch die legendäre Völkerschlacht gestürzt wurde. Mit seinem neuen gigantischen Rundbild, das ab 3. August im Leipziger Gasometer zu sehen ist, führt der Künstler Yadegar Asisi nicht die Schlacht selbst, die rund 92 000 Opfer gefordert hat, vor Augen, sondern die Folgen der blutigen Auseinandersetzungen für die Stadt und ihre Bürger. Die gewaltige Kulisse, für die 37 drei Meter breite und 32 Meter lange Bildstreifen bedruckt und zusammengefügt wurden, basiert auf vielen Tausend Fotos, die am Computer bearbeitet und perspektivisch verzerrt wurden. Lichteffekte und Toneinspielungen sollen das Publikum zusätzlich fesseln und in die Szenerie einbinden.

Das Rundbild "Leipzig 1813 – In den Wirren der Völkerschlacht" ist ab 3. August im Asisi Panometer in Leipzig zu sehen

Augsburg: Das aufblasbare Teehaus

Ob man's glaubt oder nicht: Bei heißem Wetter können ein paar Schlückchen heißen Tees tatsächlich für Erfrischung sorgen. Wer das selbst ausprobieren möchte, kann die Sonderausstellung "Textile Architektur" im Staatlichen Textil- und Industriemuseum in Augsburg zum Anlass nehmen. Ein Highlight der Schau ist nämlich ein aufblasbares Teehaus, das aussieht wie zwei miteinander verschmolzene Golfbälle. Ursprünglich hatte der japanische Architekt Kengo Kuma es für den Garten des Museums für Angewandte Kunst in Frankfurt am Main entworfen, wo es im August 2007 die Besucher begeisterte. Es ist aus einem Kunststoffgewebe namens "Gore Tenara" und der Struktur eines traditionellen Teehauses nachempfunden: etwa 20 Quadratmeter groß, unterteilt in zwei Räume mit einer Herdstelle zum Erhitzen des Wassers. "Chodos", also Teezeremonien, finden regelmäßig statt.

Die Ausstellung "Textile Architektur" ist bis 6. Oktober im Textil- und Industriemuseum zu sehen. Das Teehaus ist vom 4. bis zum 17. August in der City-Galerie Augsburg geöffnet

Berlin: "I'm not afraid of anything"

Rekordhöhen der Jugendarbeitslosigkeit, Europakrise – die Zeiten für junge Europäer waren schon mal besser. Aber sie gucken trotzdem gerade nach vorne, zumindest auf den Fotos von Edgar Zippel. In 100 Porträts hat er Gesichter einer Generation festgehalten, die zwar nicht eine Sprache sprechen, aber auf einem Kontinent leben. So soll von Moldawien bis Portugal ein visuelles Archiv der Zukunft entstehen, das über den Moment hinaus seine Wirkung als kollektiver Schatz der Identifikation und Selbstreflexion entfalten wird. Neben den Fotos hat Zippel Interviews mit seinen Protagonisten geführt, die Einblick in ihre Hoffnungen, Wünsche und Träume geben.