Gib mir fünf! - Ausstellungstipps

Die fünf Ausstellungstipps der Woche

Jede Woche präsentieren wir Kunst, die Sie auf keinen Fall verpassen dürfen. Diesmal mit Künstler-Aktivisten, taiwanischer Porzellankunst und der vagabundierenden Gruppe SPUR.
Die fünf Tipps der Woche:Die Kunst-Höhepunkte der Woche

Floating Lab Collective : "Protesting on Demand" als aktuelle Form des kreativen Protests.

Karlsruhe: Vor dem Sturm

Derzeit stimmen die Mitglieder der SPD über ein Entstehen der sogenannten großen Koalition ab. Dass bei solch maßgeblichen Entscheidungen die kritische Satire mit an Bord ist, versteht sich von selbst.

So hat zum Beispiel die "Hedonistische Internationale", bekannt durch kreative Protestaktionen auf Demos gegen Leerstand und Neonazis, bei einigen SPD Mitgliedern via Anruf versucht, diese für die große Koalition zu begeistern. Diese Form der kritischen Auseinandersetzung mit aktueller Politik ist dabei alles andere als lokal begrenzt. In vielen Gesellschaften der Welt mehren sich die Versuche der Bürger, die von ihnen erkannten Missstände kreativ und friedlich darzustellen. Die Bandbreite der Protestaktionen reicht dabei von Adbusting und Performance-Aktionen wie bei Pussy Riot bis hin zu Unterschriftenlisten von Campact und großen Netzwerken wie Anonymus oder ATTAC.

Mit "Global Activism" beleuchtet das ZKM in Karlsruhe derzeit einen Trend, der schon auf der documenta 13 und der Manifesta 2012 zu sehen war. Kunst wird wieder politischer. Dabei nutzen diese Aktivisten Kunst um auf Missstände aufmerksam und für eine breite Öffentlichkeit verständlich zu machen. Ganz klar, dass sich die Ausstellung entsprechend aus Fotos, Filmen, Videos, Blogs und sozialen Medien zusammensetzt.

Vom 14. Dezember 2013 bis zum 30. März 2014 wird im ZKM – Museum für Neue Kunst in Karlsruhe die Ausstellung "Global Activism" gezeigt.

Bottrop: Nichts wie es scheint

Wie stehen Farben, Formen, Linien und Flächen zueinander, und wie sehr verfällt das menschliche Auge ihrer Täuschung? Josef Albers gehört neben Victor Vasarely zu den Begründern der Op Art, die sich mit optischen Täuschungen auseinandersetzt. Während seiner intensiven Lehrtätigkeit schuf Albert Grundlagen, die seinen Studenten eine künstlerische Tätigkeit erst ermöglichen sollten. Er versuchte den Blick seiner Studenten zu schärfen und für Widersprüchliches zu sensibilisieren. Darüber hinaus untersuchte er mit seinen Schülern die Eigenschaften von Materialien wie Holz, Metall und Papier. Alles zum Zweck des wirklichen Sehens. Erst damit kann in den Augen Josef Albrechts eine künstlerische Tätigkeit beginnen. Der gebürtige Bottroper hatte Lehrtätigkeiten am Black Mountain College in North Carolina und der Yale-Universität, sowie einige Gastdozenturen in Harvard, Hartford, Havanna und Santiago de Chile inne, bevor er 1953 an die Hochschule für Gestaltung in Ulm zurückkehrte.

Die Ausstellung im Josef-Albers-Museum in Bottrop zeigt die Ziele und Vorgehensweisen des Dozenten Albers anhand von Unterrichtsbeispielen und Arbeiten seiner Studenten. Darunter befinden sich Werke auf Papier aus Metall, Zeichnungen und Farbstudien. Die Schau bringt dem Betrachter die Verbindung von Lehre und eigenem künstlerischen Schaffen Josef Albers näher und veranschaulicht so dessen Arbeit. Die gesamte Ausstellung entsteht in Zusammenarbeit mit The Josef and Anni Albers Foundation in den USA.

Zu sehen ist "Kunst als Erfahrung. Josef Albers als Lehrer – der Maler und seine Schüler" vom 30. Juni bis 29. September 2013 im Josef-Albers-Museum in Bottrop.

Hohenberg: (K)ein Haufen Scherben

Schon seit über 2&nbsp000 Jahren wird in China Porzellan hergestellt, und seit jeher gilt die Kunstfertigkeit der Herstellung und Verarbeitung der restlichen Welt als Vorbild. Zu den bekanntesten Arbeiten gehören sicherlich die blau-weißen Vasen der Ming-Dynastie. Doch die Porzellanmanufakturen sind nicht allein im Festlandchina zu finden. Auf der Insel Taiwan, einer Provinz Chinas und seit dem 16. Jahrhundert verschiedenen Regierungen und Einflüssen ausgesetzt, nutzen die Porzellanmanufakturen eben diese Vielfalt, um ganz besondere Arbeiten anzufertigen.

Das Hohenberger Porzellanikon stellt nun rund 180 Objekte taiwanischer Porzellankunst zur Schau und betrachtet dabei besonders die Manufakturen aus Yingge, einer Stadt im Westen der Insel. Hauptaugenmerk der Ausstellung liegt auf der Dokumentation der Geschichte und der Stilentwicklung taiwanischer Porzellankunst. Bekanntestes Ausstellungsstück ist das für den Dalai Lama angefertigte 17 -teilige Service mit Goldglasur. Gefördert wird die Schau durch die Regierung Chinas auf Taiwan und den Freistaat Bayern.

Vom 13. Dezember 2013 bis 16. März 2014 wird die Ausstellung "Pracht der Farben – Glanz der Kulturen" im Porzellanikon Hohenberg an der Eger gezeigt.

Durbach: Zerstören und Erschaffen

"WIR SIND DIE DRITTE WELLE!" schreiben die Mitglieder der Gruppe SPUR zum Ende ihres Manifests. Die Avantgardisten sahen sich selbst in der Tradition des Tachismus, Dada, Futurismus und des Surrealismus. Die Münchner Gruppe um die Maler HP Zimmer, Helmut Sturm und Heimrad Prem sowie den Bildhauer Lothar Fischer setzte sich für eine radikale Veränderung der Kunst im Allgemeinen ein: "Wer Kultur schaffen will, muß Kultur zerstören." Ihren Arbeiten liegen freie Linienführungen, forcierte Spontaneität und die Erweiterung des Farb-Raum-Geschehens zugrunde. Internationale Verbindungen unterhielt SPUR für kurze Zeit zur "Situationistischen Internationalen", einer politisch linken Gruppe europäischer Künstler.

Mit insgesamt 120 Kunstwerken und Dokumenten zeichnet das Museum für aktuelle Kunst in Durbach die radikale Kreativität des Künstler-Kollektivs von 1957 bis 1965 nach. Gezeigt wird außerdem der 1961 von Albert Mertz gedrehte Film "So ein Ding muss ich auch haben". Darüber hinaus widmet sich die Ausstellung dem Umfeld der Gruppe, darunter Asger John und Jacqueline De Jong, sowie den zeitgleich agierenden Kollektiven WIR aus München und der Karlsruher Gemeinschaft um HP Grieshaber.

"Gruppe SPUR – Vagabundierende Unruhe" ist vom 15. Dezember 2013 bis zum 18. Mai 2014 im Museum für Aktuelle Kunst in Durbach zu sehen.

Frankfurt am Main: Desorientierung im Universum

Seit 2003 vergibt die Jürgen Ponto-Stiftung Arbeitsstipendien an junge Künstler. Im MMK Zollamt in Frankfurt am Main stellt nun der Stipendiat aus dem Zeitraum 2012/13, Jeronimo Voss, seine Ergebnisse vor. Für das einjährige Stipendium ausgewählt wurde der Künstler von einer dreiköpfigen Jury, bestehend aus der Fachkuratorin der Stiftung im Bereich bildende Kunst Ingrid Mössinger, der Direktorin des MMK Susanne Gaensheimer und einem anonymen Kunstsammler.

Hochpolitisch geht Jeronimo Voss seine Ausstellung an. Der documenta-13–Teilnehmer verbindet in "Die Ewigkeit durch der Sterne" Bilder vom Aufstand der Pariser Kommune von 1871 mit den Umdrehungen der Himmelskörper. Er bezieht sich dabei auf den Astronomen und Revolutionär Louis-Auguste Blanqui. Dessen Vielwelttheorie, in der er vom unendlichen Raum und der Möglichkeit unendlich vieler Welten ausgeht, nutzt Voss als erzählerischen Rahmen einer visuellen Verknüpfung geschichtlicher und astronomischer Revolutionen. In seiner neuesten Arbeit "Phantasmagorical Horizon" zeigt Voss ein Videoessay, in dem er in Städten wie Amsterdam, Paris, New York und Peking die Spuren einer phantasmagorischen Gegenwart erforscht.

Die Ausstellung "Die Ewigkeit der Sterne" von Jeronimo Voss ist vom 14. Dezember 2013 bis zum 12. Januar 2014 im MMK Zollamt des Museum für Moderne Kunst Frankfurt am Main zu sehen.