Gib mir fünf! - Ausstellungstipps

Die fünf Ausstellungstipps der Woche

Jede Woche präsentieren wir Kunst, die Sie auf keinen Fall verpassen dürfen. Diesmal mit einer Kunstmesse für kleines Geld, durchkomponierten Fotografien und der faszinierenden Welt eines imaginären Kunstsammlers
Die fünf Tipps der Woche:Die Kunst-Höhepunkte der Woche

Auf der "Affordable Art Fair" werden Werke zeitgenössischer Künstler angeboten. Katarina Wilke: "Zwei an keinem Tag", 2013, Stramin, bestickt, 68 x 87 cm

Hamburg: Was kost die Welt

Haben Sie auch schon einmal davon geträumt durch Galerien zu schlendern. Mit den Galeristen über die Preise zu feilschen und die ergatterten Lieblingsstücke stolz mitzunehmen?

Vielleicht haben auch Sie diesen Traum schließlich verlegen verworfen, viel zu teuer seien doch die ausgestellten Kunstwerke.

Dann dürfen Sie die "Affordable Art Fair" in Hamburg auf keinen Fall verpassen. In einer inspirierenden und freundlichen Atmosphäre werden Werke aus Malerei, Grafik, Skulptur und Fotografie von jungen, aufstrebenden Künstlern neben großen Namen etablierter Positionen präsentiert. Affordable – also erschwinglich – verspricht die Messe zu sein, weshalb die ausgestellten Werke eine Preisobergrenze von 5000 Euro nicht überschreiten. Jeder Besucher kann die Arbeiten kaufen und mit den zahlreichen Galeristen vor Ort sprechen. Bereits zum zweiten Mal findet die "Affordable Art Fair" nun in Hamburg statt nachdem Will Ramsay 1996 in London diese Art von Messe ins Leben gerufen hatte. Einen guten Tipp für Ihren Messebesuch hat der Gründer auch parat: “Buy a painting because you like it, not because you think it’s what you should be buying.”

Die Kunstwerke begutachten oder kaufen können Sie vom 14. – 17. November in Hamburg.

Oldenburg: Zurück in die Zukunft

Dass sich Dokumentationen des aktuellen Zeitgeistes für die Zukunft lohnen, beweist der 1927 entstandene Film "Berlin – Die Sinfonie der Großstadt" von Walter Ruttmanns. Dass ein Namensverwandter, nämlich Walter Müller-Wulckow, eine ebenso vielgeschätzte Auflistung für die Nachwelt hinterlassen hat, ist aber sicherlich reiner Zufall. Der Gründungsdirektor des Landesmuseums für Kunst und Kulturgeschichte Oldenburg schrieb zwischen 1925 und 1930 seine "Blauen Bücher". In ihnen dokumentiert Müller-Wulckow moderne Baukunst aus den zwanziger Jahren und erhält der Nachwelt ein illustriertes Zeugnis der Stimmungen und Freiheiten, mit denen die Architekten arbeiten konnten.

Jetzt zeigt das Landesmuseums für Kunst und Kulturgeschichte Oldenburg die Bücher und präsentiert neben Fotografien, Modellen, Plänen und Briefen auch Originale aus dem eigenen Bestand. Die vielfältigen Strömungen reichen dabei von Reformarchitektur, Expressionismus, Bauhaus, klassischer bis hin zu konservativer Moderne. Für ein leichteres Verständnis dieser Formen sorgen virtuelle Rekonstruktionen.

Zu sehen ist die Ausstellung "Neue Baukunst – Architektur der Moderne in Bild und Buch" vom 10. November 2013 bis zum 23. Februar 2014 im Landesmuseums für Kunst und Kulturgeschichte Oldenburg.

Weißenstadt: Im Haus eines Sammlers

Die Handzeichen werden hektischer, und es stellt sich ein leichtes Lächeln auf dem Gesicht des Auktionators ein. Wie aus heiterem Himmel fällt der Hammer, verkauft, an einen unbekannten Telefonbieter. Wie aber sieht die neue Heimat für das Kunstwerk aus? Wie nimmt ein Kunstsammler seine Schätze wahr, speziell zeitgenössische, in ihrer Bedeutung noch nicht eindeutig greifbare Kunst? Diesen Fragen widmet sich das Kleine Museum in Weißenstadt mit der Ausstellung "Zu Gast bei einem imaginären Kunstsammler". Fernab der gewohnten Ausstellungsdramaturgie werden die Werke von 14 Vertretern zeitgenössische Kunst und Architektur als Teil eines imaginären Wohnszenarios arrangiert.

Durch Möbel des Einrichtungshauses Schautz (Bayreuth) ergänzt, zeigt das Kleine Museum unter anderem Arbeiten von Jill Baroff, Deborah Berke, Hartmut Böhm, Julia Mangold, Stefana McClure, Shinichi Ogawa und Kate Shepherd. Dabei reicht die Spanne der komponierten Objekte von einer dreiteiligen Gruppe Alvar Aalto "Stool 60"-Hocker, die von Mike Meiré umgestalteten wurden, über Architekturmodelle von Shinichi Ogawa bis hin zu einem bildhauerischen Modell von Deborah Berke. Außerdem werden Arbeiten der Glaskünstlerin Anna Dickinson, die fragiles Glas mit hochmodernen Materialien kombiniert gezeigt. Durch das familiäre Umfeld der Ausstellung, wird der Besucher mit dem Zustand der eigenen vier Wände konfrontiert.

Die Ausstellung "Zu Gast bei einem imaginären Kunstsammler" ist vom 26. Oktober 2013 bis zum 1. März 2014 im Kleinen Museum – Kultur auf der Peunt in Weißenstadt zu sehen.

Bonn: Kunst im Krieg

Der Erste Weltkrieg, ein Schicksalsschlag für die Menschheit: zehn Millionen Todesopfer forderte der Krieg, doppelt so viele Menschen wurden verletzt. 2014 jährt sich der Beginn des ersten Weltkrieges zum 100. Mal. Doch was hat ein solcher Schicksalsschlag für die moderne Kunst und ihre Protagonisten bedeutet, die zum abrupten Abbruch ihrer zuvor so erfolgreichen, grenzüberschreitenden Zusammenarbeit gezwungen wurden?

Das untersucht aus diesem Anlass die Bundeskunsthalle Bonn mit 300 Werken von ca. 60 Künstlern wie Otto Dix, Paul Klee oder Pablo Picasso. Das Ergebnis ist eine bewegende Ausstellung unter der Schirmherrschaft von Bundespräsident Joachim Gauck. Thematisch gliedert sich die Schau in vier Teile: Zunächst werden die Besucher mit den ersten Endzeitgedanken der Avantgarden vor 1914 konfrontiert, ehe sich der zweite Ausstellungsteil um die ins Feld ziehenden Künstler dreht. Die schwere Erschütterung, die der Krieg schon Ende 1914/Anfang 1915 auslöste, wird anschließend ebenso dargestellt wie der Zusammenschluss emigrierter Kriegsgegner in der neutralen Schweiz.

Vom 8. November 2013 – 23. Februar 2014 ist "1914. Die Avantgarden im Kampf" in der Bundeskunsthalle in Bonn ausgestellt.

München: Zwischen Realität und Fiktion

Guck mal: Das hätte ich auch selbst hinbekommen. Ein Satz, den jede Museumsbegleitung kennt. Oft werden damit Werke bedacht, die eine angeblich einfache Entstehung aufweisen, ohne das sich der Betrachter Zeit für einen zweiten Blick nimmt. So scheinen sich auch die Arbeiten von Jeff Wall, die er in großformatigen Dia-Leuchtkästen arragiert, zunächst nur mit trivialen Zufallsmotiven zu beschäftigen. Tatsächlich arbeiten Wall und sein Team oft tagelang an Motiven wie "An Eviction". Dabei befasst sich der kanadische Künstler immer mit der Natur des Menschen und des Menschseins im ausgehenden 20. Jahrhundert und greift Themen, wie Entwurzelung, Isolation, Rassismus, Verstädterung und soziale Ungerechtigkeit auf.

In der Pinakothek der Moderne werden erstmal 20 Werke aus öffentlichen und privaten Sammlungen gezeigt. Dem Besucher bietet die Ausstellung einen Überblick von bekannten Arbeiten wie "The Thinker" bis hin zu dem weniger oft gezeigten Werk "The Smoker". Ein Programm aus Führungen, Workshops, Vorträgen und Filmen begleitet die Ausstellung.

Die Ausstellung "Jeff Wall in München" ist in der Pinakothek der Moderne in München vom 7. November 2013 bis zum 9. März 2014 zu sehen.