Gib mir fünf! - Tipps

Die fünf Ausstellungstipps der Woche

Jede Woche präsentieren wir Kunst, die Sie nicht verpassen dürfen. Diesmal mit giftigen Heilversprechen, dem Terrorismus der Demokratie und märchenhafter Naturidylle.
Die fünf Tipps der Woche:Die Kunst-Höhepunkte der Woche

Die Ausstellung "Ohnmacht als Situation" besteht aus den beiden Ausstellungen Democracia und Revolutie sowie der Veranstaltungsreihe Polizey, dabei dreht sich alles um die Veränderung bestehender Ordnungen. Democracia: "Ser y Durar", 2011, Ausstellungsansicht, Frankfurter Kunstverein 2013

Frankfurt: Innere Katastrophen

"The system works because you work" heißt die schwarze Blockschrift auf dem Bild, das die weiße Wand der Ausstellung schmückt.

Doch, was stellt unser System heute dar und wo ist unser Platz darin? Täglich berichten Medien von Krisen in der Wirtschaft dem Klimawandel, erzählen uns vom Terrorismus und Flüchtlingsströmen. Keine Katastrophe oder globale Risiken werden ausgelassen, das Vertrauen in die Politik schwindet, und die Handlungsunfähigkeit der Staaten wächst. Die Folge ist ein Gefühl der Ohnmacht. Dieses Gefühl kann die Ursache von Kriegen und Diktaturen werden und Menschen in die politische Radikalisierung treiben. Genau diesem Thema widmet sich nun die Schau: "Ohnmacht als Situation" im Kunstverein Frankfurt. Die spanische Künstlergruppe "Democracia" und das rumänische Künstlerduo Mona Vatamanu & Florin Tudor suchen in künstlerischen Experimenten nach einem Umgang mit gesellschaftlichen Verhältnissen, die aus der Ohnmacht herausführen können. Ihr künstlerisches Handeln umfasst Film, Fotografie, Malerei, Performance und Installationen. Außerdem, geht es in der von Felix Trautmann konzipierten Veranstaltungsreihe "Polizey", um die Rolle der Polizei in der vermeintlich bestehenden Ordnung. Wer ist diese Institution? Wer ruft sie, wer stellt sich ihr entgegen und wer entscheidet sich für diesen Beruf? Durch Künstlergespräche, Podiumsdiskussionen, Performances und Filmvorführungen nähert er sich dem Thema aus unterschiedlichen Positionen.


Die Ausstellung "Ohnmacht als Situation. Democracia, Revolutie & Polizey" ist vom 13. Juni bis 4. August 2013 im Frankfurter Kunstverein zu sehen.

Worpswede: Mut und Stärke

Das junge Mädchen mit den blaugrünen Augen lächelt den Betrachter wachsam, fast ein bisschen spöttisch an. Ihre rotbraunen, welligen Haare bilden einen sinnlichen Konrast zur Natur. Selbstbewusst scheint sie und doch zerbrechlich, so wie die Geschichte ihrer Schöpferin, der Malerin Julie Wolfthorn, die 1944 im Konzentrationslager Theresienstadt starb. Sie gehörte Anfang des 20. Jahrhunderts zu den bekanntesten Künstlerinnen Deutschlands und machte sich als Grafikerin und Porträtistin bekannter Persönlichkeiten einen Namen. Die Ausstellung "Malerinnen im Aufbruch", zeigt nun vier Ausstellungen, unter anderem Wolfthorns Werke und anderer Künstlerinnen, wie zum Beispiel Anna Syberg oder Marie Bock, die um 1900 die Kunst erobert haben. Sie alle widmeten sich gezielt der Volkskunst oder waren auch in ihrem Stil von einer deutlichen Auseinandersetzung mit den modernen Kunstströmungen geprägt. Was alle diese Frauen vereint, ist die Entscheidung für den Traum vom Künstlertum, der Mut, Stärke und Durchhaltewillen erfordert hat.


Die Ausstellung "Malerinnen im Aufbruch – Frauen erobern die Kunst" ist vom 16.06 bis 20.10 2013 an vier Ausstellungsorten zu sehen: Barkenhoff/Heinrich-Vogeler-Mueseum, Haus im Schluh/Heinrich Vogeler-Sammlung, Große Kunstschau Worpswede und Worpswede Kunsthalle

Braunschweig: Moderne Mythologie

Wirkstoffe erzielen Heilungen, erzeugen aber auch Abhängigkeiten. So ähnlich mag es sich auch mit Städten und ihren Bewohnern verhalten. Die Ausstellung "Franz Wanner. Gift-Gegengift. Krankheitsbilder einer Stadt" geht dieser Behauptung nach und untersucht die Heilversprechen und gelebten Glaubensgrundsätze des Kurortes Bad Tölz. In seiner für Braunschweig neu produzierten Arbeit und der ersten Einzelausstellung nähert sich der Künstler der Geschichte seiner Geburtsstadt Tölz an, und entwickelt ihr fotografisches Porträt. Seine Fotografien zeigen Fakt und Fiktion, Unbekanntes, Ironie und Ernst, Skurriles, Verdrängtes und Unerhörtes. Wanners präziser, sezierender Blick visiert hierbei Hintergründiges und findet verborgene Referenzen, die dem Klischeebild von Tölz widersprechen. Er spürt vergessenen Momenten der Geschichte der Stadt nach, wie der historischen Wandelhalle des Kurortes Tölz, der Zeit des Nationalsozialismus, geheimen nachkriegsdeutschen Spionagetreffen, oder dem Spaß-und Erlebnisbad “Alpamare“ als Freizeitutopie der siebziger Jahre. Wanners spielerischer und auch humorvoller Umgang von Tatsachen und Behauptungen kennzeichnet seine Kunst und macht soziale Phänomene sichtbar.



Die Ausstellung "Franz Wanner. Gift – Gegengift. Krankheitsbilder einer Stadt" ist vom 14. Juni bis 18. August 2013 im Museum für Photographie Braunschweig zu sehen.

Neunkirchen: Neo-Romantik

"Wo Herz und Gemüt erkaltet ist, da kann die Kunst nie heimisch sein", sagte einst der Maler Caspar David Friedrich. Vielleicht meinte er damit nicht unbedingt die Neo-Romantik, jedoch sprach er damit Verstand und Gefühl an. So auch die elf Künstler der Ausstellung "Landschaft und die zeitgenössische Romantik." Sie versuchen mit Malerei, Videoinstallationen, Zeichnungen und Skulpturen die Welt zu begreifen, die unsere Wissenschaft zwar exakt erklärt, die aber dennoch unverständlich bleibt. So bleiben Ideenwelten der Romantik, die jene elf Künstler mit zeitgenössischen Werken in Bezug zu diesem Thema stellen. Richard T.Walker besingt in seiner Videoinstallation mit Gitarre und Percussions im "Nirgendwo" die Romantik der Natur, Martin John Callam erschafft einen weißen Globus, der dreidimensional ist und dessen Oberfläche das Bild der Wolken zeigen und Munan Øvrelid setzte sich mit einem Baum und dessen geflügelten Bewohnern auseinander. Er legte eine Statistik an, in der er sehen konnte, wie viele Vögel dort wohnen und wie sich verhalten. Das Resultat sind Malerei und Zeichnungen, die sich, wider Erwartens gegen die Wissenschaft lehnen. In den im Springhornhof gezeigten Arbeiten erscheint die Romantik mit Strategie und Kritik, mit Distanzbewusstsein und Ironie und erzählt von großen Utopien und märchenhafter Naturidylle.

Die Ausstellung "Verstand und Gefühl. Landschaft und die zeitgenössische Romantik" ist vom 15. Juni bis 18. August 2013 im Springhornhof in Neuenkirchen zu sehen

Bernau: Bilder zwischen den Fronten

Als der Maler Hans Brosch 1979 von einem Studienaufenthalt in Paris nicht mehr in seine Heimatstadt Ostberlin zurückkehrte, war er im Osten wie im Westen ein eher Unbekannter. Als Vertreter einer ungegenständlichen Malerei tauchte er im offiziellen Kunstprogramm der DDR nicht auf. Dass er 1975 an der Biennale junger Kunst in Paris ausstellen durfte, fand gegen den Widerstand der Leitung des Verbandes Bildender Künstler statt. Im Westen angekommen, war er zunächst auch hier ein Neuling – was sich aber rasch änderte: Nachdem er schon in den siebziger Jahren von der Kölner Galerie Karsten Greve vertreten worden war, nahmen ihn nun auch Herbert Meyer-Ellinger, Frankfurt/Main, und Georg Nothelfer, Berlin, in ihr Programm auf.
1980 hatte Hans Brosch im Gespräch mit art seine Malerei so beschrieben: "Ich bin keiner, der von links oben nach rechts unten malt." Eigentlich, so Brosch, würde er "am liebsten jeden Fleck der Leinwand gleichzeitig behandeln."

Die Ausstellung "Hans Brosch – Ölbilder und Zeichnungen" ist vom 15. Juni bis 27. Juli in der Galerie Bernau in Bernau bei Berlin zusehen