Gib mir fünf! - Ausstellungstipps

Die fünf Ausstellungstipps der Woche

Jede Woche präsentieren wir Kunst, die Sie auf keinen Fall verpassen dürfen. Diesmal mit "ink essays", Reality-Kunst und betenden Scheibenwischern.

Berlin: Stille Bedrohung

Zwischen der Entdeckung des HI-Virus Anfang der achtziger und der Entwicklung einer wirksamen Therapie Mitte der neunziger Jahre liegt mehr als ein Jahrzehnt voller Angst und Schrecken.

Eine HIV-Diagnose bedeutete zu dieser Zeit den sicheren Tod. So groß die Bedrohung, so laut und fordernd waren auch die Stimmen der Kunst- und Aktivistenszene. Mit den neuen Behandlungsmethoden und der schwindenden Bedrohung wurden die Stimmen jedoch leiser und subtiler, gleichzeitig aber auch vielfältiger. Der zweite Teil der Ausstellung "Love Aids Riot Sex" im Berliner Verein Neue Gesellschaft für bildende Kunst zeigt die künstlerische Auseinandersetzung mit Aids nach 1995.

Eine Fotoreihe mit dem Namen "Sun City" – das klingt zunächst nicht nach Gefahr. Die aber steht im Zentrum dieser Arbeit des indischen Künstlers Sunil Gupta. In "Sun City" greift er Standbilder des alten Science-Fiction-Films "Am Rande des Rollfelds" (1962) auf und interpretiert sie neu: Die atomare Bedrohung tauschte er gegen eine HIV-Bedrohung aus und die heterosexuelle Liebesgeschichte gegen eine Gleichgeschlechtliche. Teil der Ausstellung sind außerdem auch Arbeiten von Ono Ludwig, Lorena Zilleruelo, AA Bronson und David Golblatt.

Die Ausstellung "Love Aids Riot Sex 2" ist vom 18. Januar bis 9. März 2014 im nGbK Berlin zu sehen.

Berlin: Identität und digitale Medien

"Die meisten Bedienoptionen nerven dich erst nach einer Weile so richtig, und dann kannst du das Teil nicht mehr loswerden" – in Stefan Panhans Videoinstallation "7-10 Millionen" (2005) erklärt uns ein junger Mann in einem Mordstempo, auf was wir beim Kauf eines neumodischen Elektrogeräts achten müssen. Fünf Minuten lang preschen Informationen auf den Betrachter ein, während im Hintergrund leise der Schnee rieselt – es entsteht ein starker Kontrast zwischen der gemächlichen, analogen Welt und der neuen, digitalisierten Welt, in der junge Menschen heute wie selbstverständlich leben.

Typisch für Panhans Filme: Es gibt weder Schnitt, Schwenk noch Zoom. Seine Filme bestehen stets aus nur einer Sequenz und setzen sich mit der Wirkung digitaler Medien auf die Identitätsbildung junger Menschen auseinander. "7-10 Millionen" und andere Videoinstallationen von Stefan Panhans werden ab dem 19. Januar im Haus am Waldsee in Berlin ausgestellt.

Die Ausstellung "Stefan Panhans – Too much change is not enough" ist vom 19. Januar bis 16. März 2014 im Haus am Waldsee in Berlin zu sehen.

Kaiserslautern: Ungleiche Wiederholungen

Die Malerin Pierrette Bloch, 1928 in Paris geboren, zählt in Frankreich zu den wichtigsten Kunstpersönlichkeiten der Nachkriegszeit. Charakteristisch für Blochs Werke sind die einfachen Materialien, mit denen sie arbeitet, und ihre schlichte, rhythmische Bildsprache. Mit Tusche und Tinte setzt sie Punkte, Spritzer, Flecken und Striche aufs Papier. Die Muster, die dabei entstehen, wiederholen sich, sind jedoch nie identisch. Themen ihrer Werke sind Raum, Leere und Fülle wie auch die Grenze zwischen Zeichnung und Skulptur.

Aus der Ferne betrachtet, erinnern viele von Blochs Werken mit ihren aufgereihten Zeichen an dicht beschriebene Buchseiten oder "ink essays", wie die amerikanische Kunstkritikerin Dore Ashton solch schriftenähnliche Zeichnungen nennt. Pierrette Blochs Arbeiten werden ab dem 18. Januar in der Pfalzgalerie Kaiserslautern erstmalig in Deutschland ausgestellt.

Die Ausstellung "Pierrette Bloch – Punkt, Linie, Poesie" ist vom 18. Januar bis 9. März 2014 im Museum Pfalzgalerie Kaiserslautern zu sehen.

Erlangen: Reality-Kunst

Die Arbeiten der deutschen Konzeptkünstlerin Almut Linde entstehen nicht im Atelier. Sie entstehen in Massentierhaltungsanlagen, Großraumbüros oder auf Truppenübungsplätzen – Orte, an denen strikte soziale Codes und daraus abgeleitete Stereotypen herrschen. Diese Codes versucht Linde mit ihren Arbeiten zu durchbrechen – sie lässt sich von Mitarbeitern eines Betriebes für die Massenherstellung von Milch ihre Lieblingskuh zeigen, sucht in Großraumbüros nach persönlichen Gegenständen und lässt Soldaten per Befehl bei einer Kunstausstellung erscheinen.

Stets vor Ort und im Dialog mit den dortigen Menschen erarbeitet Linde Interventionen, Skulpturen und Installationen, die den betreffenden Ort in ein neues, radikal anderes Licht setzen. Ab dem 18. Januar ist die Ausstellung "Radical Beauty" im Kunstpalais Erlangen zu sehen.

Die Ausstellung "Almut Linde: Radical Beauty" ist vom 18. Januar bis 16. März 2014 im Kunstpalais Erlangen zu sehen.

Köln: Jesus, Stadt und Scheibenwischer

Der deutsche Künstler Thomas Bayrle ist weder Katholik noch beinhaltet seine Ausstellung "katholisch" in der Kunst-Station Sankt Peter traditionelle christliche Kunst. Seine Werke hinterfragen die "katholische Mentalität" und sprechen von kirchlichen und gesellschaftlichen Strukturen. "Katholisch sein", so Bayrle, "ist wie eine ständig arbeitende Maschine – immer fließt Energie, es geht wie elektrisch”.

Sein Stil bleibt konsequent: In seinen Collagen, Zeichnungen, Filmen und Skulpturen finden sich stets wiederkehrende Muster und Symbole. So begegnet uns Christus in der Collage „Frankfurter Kreuz“ in Form von wiederkehrenden Autobahnfragmenten, in den grafischen Modulen von "Stadt" und der Rosenkranz tönt in einer Endlosschleife aus dem Motor der Installation "Scheibenwischer."

Die Ausstellung "katholisch" von Thomas Bayrle ist vom 17. Januar bis 23. Februar in der Kunst-Station Sankt Peter in Köln zu sehen.