Gib mir fünf! - Ausstellungstipps

Die fünf Ausstellungstipps der Woche

Jede Woche präsentieren wir Kunst, die Sie auf keinen Fall verpassen sollten. Diesmal unter anderem mit abstrakter Kunst, einer emotionalen Renaissance und neuen Räumlichkeiten.

Bochum – Raumentdeckung

Normalerweise nutzt ein Künstler die Ausstellungsräume, die ihm zur Verfügung gestellt werden. Wenn ein Raum aber nicht nur Gastgeber, sondern auch Hauptakteur ist, sieht es etwas anders aus. Und genau dann kommt Gregor Schneider ins Spiel beziehungsweise in den Raum.

Für seine Ausstellung legt der Künstler persönlich Hand an, verändert Räume in Funktion, Form und Aussehen und stellt so manchen Besucher vor eine unerwartete Tatsache. Durch das simple Einfügen oder Entfernen einer Wand zeigt er, wie sich Räume und deren Bedeutungen verändern können. Ursprünglich sollte der Künstler mit der Ausstellung "Totlast" in Duisburg zu sehen sein, was allerdings abgesagt wurde, da das Thema zu sehr an das Unglück der Loveparade 2010 erinnere. Doch was des einen Verlust ist, ist des anderen Gewinn. Im Rahmen der Ruhrtriennale zeigt Gregor Schneider jetzt im Kunstmuseum Bochum auf 400 Quadratmetern eine Raumskulptur, die sich in sich entwickelt und von den Besuchern zu entdecken ist. So betritt man das Museum nicht durch den Haupteingang, sondern durch eine Art Kanalisationssystem. Der Mensch als Eindringling in die Kunst – die Ausstellung hat viele paradoxe Momente, die eine ganz persönliche Auseinandersetzung mit Erwartung, angewöhnten Bedeutungsträgern und Raumfunktionen erlaubt.

Die Ausstellung "Gregor Schneider – KUNSTMUSEUM" ist vom 29. August bis 12. Oktober in dem Kunstmuseum Bochum zu sehen.

Koblenz – Abstrakte Kunst

Wenn man an abstrakte Kunst denkt, fallen einem sofort Künstlernamen wie Kandinsky oder Mondrian ein. Doch wie sieht es mit der Abstraktion heute aus? Wer setzt sich mit ihr auseinander? Einer davon ist der irische Maler Sean Scully. Zunächst faszinierten ihn Maler wie Emil Nolde, bis er sich dann von Mark Rothkos Kunst in die Abstraktion fallen lies. Die Kunst des Iren ist allerdings nicht kategorisch, sondern vielseitig. Er beschäftigte sich in seinem Leben von OP Art dann mit gegenständlicher und schließlich gegenstandsloser Kunst. In Koblenz führt er jetzt mit seinen 79 ausgestellten Werken eine öffentliche Debatte zum Thema "abstrakte Malerei". Er zeigt Werke, in denen Figuren und Formen zu erkennen sind, bis hin zu einem acht Meter breiten Werk, bestehend aus Strichen, Kästen und Formen. Eine kunterbunte Ausstellung, im wahrsten Sinne des Wortes.

Die Ausstellung "Sean Scully - Figure/Abstract" ist vom 31. August bis 16. November in dem Ludwig-Museum in Koblenz zu sehen.

Frankfurt – On Tour in Tschetschenien

Die Idee hinter seinen Werken ist heute vielleicht aktueller denn je: Der italienische Fotograf Davide Monteleone will neugierig machen, die Wahrheit selbst zu erforschen. Der mehrfache Gewinner des World Press Photo Award ist vor allem bekannt für seine osteuropaorientierten Fotografien. Seit 2003 pendelt der Fotograf zwischen seinem Heimatland und der Russischen Föderation. Durch den Gewinn des Carmignac Gestion Photojournalism Award zeigt er jetzt in Frankfurt eine Fotodokumentation über ein Land, das von Politik und Machtkämpfen geprägt ist: Tschetschenien. Anfang 2013 war Davide Monteleone für drei Monate in den Nordkaukasus gereist, um das Leben, die Mentalität und die Umstände des Landes festzuhalten. Das Ergebnis: Fotografien eines 14-jährigen Mädchens in einem Hochzeitskleid bis hin zu Polizeiparaden. Das Fotografie Forum in Frankfurt am Main zeigt 49 Schwarzweiß-Werke, die mit Feingefühl und Integrität versuchen, das wahre Gesicht einer Nation einzufangen.

Die Ausstellung "Spasibo" ist vom 30. August bis 28. September Frankfurter Fotografie-Forum zu sehen.

Bremen – Großes Kino der Renaissance

Der Mensch von heute ist verwöhnt. Sollte mal Langeweile eintreten, gibt es zahlreiche belustigende Aktivitäten, wie beispielsweise den klassischen Kinobesuch. Doch was haben die Menschen in der Renaissance gemacht, wenn sie eine Ablenkung vom Alltag suchten? Sie hatten Kunst. Für sie waren Fresken, Ölgemälde oder Zeichnungen ungefähr so emotional, wie heute für den einen oder anderen ein guter Film ist. Und so wie auf der flachen Leinwand die Menschen auch plastisch aussehen, so auch auf den Kupferstichen, die jetzt in der Kunsthalle Bremen zu sehen sind. 49 Kupferstiche aus der Renaissance und Barock zeigen Furien, die so echt aussehen, als können sie gleich aus dem Bild springen und verdrehten Figuren, deren Bewegung so fließend ist, als würde man nur darauf warten die nächste Bewegung zu sehen. Die Ausstellung ist eine Hommage an Zeiten, die kein digitales Entertainment Angebot hatten und es trotzdem schafften ihre Zuschauer zu packen – bis heute.

Die Ausstellung "Den Teufel im Leib" ist vom 27. August bis 23. November in der Kunsthalle Bremen zu sehen.

Marburg – Aktiv im Ruhestand

Was macht ein Professor der bildenden Kunst, wenn er in Ruhestand ist? Viele werden wahrscheinlich ihre neu gewonnene freie Zeit genießen und nicht mehr an Arbeit denken wollen. Nicht so Eckhard Kremers. Der ehemalige Mitarbeiter der Universität Marburg ist Künstler aus Leidenschaft. Zu seinem Schaffensrepertoire gehören Malerei, Papierarbeiten, Fotografie, Druckgrafik, Skulpturen und andere Objekte. Diese Vielfalt ermöglicht ihm, seine Themen auf unterschiedlichsten Ebenen zu erforschen. Den Künstler interessiert vor allem der Mensch. Wie verändert er sich, wie verändert sich seine soziale Stellung und wie drückt er sich aus? Seine Arbeiten greifen psychologische Themen auf und ermöglichen neue Sichtweisen.

Die Ausstellung "Eckhard Kremers: Malerei, Grafik, Skulptur, Fotografie" ist vom 29. August bis 16. Oktober im Marburger Kunstverein zu sehen.