Gib mir fünf! - Tipps

Die fünf Ausstellungstipps der Woche

Jede Woche präsentieren wir Kunst, die Sie auf keinen Fall verpassen dürfen. Diesmal mit dem Flechtheim-Projekt, textilen Welten und der Triennale der Moderne.

Wolfsburg: Textile Welten

Mit urbanem Häkeln oder Woll-Guerilla hat das "Black-White-Gold"-Gewebe der Bauhauskünstlerin Anni Albers herzlich wenig gemein.

Denkste, dachte sich das Kunstmuseum Wolfsburg und schafft mit über 80 bekannten und unbekannten Künstlern den Spagat vom Bauhaus zur textilen Street-Art von heute – dabei ensteht eine solide Ausstellung. Bekannte Werke von Degas und Trockel treffen auf peruanische Stoffe und Völkerkunde relevante Objekte. Darüber hinaus wird das Klischee der weiblichen Hausarbeit gebrochen.

Doch geht es den Wolfsburgern nicht allein um die Werke. "Kunst und Textil" spannt vielmehr die Brücke zwischen dem Handwerk, der Kunst und dem sozialen Fortschritt. "Menschsein heißt Leben mit Stoff" so die Textilforscherin Beverly Gordon. Das man diesen Ausspruch in Wolfsburg ernst nimmt beweist die Ausstellung als dritter Teil einer 2006 begonnen Suche nach der Moderne im 21. Jahrhundert.

Die Ausstellung findet im Kunstmuseum Wolfsburg vom 12. Oktober 2013 bis zum 02. März 2014 statt.

Kochel am See: Vorahnung einer Katastrophe

Nicht das Buch zur Ausstellung, sondern die Ausstellung zum Buch – mehr kann sich ein Bestseller-Autor wahrlich nicht wünschen. Mit seinem Buch "1913: Der Sommer des Jahrhunderts" beschreibt Florian Illies das Vorjahr des ersten Weltkrieges, die Ekstase der Kunst und derer, die sie schufen. Das Franz-Marc-Museum zeigt jetzt die Ausstellung dazu, auch dort ist von drohender Vorahnung die Rede. Elend mutet das Bild "Das arme Land Tirol" von Franz Marc an, es ist menschenleer und nur von Tieren bevölkert.

In Kochel am See werden Werke von Marc, Klee, Heckel und vielen weiteren Zeitgenossen gezeigt. Die Stücke schildern eine Zeit der gesellschaftlichen Veränderung und eine Phase kreativer Meilensteine, bevor diese durch nationale Strömungen verdrängt wurden. Der Illustrator und Zeichner Cyril Mariaux überträgt eine Chronologie aus der Perspektive Florian Illies' an die Wände der Lounge im Erdgeschoss des Museums. Verziert werden sie obendrein mit dokumentarischen Fotografien und kleinen Zeichnungen.

Die Ausstelllung "1913: Bilder vor der Apokalypse" läuft vom 13. Oktober 2013 bis 19. Januar 2014 im Franz Marc Museum in Kochel am See.

Köln: Adjusted

Louise Lawler schaut ab. Auf Auktionen, in Museen oder bei Privatsammlungen. Die dabei entstehenden Fotos zeigen ein oft ironisches Spiel zwischen Kunstwerk und dem Raum, in dem es präsentiert wird, wie in dem Bild "Pollock and Tureen", das eine Suppenschüssel vor einem Bild von Jackson Pollock zeigt. Diese sind dem Kölner Museum Ludwig jetzt eine Werkschau wert – die erste von Louise Lawler in Deutschland. Dafür bereitet sie eine neue Serie von Umrisszeichnungen einiger ihrer frühen Werke, sowie Fotografien auf spezieller Vinylfolie vor. Diese verändert ihre Proportionen und passt sich so an die jeweiligen Räumlichkeiten an. Auf eindrucksvolle Weise beleuchtet diese Folie die Kernaussage Lawlers, dass Kunst nie ohne Umgebung gesehen und bewertet werden kann. Dazu werden 80 weitere Werke auf der gesamten Museumsfläche gezeigt – der vor einem Jahr angetretene Museumsdirektor Philipp Kaiser präsentiert jetzt seine Neuhängung der Sammlung.

"Adjusted" ist vom 11. Oktober 2013 bis 26. Januar 2014 im Kölner Museum Ludwig zu sehen.

Bremen: Auf den Spuren eines Händlers

Dass sie das Thema Beutekunst ernst nehmen, beweisen derzeit 15 Museen aus Deutschland und der Schweiz. In dem gemeinsamen Projekt wird nach unrechtmäßig erworbenen Werken aus der Sammlung Alfred Flechtheims geforscht. In Zugzwang gerieten mehrere Museen als Erben des bedeutenden Kunsthändlers ihre Ansprüche geltend machten.

In diesem Rahmen findet in der Kunsthalle Bremen eine Ausstellung mit 43 Werken aus der Sammlung Flechtheim statt. Gezeigt werden Werke von Max Beckmann bis Heinrich Campendonk, die dem expressiven und zeitkritischen Charakter der Galerie Flechtheim entsprachen. Die Ergebnisse der Projektforschung werden im Internet auf alfredflechtheim.com präsentiert.

An diesem Wochenende eröffnen auch die meisten anderen Ausstellungen des Projekts: Von Oktober 2013 bis März 2014 werden alle Museen gemeinsam und unter demselben Titel "Alfred Flechtheim.com Kunsthändler der Avantgarde" Werke mit Flechtheim Provenienz aus ihren Sammlungen in Ausstellungen vorstellen.

"Alfred Flechtheim.com/Kunsthändler der Avantgarde" ist vom 16. Oktober 2013 bis 16. Februar 2014 in der Bremer Kunsthalle zu sehen. Weitere teilnehmende Museen sind: Kunstmuseum Bonn, Kunsthalle Bremen, Museum für Kunst und Kulturgeschichte, Dortmund, Museum Kunstpalast und Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf, Städel-Museum, Frankfurt am Main, Hamburger Kunsthalle, Sprengel-Museum, Hannover, Staatliche Kunsthalle Karlsruhe, Museen der Stadt Köln, Museum der bildenden Künste Leipzig, Bayerische Staatsgemäldesammlungen, München, Museum für Kunst und Kultur, Münster, Staatsgalerie Stuttgart, Museum Rietberg Zürich

Dessau: Triennale der Moderne

In Zusammenarbeit mit den Städten Berlin und Weimar, erinnert Dessau an das vor 80 Jahren aufgelöste Bauhaus. Eröffnet wird das Triennalen-Wochende von dem amerikanischen Architekten Daniel Libeskind. Unter dem Motto "Zerstörte Vielfalt" finden unter anderem Workshops, Führungen zu den Bauhausbauten, Vorträge und Lesungen statt. Die Hochschule Anhalt zeigt außerdem eine Ausstellung über Ernst Neufert: Als Architekt, Hochschullehrer und international renommierter Autor wirkte Ernst Neufert in drei Epochen deutscher Geschichte. Im Jahr 1900 geboren, studierte er ab 1919 bei Walter Gropius am Bauhaus in Weimar, war 1922 bereits Mitarbeiter in dessen Privatbüro und ab 1925 als Bauleiter am Neubau des Bauhauses sowie der Meisterbauten in Dessau beteiligt. Überdies wurden jetzt zwei Räume der damaligen Atelierzimmer originalgetreu restauriert und drei weitere mit Möbelentwürfen der ehemaligen Bewohner Josef Albers, Alfred Arndt und Franz Ehrlich für die Öffentlichkeit hergerichtet.

Zu sehen ist das Triennalen-Wochende im Rahmen der "Triennale der Moderne" in Dessau vom 11. Oktober 2013 bis zum 13. Oktober 2013. Der Vortrag von Daniel Libeskind findet Freitag um 18.30 Uhr im Bauhausgebäude statt. Die Ausstellung über Fritz Neufert läuft bis zum 15. November 2013, im Bill-Haus auf dem Campus-Dessau