Gib mir fünf! - Ausstellungstipps

Die fünf Tipps der Woche

Jede Woche stellen wir Ihnen Kunst-Höhepunkte vor. Diesmal: Künstler gehen den Dingen auf den Grund – Nick Veasey röntgt die Welt, Rosa Barba filmt eine Insel und Margarita Broich fotografiert Schauspielkollegen

Graz: Nick Veasey

Wie sehen die Dinge eigentlich von innen aus? Nick Veasey bedient in seinen aufwändigen Röntgenbildern die kindliche Neugier des Betrachters. Er durchleuchtet alles, was ihm vor die Linse gerät, von der Alge bis zur Boeing 747 und zeigt "wie die Dinge wirklich sind". Die ungewöhnlichen Ansichten mehr oder weniger gewöhnlicher Objekte faszinieren. Und es zeigt sich, dass die äußerlich langweiligeren Objekte manchmal doch die interessanteren sind. Wo der Teddybär doch etwas hohl und fast ein wenig gruselig daherkommt, verbirgt sich in dem schlichten Gehäuse eines Plattenspielers ein weitaus interessanteres Innenleben. In Graz sind sowohl ältere als auch neu produzierte Aufnahmen zu sehen.

Das Atelier Jungwirth zeigt "Nick Veasey: X-Ray" noch bis zum 4. Juni

Braunschweig: Rosa Barba & Francisco Montoya Cázarez

Der Kunstverein Braunschweig präsentiert die renommierte Künstlerin Rosa Barba und den jungen mexikanischen Kunsthochschulabsolventen Francisco Montoya Cázarez. Neben Installationen und skulpturalen Inszenierungen zeigt die Ausstellung filmische Arbeiten von Barba, darunter auch der 2007 realisierte Film "Outwardly from Earth’s Centre", der zwischen Dokumentation und Fiktion schwankt. Dokumentiert wird ein geologisches Phänomen, das sich auf der schwedischen Insel Gotska Sandön abspielt: Die Insel driftet jedes Jahr um einen Meter vom Festland ab, was Bewohner und Naturforscher gleichermaßen beunruhigt. Barba lenkt die Situation in abstrakte und surreale Bahnen und lässt so die Dokumentation immer mehr zu einem fiktiven Schauspiel werden.
Mit filmischen Arbeiten setzt sich auch der junge mexikanisch Künstler Montoya Cázarez auseinander. In seiner ersten institutionellen Einzelausstellung zeigt der Künstler Werke, die sich mit der Realität seines Heimatlandes Mexiko beschäftigen. In seinem Film "Das Bundesständchen" singt der Künstler vor dem Bundeskanzleramt in Berlin eine "Serenata" für die Kanzlerin. Darin plädiert er für eine Wahrnehmung der Geschichte und aktuellen Konflikte Mexikos in Deutschland. In seinen Zeichnungen, Tuschen und Performances finden die gesellschaftskritischen Botschaften auf eine humorvolle Weise Eingang, die dennoch immer wieder ins grausame und ernsthafte kippt. So macht Montoya Cázarez eindrucksvoll auf die erschreckenden Zustände in Mexiko aufmerksam.

Der Kunstverein Braunschweig zeigt Rosa Barba & Francisco Montoya Cázarez noch bis zum 22. Mai 2011. Im Rahmenprogramm finden Anfang Mai Künstlergespräche statt

Berlin: Hinter den Kulissen

Die Fotografin und Schauspielerin Margarita Broich portraitiert am liebsten ihre Arbeitskollegen. Ohne Glamour und ohne große Geste fängt sie mit ihrer Kamera die flüchtigen Momente ein, in denen sich die Schauspielkollegen zwischen den Welten bewegen: Während Pausen am Set, zwischen Proben oder nach dem Ende einer Vorstellung. Meist erschöpft und müde schauen uns Gesichter an, die noch halb in der Rolle und halb schon wieder im wahren Leben angekommen sind. Die "Ent"-wandlung ist der schönste Moment den Margarita Broich festhält und die ihre Schauspielerporträts so einzigartig machen. Der Berliner Martin-Gropius-Bau zeigt eine Werkgruppe der Künstlerin mit über 60 Schauspieler- und Künstlerporträts und eröffnet einen Blick hinter die Kulissen.

Die Ausstellung "Wenn der Vorhang fällt" von Margarita Broich läuft vom 18. März bis zum 30. Mai 2011

Dortmund: Barbara Breitenfellner

Die österreichische Künstlerin Barbara Breitenfellner hat zehn Jahre lang ihre Träume aufgeschrieben, gesammelt und dokumentiert. Diese Texte übersetzt die Künstlerin wieder in Bilder und erschafft im Dortmunder U, ausgerichtet vom Hartware MedienKunstVerein, zwei begehbare (Traum)-Installationen. Einer der Träume handelt von Joseph Beuys und lautet: "Beuys machte eine tagelange Performance in 1 Raum. Jemand anderes (?) stieg auf 1 liegenden Gorilla mit 1 Fell auf einer Plattform: es war ein Gestell, das sich hinaufbewegte. Am Ende sprang Beuys hinunter wie ein Sieger im Zirkus". Dieses Wortprotokoll setzt sie in eine Installation mit einer von 700 Glühbirnen bestückten Leinwand und einer gewaltigen Gorillafigur um. Suggestive Bilder stehen bei den Installationen im Vordergrund und verweisen auf unser Medienzeitalter, dessen Bilderflut wir uns selbst in unseren Träumen nicht entziehen können.

Die Einzelausstellung von Barbara Breitenfellner "Traum einer Ausstellung" läuft noch bis zum 5. Juni 2011 im Dortmunder U und bietet zusätzlich ein abwechslungsreiches Rahmenprogramm mit Gesprächen und Rundgängen der Künstlerin. Am 17. März findet um 18 Uhr eine "After-Work-Führung" durch die Ausstellung statt.

Bremen: Kateřina Šedá

Eine lange gedeckte Tafel, darauf eine Tischdecke in der mehrere große Löcher klaffen. Der Stoff selbst ist mit seltsamen, kartographischen Filzstiftzeichnungen bedeckt. Außen herum stehen Bistrotische mit ähnlichen Decken, die sämtlich eine Aussparung in der Mitte haben. Die Zeichnungen zeigen Karten einer Ortschaft, die ihr Zentrum an die Automobilindustrie verloren hat. Es handelt sich um die Gemeinde Nošovice in der Tschechischen Republik: Ein kleines Dorf, das selbst nicht besonders schön, aber idyllisch gelegen ist. Vor einigen Jahren hat Hyundai mitten in Nošovice eine Niederlassung gebaut und das Firmengelände umzäunt. Die Fabrik ist ein Fremdkörper, der ein Loch in das Gefüge des Ortes geschnitten hat. Wo einst direkte Wege hinführten, müssen die Bewohner nun weite Umwege in Kauf nehmen. Die Bevölkerung konnte sich nicht gegen diesen gravierenden Einschnitt in ihr Dorf wehren und kapitulierte, viele zogen fort. Als Reaktion auf diese schwierige Situation arbeitet die Künstlerin seit einigen Jahren an einem Langzeitprojekt, das um die Überwindung von Hindernissen und die Knüpfung neuer Kontaktwege kreist. Das Künstlerhaus Bremen zeigt die erste Ausstellung der jungen tschechischen Künstlerin Kateřina Šedá im deutschsprachigen Raum.

Die Ausstellung "Kateřina Šedá: It's Too Late In The Day" ist im Künstlerhaus Bremen noch bis zum 8. Mai zu sehen