Gib mir fünf! - Ausstellungstipps

Die fünf Ausstellungstipps der Woche

Jede Woche präsentieren wir Kunst, die Sie auf keinen Fall verpassen dürfen. Diesmal mit interaktiver Netzkunst, inszenierter Tradition, dem Kontrollverlust 2.0, gesellschaftlichem Ordnungswahn und multimedialen Collagen.

Oldenburg: Netzkunst

Wer mithilfe von Google Street View eine Erkundungstour durch den Samsponia Way in Pittsburgh macht, wird überrascht sein.

In der virtuellen Version der Straße trifft man auf das Garagenlabor eines verrückten Professors, passiert einen Schwertkampf und ein überdimensionales Hühnchen, sieht Menschen, die mit Konfetti werfen, einer Parade zusehen oder einen Marathon laufen. Die Netzkünstler Robin Hewlett und Ben Kinsley luden den Google-Konzern 2008 dazu ein, Teil ihres Projekts "Street With a View" zu werden.

Ab dem 7. März zeigt das Oldenburger Edith-Russ-Haus für Medienkunst eine Auswahl von 120 Werken der Netzkunst – Kunst, die sich rund um das Internet dreht, es demontiert, sich aneignet oder gar – wie im Fall von Hewlett und Kinsley – in das digitale Zeitgeschehen eingreift. Zu sehen sind sowohl frühe Werke der neunziger Jahre als auch Arbeiten neueren Datums wie die Flash-basierte, interaktive Website "jacksonpollock.org" des griechischen Künstlers Miltos Manetwas, dem Begründer der "Neen"-Bewegung in der Netzkunst. Auf der von ihm kreierten Internetseite kann jeder Besucher im Stil des Künstlers Jackson Pollock malen.

Die Ausstellung "Blick ins Netz – NET.ARTografie" ist vom 7. März bis 21. April 2014 im Edith-Russ-Haus für Medienkunst in Oldenburg zu sehen.

Berlin: Inszenierte Tradition

Für sein Projekt "Before They Pass Away" besuchte der britische Fotograf Jimmy Nelson insgesamt 29 bedrohte, indigene Völker – darunter die Massai in Kenia, die Kasachen in der Mongolei, die Nenzen in der russischen Arktis oder die Maori in Neuseeland. Anstelle das heutige, teils vom technischen Fortschritt beeinflusste Leben dieser Stämme zu dokumentieren, inszenierte Nelson gemeinsam mit ihnen Fotoporträts, die sie so zeigen, wie sie eigentlich sein sollten – mit all ihrer traditionellen Kleidung, ihren Symbolen, Riten und Bräuchen.

Entstanden ist ein gleichnamiger Fotoband mit über 500 Fotografien, der nicht nur den letzten Vertretern der indigenen Bevölkerung ein Denkmal setzt, sondern auch den epischen Landschaften, die sie ihr zu Hause nennen. Mit dieser Arbeit will Nelson eine Diskussion um die letzten verbliebenen Nachkommen der "Urvölker" anstoßen. Eine Auswahl der teils großformatigen Fotografien wird ab März in den Berliner Galerien Camera Work und CWC Gallery ausgestellt.

Die Ausstellung "Jimmy Nelson – Before They Pass Away" ist vom 8. März bis 21. Juni 2014 gleichzeitig in den Berliner Galerien Camera Work und CWC Gallery zu sehen.

Wolfsburg: Kontrollverlust 2.0

Das Internet ist außer Rand und Band. Wilde Pop-up-Fenster, vorgelagerte Zwang-Werbespots, zwinkernde Kaufempfehlungen – längst haben wir die Kontrolle über unser Netz verloren und sind zum hilflosen Empfänger einer Nonstop-Reizflut geworden. Die Ausstellung "I Can't Control Myself" im Kunstverein Wolfsburg erkundet diese Flut von Bildern und Gefühlen nicht nur, sondern zeigt auch, wie Künstler mit dem digitalen Kontrollverlust umgehen.

In ihrer Videoarbeit "Geld zu finden" stellte die deutsche Künstlerin Anna Witt den Besucher einer Galerie die Aufgabe, Geld zu finden – und zwar in einer Masse analoger, nicht digitaler Materie. In einer Art Wohnzimmer versteckte sie insgesamt 400 Euro. Nach drei Stunden hatten die Besucher die Einrichtung in ihre Einzelteile zerlegt und das vermeintlich Wichtige herausselektiert. Weitere teilnehmende Künstler der Ausstellung sind: Julius von Bismarck, Ludwig Meidner, Bernhard Moosbauer, Julia Oschatz, Nam June Paik und Mathilde ter Heijne.

Die Ausstellung "I Can't Control Myself" ist vom 7. März bis 4. Mai 2014 im Kunstverein Wolfsburg zu sehen.

Winterthur: Gesellschaftlicher Ordnungswahn

Wie lagert unsere Gesellschaft ihr Erbe und damit ihre Zukunft? Der Schweizer Fotograf Yann Mingard versuchte diese Frage fotografisch zu beantworten. Für sein Projekt "Deposit" reiste er an Orte, an denen zum Beispiel menschliche DNA, Sperma, Saatgut oder digitale Daten gespeichert und aufbewahrt werden. Mit seiner Fotoreihe gibt Mingard Einblick in die Realität von Laboratorien, Archiven und Serverhallen – eine dunkle Realität, in der der Mensch die Natur zähmt, instrumentalisiert und seinem Ordnungswahn unterwirft.

Die entstandene Fotoreihe hat, wie auch die gleichnamige Ausstellung im Fotomuseum Winterthur, vier Kapitel – Pflanzen, Tiere, Menschen, Daten – und wirft Fragen auf: Was bringt uns eine theoretische Artenvielfalt, wenn die lebende Verwandtschaft der Erbgutproben ausgestorben ist? Machen neue Fortpflanzungstechnologien den Menschen zu einem gottähnlichen Schöpfer?

Die Ausstellung "Deposit – Yann Mingard" ist vom 8. März bis 25. Mai 2014 im Fotomuseum Winterthur zu sehen.

Burgdorf: Multimediale Collagen

Die Schweizer Künstlerin Zilla Leutenegger arbeitet mit multimedialen Collagen. Sie kombiniert Videoprojektionen mit Zeichnungen und Objekten – aus diesem Zusammenspiel verschiedener Medien ergeben sich dreidimensionale Installationen, die kleine, poetische Geschichten erzählen. In ihrer Installation "Ring of fire" ist ein Zirkuslöwe kurz davor, durch einen brennenden Ring zu springen – der Löwe ist gezeichnet, der Ring ist ein stehendes Objekt und die Flammen entspringen einer Projektion.

In ihrer Arbeit "9/11 Jeans" vermischt die Schweizerin die Welten Mode und Skulptur: Die Jeans, die sie in New York während der Anschläge am 11. September getragen hat, formte sie zu einer Skulptur, die wiederum an die Zwillingstürme erinnert. Das Burgdorfer Museum Franz Gertsch widmet Leutenegger nun eine Einzelausstellung.

Die Ausstellung "Zilla Leutenegger. Fairlady Z" ist vom 8. März bis 31. August 2014 im Museum Franz Gertsch in Burgdorf (CH) zu sehen.