Gib mir fünf! - Tipps

Die fünf Ausstellungstipps der Woche

Jede Woche präsentieren wir Kunst, die Sie auf keinen Fall verpassen dürfen. Diesmal mit afrikanischen Maskengesichtern, malerischer Möblierung, einer ländlichen Zeitspirale, gesteigerten Emotionen und romantischen Narrationen.

Bonn: Afrikanische Maskengesichter

Viel Emotion, Freude, Tanz und afrikanisches Lebensgefühl gab es bereits bei der diesjährigen Fußballweltmeisterschaft zu sehen, wenn etwa die Mannschaft der Elfenbeinküste zum Kickerduell auflief.

Dass die afrikanische Kultur nicht nur Einzug ins Fußballstadion, sondern auch vermehrt in die deutschen Museumshallen findet, demonstriert nun eine großangelegte Schau mit Kulturgut der Elfenbeinküste in der Bonner Bundeskunsthalle. Erstmals lässt eine Ausstellung 200 Jahre westafrikanische Kunst mit rund 200 Meisterwerken von 40 Bildhauern Revue passieren. Eine noch immer weit verbreitete Ansicht, dass es in der afrikanischen Kunst kaum ästhetische Prinzipien gebe, sondern lediglich "Stammeswerkstätten" mit anonymen Bildhauern, wird mit einem Überblick über die verschiedenen Stilformen ivorischer Kunst aus sechs Kunstregionen anschaulich widerlegt.

Es kommt nicht von ungefähr, dass sich die europäischen Künstler des Kubismus und des Expressionismus von der von ihnen entdeckten Formensprache aus Afrika inspirieren ließen. Vor allem im 19. und frühen 20. Jahrhundert entstanden Figuren und Masken von außergewöhnlicher Ausdruckskraft und Schönheit, die den großen Meistern der Guro, Baule, Dan, Senufo, Lobi sowie der Lagunenvölker im Südosten des Landes zuzuschreiben sind. Mit einfachen Werkzeugen wie Dechsel, Messer und Stechbeitel wurden stilisierte menschliche Figuren und Masken angefertigt, die demonstrieren, dass sich häufig benachbarte Ethnien gegenseitig kulturell beeinflusst haben. Anhand von Einzelwerken oder Werkgruppen werden sowohl die Einzigartigkeit der individuellen afrikanischen Künstler, als auch übergeordnete Stilkategorien einzelner ethnischer Gruppierungen in der Ausstellung sichtbar.

Die Ausstellung "Afrikanische Meister. Kunst der Elfenbeinküste" ist vom 28. Juni bis 5. Oktober in der Bonner Bundeskunsthalle zu sehen

Esslingen: Malerische Möblierung

Trompe l'oeil mal anders: Wer sich keine aufwendige Raumdekoration leisten kann, der male sie einfach selber an die Wand. Der deutsche Künstler Andreas Schulze hat den Dreh raus. Für eine Einzelausstellung in der Villa Merkel hat er eine großformatige Rauminstallation entworfen und das gesamte Erdgeschoss des ehemaligen Wohngebäudes durch malerische Interventionen "möbliert". Neben seinen illusionistischen Wandgemälden, die eine Verbindung mit dem Ausstellungsraum eingehen, finden sich in dem fiktional gestalteten Raum auch reale Objekte wie Lampen, Schmutzecken, Sessel oder Tische mit Selbstporträts in Gestalt von Keramiken. So etabliert der Künstler komplexe Beziehungen zwischen profanen Objekten und ornamentalem Dekor, nicht selten mit einer gehörigen Portion Ironie im Detail:

"Andreas Schulzes Malerei hat vermeintlich viel mit naivem Charme zu tun... Sehr einfach und sehr lässig. So ein bisschen wie die fröhliche Pubertät auf dem Weg zur Abstraktion", schreibt der Maler Gunter Reski. Tatsächlich scheint das Schulzes Kredo zu sein: In einer Welt aus parallel angeordneten, wellenförmigen Objekten, die sich zu farbigen Landschaften oder Interieurs zusammenfügen, vermitteln seine Bilder Behaglichkeit und Bedrohung zugleich, stehen symbolisch für ein Streben nach Sicherheit und Komfort wie auch für die Entfremdung des "Privaten".

Die Ausstellung "Andreas Schulze" ist vom 29. Juni bis 21. September in der Villa Merkel in Esslingen zu sehen

Berlin: Ländliche Zeitspirale

Immer wieder das gleiche sehen, Tag für Tag, Monat für Monat, Jahr für Jahr – das kann nur eintönig sein, oder? Weit gefehlt! Der Fotograf Michael Ruetz beschäftigt sich seit den siebziger Jahren in dem von ihm als "Eye on Time" betitelten Projekt mit dem Versuch, landschaftliche und urbane Veränderungen mit Hilfe der Fotografie sichtbar zu machen. Er wählte über 600 Beobachtungspunkte in Deutschland aus, an denen er Veränderungen oder gleich bleibende Strukturen im Wandel der Zeit dokumentierte. Von 1989 bis 2012 erstellte er 2720 Aufnahmen von einem genau eingegrenzten Landschaftsausschnitt, von denen 60 in großformatiger Panoramaansicht nun in einer Ausstellung gezeigt werden.

Die serielle Folge der Bilder aus dem Voralpenland ermöglicht den unmittelbaren Vergleich: Ob majestätische Wolkenformationen, Mondaufgänge, bedrohliche Blitzgewitter, Schneestürme oder lange Sonnenfinsternisse, Michael Ruetz fing über Jahre hinweg die unterschiedlichsten Stimmungen und Wettererscheinungen in der Landschaft ein. Die oftmals langen Belichtungszeiten lassen zum Beispiel die Wanderung des Mondes als breite Lichtbahn erscheinen, Blitze schlagen in unnatürlicher Fülle ein, und die Rakten eines Neujahrsfeuerwerks schießen hundertfach in den Himmel.

Die Ausstellung "Michael Ruetz – Die absolute Landschaft" ist vom 4. Juli bis 5. Oktober im Berliner Museum für Fotografie zu sehen

Berlin: Gesteigerte Emotionen

2014 ist ein Gedenkjahr – das Gedenken an eines der verherrendsten Ereignisse der Weltgeschichte, das Erinnern an den Ersten Weltkrieg, dessen Ausbruch genau 100 Jahre zurückliegt. Eine Ausstellung widmet sich jenem Ereignis nun auf besonders gefühlsbetonte Weise, indem sie die unterschiedlichsten Emotionen während des Ersten Weltkrieges resümiert: Vaterlandsliebe, Hass, Mitleid, Schmerz, Trauer und Angst um das Leben und die Gesundheit.

In assoziativen Denkräumen geht die Ausstellung den Gefühlen im Krieg nach: Neben originalen Zeugnissen aus dem Ersten und Zweiten Weltkrieg sind zeitgenössische Künstlerarbeiten zu sehen, die in Dialog mit den Vermächtnissen des Krieges treten. Während der Briefwechsel zweier Liebender zwischen Schützengraben und Heimatfront romantischen Einblick in das Soldatenleben gibt, führt im Raum "Angst" eine metallene Herzschutzplatte die brutale Realität des Krieges plakativ vor Augen. Zeitgenössische Fotografien, wie die Serie des Künstlers Simon Menner über Scharfschützen, eröffnen neue Möglichkeiten, den Krieg zu reflektieren. Insbesondere das Ende der Ausstellung, wo persönliche Trauer der Heldenverehrung entgegengestellt wird, demonstriert die zentrale Rolle des Gefühls zu Kriegszeiten.

Die Ausstellung "Der gefühlte Krieg" ist vom 27. Juni bis 28. Juni 2015 im Museum Europäischer Kulturen in Berlin zu sehen

Bremen: Romantische Narrationen

Warum kann das Leben keine kitschige Hollywood-Romanze sein? Kaum jemand hat sich diese Frage noch nicht gestellt. Liebe ist eine der zentralen Kategorien der Menschheit und prägt unser tägliches Leben so sehr, wie kaum etwas anderes. Was begehren wir und warum? In ihrer ersten institutionellen Einzelausstellung geht die Künstlerin Nina Hoffmann genau jener Frage nach. Dabei kreisen ihre Arbeiten wesentlich um unterschiedliche Stationen des Begehrens und spielen verschiedene Narrationen von Liebe durch.

Mit Text, Fotografie, Film, Installation, Readymade und Diaprojektion bedient sie sich einer breiten künstlerischen Palette, um die Geschichten, die unser Leben schreibt, nachzuerzählen: Unser tägliches Tun, unsere Zielsetzungen und die Wege, die wir einschlagen, um das zu bekommen, was uns erstrebenswert erscheint. Ihre Arbeiten bewegen sich dabei stets zwischen durchdachter Inszenierung und Zufälligkeit, zwischen Autobiografie und Allgemeingültigkeit. Erzählungen über unerfüllte Lieben und Sehnsüchte trägt sie genauso melancholisch und schonungslos vor, wie sie Klischees aus Werbung, Film oder Boulevard an anderer Stelle konterkariert.

Die Ausstellung "Nina Hoffmann – Ich brauche wenig Wirklichkeit" ist vom 28. Juni bis 28. September in der Bremer GAK zu sehen