Gib mir fünf! - Ausstellungstipps

Die fünf Ausstellungstipps der Woche

Jede Woche präsentieren wir Kunst, die Sie auf keinen Fall verpassen dürfen. Diesmal mit einem Kaleidoskop zukunftsträchtiger Themen, neuen Facetten der Lichtmalerei, der Extraktion räumlicher Essenzen, einem Bombardement der Kunst sowie der Preisung des "Michelangelos des Nordens"

Düsseldorf: Über das Morgen hinaus

Der Kunst wurde stets zugetraut, die Gegenwart zu reflektieren und damit die Zukunft vorwegzunehmen. Begriffe wie Aufbruch, Utopie, Erde oder Verwandlung sind auf gewisse Weise thematische Leitthemen, um sich Zukunftsaspekten aus verschiedenen Perspektiven zu nähern.

Diesen Anspruch erhebt die alle vier Jahre stattfindende Quadriennale - Düsseldorfs Fest der Bildenden Kunst: Unter dem Motto "Über das Morgen hinaus" unternehmen Düsseldorfs führende Kunstmuseen, Ausstellungshäuser sowie die Kunstakademie erneut den Versuch die Bildende Kunst aus dem White Cube auf die Straße zu holen. Dabei stehen die verschiedenen Ausstellungen für bestimmte sinnliche Erfahrungen, die zu einem Reflexionsprozess über die Phänomene der Welt anregen. Jeder Raum wird von einem Begriff begleitet, der einen speziellen Bezug zum Thema Zukunft und Material herstellt und den Betrachter damit anregt, über das zu sinnen, was ist und zukünftig sein könnte:

"Number Eight" in der Julia-Stoschek-Collection: Für einen lebenden Künstler ist es nie von Nachteil in die Kritik zu geraten: Jenes widerfuhr der US-Amerikanerin Elaine Sturtevant, als sie in ihren Ausstellungen der sechziger- und siebziger Jahre durch die Imitation von Werken bekannter Künstler wie Andy Warhol, Kontroversen auslöste. Ihre Einzelausstellung "Number Eight" konzentriert sich diesmal ganz auf ihr medienbasiertes Werk und untersucht Kunst erneut auf Kategorien wie Originalität, Autonomie und Autorschaft. Die Allgegenwart von digitalen Bildern im Word Wide Web sowie die Frage nach dem Original innerhalb der Cyberrealität werden analysiert.

"Kunst und Alchemie - Das Geheimnis der Verwandlung" im Museum Kunstpalast: Wer von Alchemie spricht, meint nicht nur Visionen von Hexerei und Okkultismus, nein, er beschreibt einen Herstellungsprozess: Die Kunst, Gold zu synthetisieren. Von der Antike bis heute hat jene Kunst der Verwandlung die Faszination bei Künstlern wie Albrecht Dürer, Rembrandt, Peter Paul Rubens oder Joseph Beuys geweckt. In einer alle Epochen und Gattungen übergreifenden Ausstellung mit 250 Werken zeigt das Museum Kunstpalast erstmals den Wandel, den das alchemistische Weltbild in Kunst und Gesellschaft durchlebte.

"Smart New World" in der Kunsthalle: Ist Anonymität in Zeiten von Überwachung, Massenkommunikation und digitaler Entprivatisierung noch möglich? Die Gruppenausstellung „Smart New World“ beleuchtet, inwieweit sich der rasante Wandel in der digitalen Technologie auf unsere Denkstruktur auswirkt. Künstler wie Xavier Cha, Simon Denny, Taryn Simon und andere demonstrieren in Wort, Film und Performance den Wandel vom Industrie- zum digitalen Kapitalismus und beleuchten die Rolle des Individuums in einer Informations- und Überwachungsgesellschaft.

Die Ausstellungen der Quadriennale sind vom 5. April bis zum 10. August in verschiedenen Museen und Ausstellungshäusern in Düsseldorf zu sehen

Ingelheim: Lichtmalerei auf Papier

Geschichte wird nicht nur auf den großen Bühnen, oder besser gesagt, den großen Leinwänden dieser Welt geschrieben. Gerade die kleinen Stücke vermögen ungewöhnliche Facetten zu kreieren: Mit einem Fokus auf das Medium Papier wirft die Ingelheimer Ausstellung über den deutschen Impressionismus einen neuen Blick auf das Phänomen der "Lichtmalerei". Nicht die Malerei des großen Impressionisten-Triumvirats Max Liebermann, Lovis Corinth und Max Slevogt steht diesmal im Fokus, sondern 150 Werke von 13 Künstlerinnen und Künstlern, deren Zeichnungen, Aquarelle, Pastelle und Druckgrafiken der akademischen Doktrin des 19. Jahrhunderts neue Impulse entgegen setzten. Christian Rohlfs, Ernst Eitner, Emil Nolde und viele andere führen in eine kleine Welt von Licht und Farbe.

Die Ausstellung "Von Liebermann bis Nolde. Impressionismus in Deutschland auf Papier" ist vom 5. April bis 15. Juni im Alten Rathaus zu sehen.

Berlin: Räumliche Essenz

Der finnische Fotograf Ola Kolehmainen ist ein Perfektionist und hat den Anspruch pro Jahr 25 Bilder zu produzieren. In denen muss dann aber auch alles stimmen, bis ins letzte Detail. Genau hier setzt seine Kunst an: Kolehmainen ist bekannt geworden durch seine großformatigen Aufnahmen von Details moderner Architektur oder, genauer gesagt, von den Spiegelungen auf deren Fassadenoberflächen. Mit scharfem Auge extrahiert der Fotograf ästhetische Details aus der gebauten Umwelt und schafft damit minimalistische Bilder, die als eine Art architektonische und räumliche Essenz verstanden werden können.

Seit vergangenem Jahr konzentriert sich Kolehmainen in seiner Arbeit nicht länger auf die Außenseiten von Gebäuden, sondern deren Innenräume – auch dort folgt er dem Spiel aus Licht und Schatten. Indem er mehrere Negative übereinanderlegt, gibt er den geometrischen Lichterscheinungen in seinen Fotografien den Charakter einer Malerei und – durch die Vermischung verschiedenster Perspektiven – einer transparenten Collage. Das Berliner Haus am Waldsee widmet dem Finnen ab dem 5. April seine erste institutionelle Einzelausstellung in der Hauptstadt.

Die Ausstellung "Ola Kolehmainen– Gemometric Light" ist vom 5. April bis 17. Mai 2014 im Berliner Haus am Waldsee zu sehen.

Wuppertal: Bombardement der Kunst

Verwundung, Tod, Gas, Hunger, Gestank und die Frage nach dem "Warum"? Den Schrecken des Krieges auf besonders drastische und plakative Weise darzustellen, traut sich kaum ein Kurator.
Unter enger Zusammenarbeit mit dem Reimser Musée des Beaux-Arts unternimmt das Von der Heydt-Museum nun einen Versuch, den ersten Weltkrieg von deutscher und französischer Seite zu beleuchten:
In zehn Kapiteln und mithilfe von 250 Werken aus Bildender Kunst, Fotografie, Film und Literatur werden die Erfahrungen und persönlichen Wahrnehmungen des ersten Weltkrieges durch Künstler wie Max Beckmann, Otto Dix und George Grosz auf deutscher und Pierre Bonnard, Maurice Denis oder George Rouault auf franzöischer Seite dokumentiert. In einem Bombardement der Kunst macht die Ausstellung die unterschiedlichsten Facetten des Krieges dem Besucher auf eindringliche Weise erfahrbar.

Die Ausstellung "Menschenschlachthaus. Der erste Weltkrieg in der französischen und deutschen Kunst" ist vom 8. April bis 27. Juli 2014 im Von-der-Heydt-Museum zu sehen.

Berlin: Arie auf den "Michelangelo des Nordens"

Was Peter Paul Rubens für Antwerpen und Rembrandt van Rijn für Amsterdam war, das war Andreas Schlüter für Berlin. Der Berliner Barockkünstler wurde bereits von Zeitgenossen als "Michelangelo des Nordens" gepriesen. Wie sein italienischer Kollege war dieser nicht nur Bildhauer, sondern auch Architekt, Stadtplaner und Gestalter von komplexen Raumdekorationen, mit denen er der aufstrebenden Residenzstadt Berlin-Cölln um 1700 erstmals Prestige verlieh.

Anlässlich seines 300. Todesjahres widmet das Bode-Museum dem Barockkünstler nun die erste umfassende Ausstellung. Neben seinem bildhauerischen Meisterwerk – die Galvano-Nachbildung seines Reiterstandbildes unter der Großen Kuppel – gibt eine Werkschau von 230 Objekten einen detaillierten Eindruck seines vielseitigen Schaffens. In 16 Sälen und Kabinetten werden nicht nur Werke von Schlüter selbst, sondern auch die seiner großen Vorbilder und Zeitgenossen, darunter Bildwerke von Gian Lorenzo Bernini, Francesco Mochi, Francois Girardon oder Antoine Coysevox präsentiert.

Die Ausstellung "Schloss Bau Meister. Andreas Schlüter und das barocke Berlin" ist vom 4. April bis zum 13. Juli im Bode-Museum zu sehen.