Gib mir fünf! - Ausstellungstipps

Die fünf Ausstellungstipps der Woche

Jede Woche präsentieren wir Kunst, die Sie auf keinen Fall verpassen dürfen. Diesmal mit Linienobjekten, einem kosmischen Orgasmus, einer Archäologin der Gegenwart, der Entgiftungsstadt und dem Multimedia-Pionier.

Stuttgart: Linienobjekte

Die Linie ist der Ausgangspunkt einer Zeichnung, meistens jedenfalls. Was passiert, wenn man es bei ihr belässt, sie gar zum Mittelpunkt des Papiers macht? Oder sie einfach von ihrem Papiergefängnis befreit?

Sie zu dreidimensionalem Leben erweckt, mit ihr zeichnet, ohne Papier? Gertrud Goldschmidt (1912 bis 1994), bekannt als Gego, eine der bekanntesten Künstlerinnen Lateinamerikas, tat genau dies. Sie erweckte die Linie zum Leben, verband sie zu netzartigen Strukturen, zu Linienobjekten.

Das Kunstmuseum Stuttgart zeigt ab dem 2. März über 100 von Gegos Arbeiten, darunter auch viele ihrer Netzstrukturen, die, obwohl filigran und nahezu schwerelos, eigene Flächen, Räume und Volumen bilden. Gegos innovativer Einsatz von ungewöhnlichen Materialien und die Rauminstallationen, die sie damit schuf, wurden zum Vorbild für eine ganze Künstlergeneration. Mehr als 40 Jahre lang erkundete Gego, deren jüdische Familie 1939 von Deutschland nach Venezuela übersiedelte, die Entfaltung der Linie zum Objekt.

Die Ausstellung "Gego. Line as Object" ist vom 29. März bis 29. Juni 2014 im Kunstmuseum Stuttgart zu sehen.

Koblenz: Kosmischer Orgasmus

In den Arbeiten des tschechischen Künstlers Karel Malich spielen Landschaft und Kosmos eine wichtige Rolle – manchmal kommt aber auch die Biologie mit ins Spiel, so wie in seiner Drahtskulptur "Menschlich-kosmischer Koitus." Ein Ei aus feinen geschwungenen Drähten, aus dessen Mitte eine Drahtfontäne sprüht – ein abstrakter, kosmischer Orgasmus. Der 90-jährige Bildhauer und Maler ist hierzulande weniger bekannt. In Tschechien gehört er zu den ganz Großen der Gegenwart.

Das Koblenzer Ludwig Museum widmet Malich ab dem 30. März eine Schau: Zeichnungen, Gemälde, Pastelle und Skulpturen aus seinem bis heute andauernden, mittlerweile über 50-jährigen Schaffen werden ausgestellt. "Hauptsächlich zeichne ich. Irgendwie durchdringe ich dann manchmal komische Dinge aus der Realität. Ich weiß nicht, vielleicht werde ich ja alt", sagte Malich mal in einem Radio-Interview.

Die Ausstellung "Karel Malich – Cosmic" ist vom 30. März bis 25. Mai im Ludwig Museum im Deutschherrenhaus Koblenz zu sehen.

Aachen: Archäologie der Gegenwart

Produziert Konsum Kultur? Die deutsche Künstlerin Josephine Meckseper versteht ihre Kunst als Archäologie der Gegenwart, als Versuch, mithilfe der Gegenwart Aussagen über die Zukunft unserer Gesellschaft zu machen. Jedoch gräbt sie hierfür nicht, wie die meisten ihrer Archäologiekollegen, in vergangenen, sondern hochaktuellen Relikten: Werbespots, Unterwäscheverpackungen, Autoreifen und anderen Zeugen des Kapitalismus. Für ihre Installationen, Fotos, Filme und Skulpturen eignet sich die New York lebende Künsterin die Objekte und Motive der Konsumkultur an und setzt sie in den Kontext historischer und politischer Ereignisse.

Der Titel ihrer Ausstellung im Neuen Aachener Kunstverein ähnelt nicht zufällig dem Namen des amerikanischen Unterwäsche-Labels "2(X)IST" – Meckseper setzt die Existenz der kommerziellen Dinge in ein kritisches Licht. In ihrer großformatigen Installation "Auto Assembly Line to Slow it Down" zeigt sie, wie unbeständig der Kapitalismus ist: Ihre Arbeit deutet die Strategie des "Slowdowns" an – anstelle eines herkömmlichen Streiks verringern Arbeitnehmer bei dieser Methode einfach ihre Produktivität und Leistung, um Druck auf die Unternehmensführung auszuüben.

Die Ausstellung "2X(I)ST" ist vom 30. März bis 25. Mai 2014 im Neuen Aachener Kunstverein zu sehen.

Frankfurt: Entgiftungsstadt

Der deutsche Künstler Franz Wanner, 1975 in bayrischen Bad Tölz geboren, kehrte seiner Heimatstadt nach dem Abitur den Rücken: "Für mich als Jugendlichen hatte die Stadt etwas sehr Enges", sagte er in einem "Tagesspiegel"-Interview. Jahre später nahm er das kleinstädtische Leben für eine Ausstellung genauer unter die Lupe: Unter dem Titel "Gift – Gegengift. Krankheitsbilder einer Stadt" feierte diese im vergangenen Jahr in Braunschweig ihre Premiere. Nun kommt die Ausstellung nach Frankfurt.

Als Kurort erlebte Bad Tölz einen märchenhaften Aufstieg – mit jodhaltigem Wasser versprach man den Besucherströmen Heilung und Entgiftung. All dies passierte in Zeiten, in denen Menschen hauptsächlich industrielle Arbeit verrichteten. Mit der postindustriellen Gesellschaft ging der Glaube an den Wirkstoff Jod allerdings verloren. Bad Tölz versuchte verzweifelt auf andere "Wirksoffe" zu setzen. Die Strategien der Wertschöpfung, die Bad Tölz sich im Laufe der Jahre aneignete, kontrastiert Wanner in seiner Installation als Gift und Gegengift – und vermischt die Fakten mit fiktiven Elementen. So versucht er eine Perspektive auf die Stadt zu erzeugen, die "die Alltagsinszenierung durchdringt."

Die Ausstellung "Gift – Gegengift. Krankheitsbilder einer Stadt" ist vom 28. März bis 18. Mai 2014 in der Basis in Frankfurt zu sehen.

Berlin: Multimedia-Pionier

Der deutsche Künstler Hans Richter (1888 bis 1976) arbeitete bereits multimedial, als das Wort "Multimedia" noch nicht erfunden war – er war Maler, Zeichner, Dadaist und Konstruktivist, Filemacher und Theoretiker. Kaum ein anderer Künstler des 20. Jahrhunderts arbeitete derart interdisziplinär. Heute zählt Richter deshalb zu den wichtigsten Protagonisten der Moderne. Der Berliner Martin-Gropius-Bau widmet dem Multimedia-Pionier erstmals seit den achtziger Jahren eine Ausstellung in seiner Heimatstadt Berlin.

Gezeigt werden über 140 Werke aus Richters rund 70-jährigem Schaffen, darunter mehr als 20 seiner Filme wie "Rhythmus 21" oder "Vormittagsspuk". Der Film war für Richter von jeher ein wichtiger Teil der Modernen Kunst: "Der absolute Film öffnet Euch die Augen, was die Kamera ist, kann und will," sagte er einst. Ergänzt wird die Ausstellung durch 50 Arbeiten von Künstlern, die wiederum von Richters Werk beeinflusst worden sind.

Die Ausstellung "Hans Richter. Begegnungen – Von 'Dada bis heute'" ist vom 27. März bis 30. Juni 2014 im Berliner Martin-Gropius-Bau zu sehen.