Berlin

Fantastisch: Kristalline Glasbauten auf Leinwand und Papier, überwältigende Innenraumentwürfe und utopische Landschaften – mit seinen malerischen Fantasmen zählt Wenzel Hablik zu den wichtigsten Vertretern der expressionistischen Avantgardearchitektur. Jedoch wurde kaum einer der Entwürfe Habliks, der sich ganz der Idee des Gesamtkunstwerks verpflichtet hatte, realisiert. Einen interessanten Blick auf das Oeuvre des Künstlers eröffnet jetze Berliner Ausstellung: Dort werden nicht nur zweidimensionale Architekturvisionen des Itzehoer Künstlers gezeigt, sondern auch ein zu Lebzeiten nicht realisiertes Raumkonzept umgesetzt.

Wenzel Hablik: "Der Weg des Genius", 1918, Öl auf Leinwand, 160,5 x 95 cm

 

Berlin

Unsterblich: Als philosophisch-naturwissenschaftliche Denkrichtung des 19. Jahrhunderts, hatte der Kosmismus fruchtbaren Einfluss auf die Werke der russischen Avantgarde. Arbeiten, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts entstanden, verstehen Kunst als Abbilder einer kosmischen Trias zwischen Himmel, Erde und Mensch. Die Grundidee der Unsterblickkeit des Menschen, die sich in der Überzeugung der Kosmisten wiederspiegelt, findet ihre Entsprechung aber auch in der zeitgenössischen Kunst: In Berlin werden sowohl historische Werke (hier ein Interview mit Kurator Boris Groys), als auch Positionen junger Künstler gezeigt, die jene Impulse aus der Zeit der Russischen Revolution aufgreifen und in multimediale Science-Fiction-Kunst übersetzen.

Alexander Rodtschenko: "Construction on White (Robot)", 1920, Öl auf Holz, 144 x 95,2 cm

Bielefeld

Unbehauen: Seit 1969 nehmen skulpturale Editionen, sogenannte Multiples, einen festen Platz im Werk des deutschen Bildhauers Ulrich Rückriem ein. Auf der Grundlage einer Schenkung, durch die etwa 50 dieser Werke zusammen mit Druckgraphiken des Künstlers in den Bestand der Kunsthalle Bielefeld kamen, bietet das Museum einen Einblick in Prozesse, die Rückriems Arbeit bestimmen. Parallel dazu werden die monochromen Metall-Skulpturen von Thomas Kiesewetter gezeigt.

  • "Ulrich Rückriem - Multiples 1969 bis heute. Schenkung Jacobs + Thomas Kiesewetter - Bildhauer"
  • Termin: 2.9.2017 bis 22.10.2017
  • Kunsthalle, Bielefeld

Ulrich Rückriem: "Das Damenproblem", 2007, Mischtechnik unter Glas, 31 x 31 x 2,5 cm

Brühl

Multimedial: Möchte man den Worten des Schriftstellers und Begründers des Surrealismus, André Breton, Glauben schenken, war Joan Miró der konsequenteste Surrealist der Moderne. Bekannt ist der Katalane vor allem für seine fantastischen Malereien. Ab den dreißiger Jahren schuf er aber auch Plastiken, die vor allem aus gefundenen Gegenständen assembliert wurden: skurrile Monster mit Deckelgesichtern, Drahtfrisuren und Schemelkörpern. Rund 40 plastische Arbeiten werden in der Brühler Schau großformatigen Gemälden und Aquarellen gegenübergestellt. Besucher können darüberhinaus mit Hilfe einer eigens für die Ausstellung entwickelten App eigene Fantasiewesen kreieren.

Joan Miró: "Figur", 1964, Öl auf Leinwand

Burgdorf

Nonkonformistisch: Der Maler Willy Guggenheim, genannt Varlin, hat in der Kunstgeschichte den Ruf eines Sonderlings. In seinen Werken zeigt sich der 1977 verstorbene Künstler unbeeindruckt von den Avantgarde-Strömungen des 20. Jahrhunderts und entwickelt eine individuelle figurative Bildsprache, in der er Alltagsszenen und Landschaften auf der Leinwand fixiert. Parallel zu den Werken des beliebten Schweizers werden Stillleben und Landschaften der deutschen Malerin Anja Ganster und neue Arbeiten des Namensgebers des Museums, Franz Gertsch, gezeigt.

Varlin: "Le Casino de Nice", 1938, Öl auf Leinwand, 71 × 91 cm

Cottbus

Urban: Otto Dix hat mit seinen Bildern wie kaum ein anderer Künstler die Erinnerungen an die Zeit der Weimarer Republik geprägt. Es sind Darstellungen einer neuen Gesellschaft und Szenen, die sich im hektischen Gewimmel der Großstädte abspielen. Das Brandenburgische Landesmuseum für moderne Kunst zeigt an seinen beiden Standorten Cottbus und Frankfurt an der Oder eine große Auswahl von Werken des Künstlers. Ergänzt werden die expressionistischen Realismen von Dix durch Arbeiten von dessen Zeitgenossin Erna Schmidt-Caroll. Mit akribischem Blick widmet sie sich vor allem der Darstellung der modernen Frau in den Goldenen Zwanzigern.

Otto Dix: "Straßenbild", 1927, Aquarell über Bleistift auf Papier

Dresden

Stofflich: Welchen kulturellen Stellenwert besitzen Textilien? Welche Botschaften transportieren Stoffe und wie lassen sich diese entschlüsseln? Ausgehend von den wegweisenden Ideen der Bauhauslehrerin Anni Albers, sucht die Ausstellung Antworten auf Fragen, die Gewebtes und Genähtes als kulturelle Bedeutungsträger betrachten. Die Künstlerin Judith Raum kuratiert dabei einen Ausstellungsraum, in dem sie sich mit der Erfolgsgeschichte der Textilwerkstatt des Bauhauses und ihrer Fortführung bis in die Gegenwart auseinandersetzt.

Ulla von Brandenburg: "Flying Geese", 2017, Patchwork, unterschiedliche Stoffe, 204,5 x 140 cm

Jena

Zurückblickend: Im Gedenken an den 100. Todestag des Kunstförderers und Gründungsvaters der Jenaer Kunstsammlung, Botho Graef, widmet ihm die Institution eine Ausstellung. Im Zentrum der Schau stehen Werke der modernen Kunstströmung für die sich Graef in besonderer Weise engagierte: der Expressionismus. Gezeigt werden Arbeiten von Künstlern wie Emil Nolde, Ernst Ludwig Kirchner und August Macke.

August Macke: "Märchenerzähler", 1912, Öl auf Leinwand

Köln

Schwermütig: Der Filmklassiker "Il Deserto Rosso" ist bekannt für die innovativen künstlerischen Mittel, die der italienische Regisseur Michelangelo Antonioni einsetzte, um die empfundene Einsamkeit der depressiven Hauptakteurin auf die Leinwand zu übertragen. Reduzierte Szenenbilder, die gräulich-matte Farbgebung und die bedrückende Kulisse einer Industriestadt, werden darin zum Psychogramm der Protagonistin. Für das deutsch-italienische Ausstellungsprojekt ließen sich rund 40 Fotografen von der charakterisitischen Ästhetik des Films inspirieren und setzten sich für Aufnahmen am Originalschauplatz der vorörtlichen Tristesse von Ravenna aus.

Daniele Ansidei: "Life is somewhere else", 2016

Köln

Belichtet: "Die humane Kamera" - Das ist nicht nur das Thema der Kölner Ausstellung, sondern auch der Titel eines von Heinrich Böll verfassten Essays, der im Katalog zur ersten Weltausstellung der Fotografie im Jahr 1964 als Prolog veröffentlicht wurde. Anlässlich des 100. Geburtstags eines der bedeutendsten Literaten der Nachkriegszeit, zeigt das Museum Ludwig etwa 50 Fotografien aus der Sammlung. Diese spiegeln ein besonderes Verhältnis und die kritische Position wieder, die Böll im Bezug auf das Medium einnahm.

Heinz Held: "Heinrich Böll mit Manuskript", 1953

Leverkusen

Opulent: Wäre Barock eine vom Aussterben bedrohte Sprache, würde Vera Mercer diese fließend beherrschen. Ihre Objektkompositionen sind farbenprächtige Arrangements aus Blumen, Früchten, Fleisch und Tierschädeln. Kennzeichnend für die modernen Vanitas-Motive der Berlinerin sind vor allem die stimmungsvolle Lichtregie und die einzigartige Farbgebung der Fotografien.

Vera Mercer: "The Bass", 2014, 157,7 x 230,7 cm

Winterthur

Grenzüberschreitend: Die Kunst der neuen Sachlichkeit ist besonders geprägt von Szenen und gesellschaftlichen Verhältnissen der Weimarer Republik. Doch auch in der Schweiz setzten sich Künstler zugunsten der realistischen Wiedergabe einer Wirklichkeit, malerisch von den Farbfantasien der Expressionisten ab. Die Schau in Winterthur zeigt über 100 Werke von 16 Künstlern. Es ist die erste Ausstellung seit 40 Jahren, die es sich vorgenommen hat, den Spuren der Kunstrichtung in der Schweiz nachzuspüren.

Théophile Rober: "La dormeuse (Le sommeil)", 1925, Öl auf Leinwand, 63 x 91 cm