Arbon

Provokativ: Man nehme eine gute Portion Humor und eine großzügige Prise Extravaganz. Dies sind die Zutaten, die für das Künstlerkollektiv BGL das Gelingen einer würzigen Suppe der Sozial- und Konsumkritik garantieren. Bei ihrem Auftritt auf der Venedig-Biennale im Jahr 2015 verwandelten sie den kanadischen Pavillon in einen gut sortierten Kiosk. In der Arboner Ausstellung wird der Besucher entlang eines eigens für die Museumsräume entwickelten Parcours durch die Ausstellung geführt. Dabei werden Schlaglichter auf das vielfältige Schaffen der Gruppe geworfen.

BGL: "La cloture", 2013, Detailansicht, Styropor und Zahnstocher, 1,2 x 14,6 m

Berlin

Abgelichtet: Die Kulturrevolution unter Mao Zedong zwischen 1966 und 1976 ist ein dunkles Kapitel in der Geschichte Chinas und stürzte das Land in eine weitreichende gesellschaftliche und politische Krise. Das vermeintlich objektive Medium der Fotografie wurde in dieser Dekade vor allem zu Propagandazwecken in Gebrauch genommen. In der Berliner Schau beleuchtet ein deutsch-chinesisches Kuratorenteam den fundamentalen Einfluss dieser historischen Zeugnisse auf die Kunst-Fotografie. Die Spuren führen bis in die Gegenwart.

Mo Yi: "Rot", 1985, Farbabzug (2017), 81,1 x 58,1 cm

Berlin

Schlaflos: Zur 20. Jubiläumsedition der Langen Nacht der Museen öffnen 80 Berliner Kultureinrichtungen mit rund 800 Veranstaltungen zu später Stunde ihre Pforten. Kunst-Fans kommen bei dem reichen Angebot mit Sicherheit auf ihre Kosten.

Lange Nacht der Museen: Besucher vor dem Neuen Museum

 

Bochum

Kunstvoll: Unter der Intendanz von Theater- und Opernregisseur Johan Simons findet die Ruhrtriennale in diesem Jahr ganz im Zeichen der künstlerischen, politischen und geographischen Umarmung statt – "Seid umschlungen" lautet das diesjährige Leitmotiv. In ehemals schwerindustriell genutzten Produktionshallen präsentiert das Festival der Künste Positionen aus Musik, Tanz und Performance. Freunde der bildenden Kunst haben die Möglichkeit, das Kunstdorf "The Good, the Bad and the Ugly" des niederländischen Künstlerkollektivs Atelier van Lieshout oder die Installation "Truck Tracks Ruhr – The Compilation" des Rimini-Protokoll-Trios zu besuchen.

Atelier van Lieshout: "Daalderop", 2017, Installationsansicht

Hannover

Reißfest: Emil Cimiotti ist vor allem für seine bronzenen Bildhauerarbeiten bekannt. Der unermüdlich arbeitende Künstler, widmete sich noch mit Mitte 80 der skulpturalen Bearbeitung von Papier und produzierte innerhalb der letzten fünf Jahre Arbeiten, die der späten Werkgruppe "Papierfaltungen" zugeordnet werden. Die dabei entstehenden Reliefs funktionieren nicht als Bildträger, sondern werden zu räumlichen Objekten. Das Sprengel Museum widmet Emil Cimiotti zum 90. Geburtstag eine Ausstellung, in der 15 dieser großformatige Werke gezeigt und wichtigen Bronzearbeiten gegenübergestellt werden.

Emil Cimiotti: "Sporaden", 2015, Papierrelief, 70 x 100 cm

Köln

Architektur pur: Das Diözesanmuseum zeigt zum zehnjährigen Einweihungsjubiläum drei ungewöhnliche Installationen von zeitgenössischen Künstlern. In den übrigen Räumen des von Star-Architekt Peter Zumthor realisierten Neubaus, gehen die Ausstellungsmacher einem Wunsch der Besucher nach, den diese bei der Eröffnung des Gebäudes geäußert hatten: Die minimalistische Architektur des Schweizers in ihrer nackten Schönheit zu sehen. 

KAT 18: »Büro für Augen, Nase, Zunge, Mund, Herz, Hand und Maske (die alles überdeckt)«, Ausstellungsansicht

Weimar

Revolutionär: Zum 100. Jahrestag der Russischen Revolution begibt sich das Kunstfest mit internationalen Theater- und Tanzgastspielen, Konzerten, Ausstellungen und Lesungen auf Spurensuche: Welche Rolle spielt das Thema Revolution heute noch? Wie wurden Menschen geprägt, die im Einflussbereich des Kommunismus lebten? Aufgedeckt werden dabei popkulturelle Wechselbeziehungen, die sich in der zeitgenössischen Kunst bemerkbar machen.

Candy Welz: "Ein Gespenst geht um...", Wandmosaik im Rathaus Weimar

Weimar

Handwerklich: Gerhard Marcks war einer der ersten Meister die von Walter Gropius im Jahr 1919 an das neu gegründete Bauhaus in Weimar berufen wurden. Als Leiter der Keramikwerkstatt entstanden experimentelle Töpferarbeiten, die eine Erneuerung der Kunst durch das Handwerk anvisierten. Mit über 150 Exponaten beleuchtet die Ausstellung das zu dieser Zeit entstandene Künstlernetzwerk um Marcks. Die Arbeiten eröffnen einen überraschenden Blick auf die Bauhaus-Idee – jenseits von Industrie und Typisierung. 

Unbekannt (Fotografie): "Allerlei Tonproben", 1919, mit Kopfgefäß (mittig) von Gerhard Marcks