Berlin

Bedrückend: In Regina Schmekens Bildern gibt es kein Blut, keine Opfer und auch keine Täter. Ihre Fotografien bilden diejenigen Orte ab, an denen sich zwischen 2000 und 2011 die grausamen NSU-Morde ereignet haben. Die Fotografin besuchte die zwölf Schauplätze und richtete die Linse auf diese stummen Mahnmale  – das Ergebnis sind Schwarz-Weiß-Dokumente, die ihre bedrückende Stimmung durch Leere entfalten und den Betrachter durch teils radikale Untersicht in die Perspektive der Opfer versetzen.

Regina Schmeken: "Halit Yozgat (21), 6.4.2006, Kassel, Holländische Strasse", 2015, Fotografie

Berlin

Nostalgisch: In Christian Werners Werken werden Teppichfransenkamm, Stickbilder und Fototapeten zu Artefakte eines vergangenen Lebensgefühls. Die Aufnahmen seiner Serie "Stillleben BRD" dokumentieren das Inventar eines westdeutschen Nachkriegs-Haushaltes. Aus dem individuellen Lebenszusammenhang der Bewohner herausgelöst, werden die Interieurs zu Bildern, die unmittelbar den Nostalgie-Nerv des Betrachters treffen.

Christian Werner: Ohne Titel, aus der Serie "Stillleben BRD", 2014

Bern

Offensichtlich: Nach einer vielzitierten Aussage des Bauhausmeisters Paul Klee, solle die Kunst nicht das unmittelbar Sichtbare nachahmen, sondern Verborgenes zum Vorschein bringen. Was der Maler damit ansprechen möchte, wird sowohl durch die Farben als auch die Kompositionen seiner Werke fassbar. In einer Schau zeigt das Berner Zentrum Paul Klee Werke des deutsch-schweizerischen Künstlers in neuem Licht.

Paul Klee: "Das Auge", 1938

Dresden

Erneuert: Bereits zum elften Mal wird die Ostrale dieses Jahr in Dresden organisiert. Das vormals jährlich stattfindende Event wird jedoch ab diesem Jahr in einem zweijährigen Turnus veranstaltet. Zur ersten Ostrale-Biennale werden über 1000 Arbeiten von 165 Künstlern gezeigt. Die Beiträge eröffnen unterschiedliche Blickwinkel auf das Thema "re_form": Damit ist nicht nur das erneuerte Format der drittgrößten Kunstschau Deutschlands gemeint, auch historische oder kritische Facetten der Werke der ausstellenden Künstler angesprochen.

  • "OSTRALE – re-form"
  • Termin: 28.7.2017 bis 15.10.2017
  • Ostragehege, Dresden

Ahmed Faig: "Invert", 2014

Frankfurt am Main

Unbehauen: Eine Retrospektive im Frakfurter Museum Giersch zeigt Arbeiten der US-amerikanischen Künstlerin Laura J. Padgett. Durch die Verwendung einer großen Bandbreite fotografischer Techniken werden alltägliche architektonische Ansichten in abstrakte Bildkompositionen übersetzt. Ihr Interesse gilt dabei Oberflächenstrukturen und Raumverhältnissen, die in den Fotografien schließlich als kunstvolle Szenen ins Licht gerrückt werden. 

Laura J. Padgett: „Deckenbewehrungsmatten“, August 2010, Fotgrafie

Gotha

Kleinteilig: Der Gothaer Tafelaltar ist einer der reich geschmücktesten Werke der altdeutschen Malerei. 162 Tafeln illustrieren mit detailreich ausgeführten Figurenlandschaften nicht nur das Leben Christi, sondern setzen die dargestellten Szenen auch mit Stellen aus der deutschsprachigen Luther-Bibel von 1522 in Verbindung. Die Ausstellung beleuchtet das umfangreiche ikonografische Programm des Retabels, das zugleich als wertvolles Zeugnis für die konfessionellen Auseinandersetzung seiner Entstehungszeit steht.

Heinrich Füllmaurer und Umkreis: "Gothaer Tafelaltar", um 1537

München

Genetisch bedingt: "Zeig mir deine Bilder und ich sag dir wer du bist!" – Ist es wirklich so einfach? Spätestens seit den achtziger Jahren werden mit dem Aufleben der Gender-Debatte derartige Anschauungen auch in der Kunst problematisiert. Eine wichtige Rolle spielen dabei Fragen nach dem Einfluss von genetischen Faktoren auf die Wahrnehmung von Kunst sowie die Bedeutung von Material und Technik bei der Zuschreibung von Männlichkeit oder Weiblichkeit. Die Ausstellung im Haus der Kunst veranschaulicht unterschiedliche Positionen, die sich mit solch wissenschaftlichen und kulturellen Fragestellugen auseinandersetzen.

Sandra Filic: "Expedition Medora", 2015

Hannover

Bittersüß: Mit seinen fotografischen Arbeiten richtete Sascha Weidner den Blick auf das Wesentliche. Ob Herbstlaub als Goldregen oder Ruinen in der Schneelandschaft – die Aufnahmen des 2015 verstorbenen Künstlers sind eine Hommage an die flüchtigen Momente des Alltags. Auf Grundlage einer Schenkung aus dem Nachlass des 2015 verstorbenen Künstlers, bietet die Schau einen umfangreichen Einblick in das Schaffen Weidners.

Sascha Weidner: "Leave me II", 2010, Digitaler Pigmentdruck, 30 × 30 cm

Salzburg

Inszeniert: William Kentridge ist bekannt für künstlerisch anspruchsvolle Videoinstallationen, in den kleinteilige Elemente seiner Zeichenkunst mit theatralischen Inszenierungen verschmelzen. In Salzburg wird zum ersten Mal die expressive Theater- und Opernarbeit des südafrikanischen Künstlers präsentiert. Die Ausstellung findet parallel in zwei Einrichtungen des Museums statt: Rupertinum und Mönchsberg.

William Kentridge: "O Sentimental Machine", 2015, Fünfkanal-Videoinstallation (Farbe und schwarz- weiß, Ton), High-definition Video, 9:55 Min.

Salzburg

Kunterbunt: Was haben Münzen aus dem Bauch einer Schildkröte, eine Glühbirne und eine Kanone gemiensam? – Sie sind Teil eines speziell für den Salzburger Kunstverein entwickelten Projekts von Geoffrey Farmer, dem diesjährigen Repräsentanten Kanadas auf der Venedig-Biennale. In der in Zusammenarbeit mit Gareth Moore entstandenen Arbeit, weckt das Duo historische Assoziationen und stellt Raumverhältnisse in Frage. Parallel dazu werden Arbeiten von Felix-Benedikt Sturm gezeigt, der fehlerhaftes analoges Bildmaterial in seine querformatigen Fotografien integriert.

Bailey Bros, Pioneer S.S. „Beaver“ First Steamer (nahe den Mudflats), 1888, adaptiert von Geoffrey Farmer & Gareth Moore

 

 

Wiesbaden

Maßgeschneidert: Seit 2015 lädt das Museum Wiesbaden Künstler dazu ein, ihre Werke in Abhängigkeit zu den räumlichen Begebenheiten vor Ort zu entwickeln. Dabei soll auch der Einfluss des Ortes auf die Werke der Künstler explizit sichtbar gemacht werden. Der deutsche Künstler Thomas Werner entwickelt für diese Ausstellungssituation Gemälde aus ungewöhnlichen Materialien wie Wellkarton und Gips.

Thomas Werner: "Maquette#38", 2016