Baden-Baden

Readymade 2.0: Der chinesische Künstler Liang Shuo hatte für die Baden-Badener Ausstellung weder Bilder noch Skulpturen im Gepäck. Während einer mehrwöchigen Aufbauphase sammelte er Objekte aus der Umgebung der Kunsthalle und entwickelte daraus einen Ausstellungsparcours, der sich an soziale und topografische Begebenheiten des Ortes anpasst und schließlich ab Samstag zu sehen sein wird. Es ist die erste institutionelle Einzelausstellung des international renommierten Konzeptkünstlers.

  • "Liang Shuo"
  • Termin: 22.7.2017 bis 15.10.2017
  • Staatliche Kunsthalle, Baden-Baden

Liang Shuo: Installationssketch, Aufbau in der Staatlichen Kunsthalle Baden-Baden

Berlin

Ungeschönt: Lucian Freud ist nicht nur der Enkel des berühmten Psychoanalytikers Sigmund Freud, er ist vor allem einer der bekanntesten Porträtisten des 20. Jahrhunderts. In der Geburtsstadt des Malers widmet man ihm eine Ausstellung, in der rund 50 grafische Arbeiten gezeigt werden. Malerei wie auch Radierungen Freuds zeichnen sich durch die Fähigkeit des Künstlers aus, seine Modelle ohne große Schmeicheleien, doch mit viel realitätsnaher Präzision darzustellen. Im Medium der Druckgraphik tritt die perfektionistische Arbeitsweise des Malers besonders deutlich ans Tageslicht.

Lucian Freud: "Naked Man on a Bed", 1987, Radierung, 57,2 x 76,2 cm

Berlin

Dokumentarisch: In sechzig produktiven Schaffensjahren als Reportagefotograf bereiste Thomas Billhardt fast 50 Länder. Entstanden sind dabei bekannte Bilder wie beispielsweise der legendäre Bruderkuss zwischen Honecker und Breschnew. Besonderes Augenmerk legte Billhardt aber seit jeher auf die Dokumentation des Alltags von Kindern in krisengeprägten Regionen dieser Welt. Die Rosa-Luxemburg-Stiftung würdigt mit einer Ausstellung das Lebenswerk des Fotografen.

  • "Thomas Billhardt. Meine Abendteuer mit der Kamera"
  • Termin: 19.7.2017 bis 15.8.2017
  • Rosa-Luxemburg-Stiftung, Berlin

Thomas Billhardt: ohne Titel (aufgenommen in Kambodscha), 2008

Berlin

Harmonisch: Picasso führte die Violine im frühen 20. Jahrhundert als festen Bestandteil in den kubisitischen Motivkanon ein und Wassily Kandinsky war bekanntlich Synästhet – zwei Beispiele für lebendige Wechselbeziehungen zwischen Kunst und Musik in der Moderne. Doch schon seit Jahrhunderten hinterlassen Instrumente und schöner Klang Spuren in der Kuntgeschichte. Eine Berliner Ausstellung zeigt "Bilder der Musik" – von Rembrandt bis Lichtenstein.

Rembrandt Harmensz van Rijn: "Der Flötenspieler", 1642, Radierung und Kaltnadel auf Vergé-Papier, 11,7 x 14,3 cm

Bernried

Bizarr: Emil Nolde ist vor allem für seine dramatischen Landschaften und Seebilder, für expressionistische Porträts und Darstellungen religiöser Themen bekannt. Bisher weniger beachtet wurden groteske und phantastische Motive, die einen bedeutenden Stellenwert im Schaffen des "Brücke"-Künstlers einnehmen. Erstmals wird dem Besucher in der Ausstellung "Nolde und das Groteske" ein Einblick in jene Werke gewährt, die – jenseits von ikonographischen Trampelpfaden – gemalte Traumwelten darstellen und reichlich Freiraum für Deutungen lassen.

Emil Nolde: "Schauspieler", n. d., Aquarell

Bietigheim-Bissingen

Verfremdet: Schon seit Erfindung der Fotografie beschäftigen sich Künstler, Philosophen und Fotografen mit denselben Fragen: Was heißt eigentlich Dokumentation? Welches Verhältnis besteht zwischen Kunst und Fotografie? Können Fotos als Abbilder der Realität verstanden werden? Eine Ausstellung in Bietigheim-Bissingen lenkt den Fokus auf sechs deutsche und fünf chinesische Positionen zeitgenössischer Fotografie, die sich nicht auf das Paradigma der realitäsnahen Abbildung einlassen. Nicht die klassische Dokumentation, sondern experimentelle Arbeitsweisen mit dem Medium stehen dabei im Mittelpunkt.

Corina Gertz: "Deutsche Tracht 02", 2010, Fotografie

Hamburg

Leserfreundlich: Schrift als Bild – Bild als Schrift? Es entsteht ein verwirrendes Wechselspiel, wenn Künstler das Kommunikationsmedium in ihre Werke integrieren. Die Hamburger Kunsthalle beleuchtet in einer umfassenden Ausstellung das spannungsvolle Verhältnis, das zwischen dem Entziffern von alphabetischen Zeichen und der Betrachtung eines Bildes entsteht – besonders in der zeitgenössischen Kunst. Verdeutlicht wird dies anhand von Werken 20 internationaler Künstlerinnen und Künstler, angesiedelt im Zeitraum von 1960 bis heute. 

Paulina Olowska: "Alphabet", 2005, 1 von 26 farbigen Karten

Karlsruhe

Gesellschaftlich: Otto Bartning war als Architekt Mitte der zwanziger Jahre maßgeblich am Durchbruch des Neuen Bauens beteiligt: Eine Reformbewegung, die es sich zum Ziel erklärt hat, Architektur an die veränderten Bedürfnisse einer modernen Gesellschaft anzupassen. Besonders bekannt ist Bartning für seine revolutionären Kirchenbauten, in denen Prinzipien seiner profanen Bauten, etwa die Standardisierung von Bauteilen, in einen sakralen Zusammenhang übersetzt wurden. Für die Ausstellung stand erstmals der gesamte private Nachlass Bartnings zur Verfügung.

Otto Bartning: Friedenskirche, Karlsruhe, Innenansicht, Aufnahme von 2017

 

Reutlingen

Traditionsreich: Die Region Leipzig ist wohl weltweit eines der wichtigsten Zentren für den künstlerischen Hochdruck. Im Rahmen der Ausstellung "Black Sugar" sollen sieben zeitgenössische Positionen des traditionsreichen Druckverfahrens vorgestellt werden. Das Nebeneinander unterschiedlicher Werke verdeutlicht die große Bandbreite der Ausdrucksmöglichkeiten, die durch das vielseitige Medium ermöglicht werden.

Christoph Feist: "Ich und die Anderen #14", 2017

Stuttgart

Tropisch: Darstellungen von Natur befinden sich in einem Spannungsfeld: Einerseits versuchen wissenschaftliche Institutionen Wissen über den komplexen Forschungsggenstand zu vermitteln, andererseits werden zum Beispiel Tierbilder in den Medien oft dazu genutzt, um Rezipienten emotional anzusprechen. Im Rahmen eines Projekts wenden sich Studierende der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart diesem zweiseitigen Verhältnis zu und versuchen filmische, performative oder künstlerische Standpunkte zu entwickeln.

Ausstellungsansicht, ifa-Galerie, 2017