Berlin

Minimalistisch: Bei der Beschreibung der fotografischen Arbeiten Hans Hansens, dürfen bestimmte Adjektive auf keinen Fall fehlen: nüchtern, reduziert, dokumentarisch. Als fotografischer Autodidakt macht sich der gelernte Lithograf in den sechziger Jahren selbstständig. Er ist ein Vordenker, wenn es darum geht, Produktfotografie und bildende Kunst zu verbinden. Seine Sujets, zumeist Alltagsgegenstände, verwandelt er mit Hilfe von pointiert gesetztem Licht in grafische Objekte.

Hans Hansen: o. T. (Haare), 1987

Berlin

Kritisch: Mit dem Käthe-Kollwitz-Preis prämiert eine Jury jährlich das Werk von Künstlerinnen und Künstlern. Die Auswahlkommision würdigte in diesem Jahr Schöpfungen der Beuys-Schülerin Katharina Sieverding. Ihr Schaffen habe seit den sechziger Jahren das Zeitalter der großformatigen Fotokunst eingeleitet. Mit kritischem Blick beschäftigt sie sich in ihren Fotoserien und monumentalen Projektionen mit Fragen von soziopolitischem Rang. Die Berliner Akademie der Künste widmet der Preisträgerin eine Retrospektive, in der 19 serielle Fotoarbeiten der Künstlerin gezeigt werden.

Katharina Sieverding: "XI/78, Schlachtfeld Deutschland", 1978, 252 x 356 cm

Bernried

Plastisch: Im Oeuvre von Clifford Holmead Philips, genannt Holmead, kumulieren Kunstströmungen der Moderne. Während das Frühwerk einem impressionistischen Formenrepertoire verpflichtet ist, scheinen die Arbeiten der späten Jahre eine Ausdrucksweise anzustreben, die man irgendwo zwischen amerikanisch-abstraktem und europäisch-figurativem Expressionismus anordnen muss. Seine gestische Malweise bezeichnet er als "Shorthand Painting". Sie erlaubte es dem von zwei Weltkriegen und einem Schlaganfall gezeichneten Maler, Gemälde mit wenigen Spachtelhieben auf den Malgrund zu bringen. Zeugnisse dieser späten Schaffensjahre zeigt nun das Buchheim Museum. 

Holmead: "Frau im blauen Kleid", 1971

Dessau-Törten

Innovativ: Experimente mit neuen Materialien sind in der Kunstwelt nichts Neues. Bereits im Bauhaus-Manifest von 1919 sprach Gründungsdirektor Walter Gropius Materialstudien eine wichtige Rolle zu. Nur so sei die erwünschte Einheit von Leben, Technik und Kunst zu erreichen. Fast 100 Jahre später transportiert eine Ausstellung diese Idee in die Gegenwart: Das Projekt Smart Materials Satellites stellt neueste Ingenieursentwicklungen innovativen Materialexperimenten von Designern gegenüber. Örtlich gebunden an einen solchen Versuch der Bauhausschüler von 1927: Dem Stahlhaus in der Siedlung Dessau-Törten.

Clemens Winkler, "Fiktive Materialien, Mutable Drugs", 2013

Dresden

Punk, Protest und Provokation: Sowohl in West-, als auch in Ostdeutschland ist zu Beginn der achtziger Jahre das gleiche Phänomen zu beobachten: Junge Rebellen und kreative Köpfe unternehmen den Versuch, sich durch die Gründung von Plattenlabels und deutschsprachigen Bands vom Mainstream abzusetzen, gleichzeitig entstehen Galerien, Clubs und Magazine. Es ist die Geburtsstunde einer Subkultur, die sich dem DIY-Gedanken verpflichtet hat. In Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut werden in Dresden Wechselwirkungen zwischen jenen Gruppierungen und der Kunstwelt aufgedeckt.

Erich Tschernow: "Musikkasetten", 1981, Fotografie

Düsseldorf

Verschleppt: Über 16 000 moderne Kunstwerke wurden während des zweiten Weltkriegs als "Verfallskunst" diffamiert und in großen Teilen zerstört oder ins Ausland verkauft. Alleine in Düsseldorf fielen an die 1000 Werke den mit rassentheoretischen Begründungen gerechtfertigten Säuberungsaktionen zum Opfer. 80 Jahre nach den folgereichen Ereignissen des Jahres 1937, richtet das Museum Kunstpalast den Blick auf diejenigen Artefakte, die sich heute wieder in den Beständen des Museums befinden. 

Otto Dix: "Bildnis des Malers Franz Radziwill", 1928

Hamburg

Plakativ: Robert Rauschenberg ist beim Stichwort "Nachkriegskunst" nicht Wegzudenken aus dem Musée Imaginaire vieler Köpfe. Seine markante Bildsprache entwickelte er nicht nur auf der Leinwand, sondern in der Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Medien und Materialien. Eine einzige Konstante ist in seinem Oeuvre jedoch vorhanden: das Poster. Zunächst kleinformatig, dann als Auftragsarbeit – mal gedruckt, mal als Collage: Etwa 120 Plakate und Grafiken werden in der Hamburger Schau gezeigt.

Robert Rauschenberg: "Autobiography Poster", 1968, Offsetdruck, 168,2 x 123,8 cm

Herford

Farbenfroh: Der Satz "Video killed the Radiostar" wird wie kein anderer mit kulturellen Erscheinungen des späten 20. Jahrhunderts assoziiert. Während sich Musiker im Zeitalter von MTV und Co. in ihren Visualisierungen häufig Motiven aus der bildenden Kunst bedienen, manifestiert sich die fragmentarische Videoclipästhetik auch umgekehrt in den Werken von Gegenwartskünstlern. Vielschichtige Soundlandschaften und Kurzfilme in schrillen Farben werden in die Videoinstallationen integriert oder untermalen Performances.

Jeremy Deller and Cecilia Bengolea: "Bom Bom’s Dream", 2016, Videostill

Nürnberg

Raumgreifend: Auf den ersten Blick erscheinen Peter Buggenhouts Objekte rästselhaft, beinahe wie Readymades. Der Betrachter sieht sich an Zeugnisse einer atomaren Katastrophe oder an Überreste eines eingestürtzten Gebäudes erinnert. Die amorphen Materialassemblagen spiegeln das Interesse des Bildhauers für unterschiedliche Werkstoffe wieder, sie erscheinen durch ihre undefinierbare Beschaffenheit jedoch weder real, noch als Imagination. Einen Querschnitt durch das Schaffen des international renommierten Belgiers zeigt nun das Neue Museum in Nürnberg. 

Peter Buggenhout: "On Hold#3", 2015, Installationsansicht Konrad Fischer Galerie

Stuttgart

Reproduzierbar: Bunt gescheckte Gesichter, pathetisches Mienenspiel, expressive Gestik – wer kennt sie nicht, die Drucke des Pop-Art-Protagonisten Roy Lichtenstein? Als eigenständige Kunstform erlebte die Druckgrafik, das einstige Transportmedium für Botschaften politischer oder religiöser Natur, in den Jahren zwischen 1960 und 1990 ein regelrechtes Revival. Eine Ausstellung in der Stuttgarter Staatsgalerie präsentiert nun rund 170 druckgraphische Werke US-amerikanischer Künstler. Arbeiten von Willem de Kooning, Bruce Naumann oder Louise Bourgeois bezeugen den Stilpluralismus dieser Zeit.

Roy Lichtenstein: "Sweet Dreams, Baby!", 1965, Farbsiebdruck, 95,5 x 70 cm

Weil am Rhein

Rebellisch: In postmoderner Manier stellte er als Kopf des Designkollektivs Memphis den Funktionalismus der klassischen Moderne grundlegend in Frage - stattdessen: phantasievolle Möbelkreationen in schrillen Farben und ungewöhnlichen Formen. Zum 100. Geburtstag des 2007 verstorbenen Ettore Sottsass, beleuchtet das Vitra Design Museum Stationen zu einer ungewöhnlichen, mit dem Massengeschmack brechenden Formensprache. Neben Schlüsselwerken der Designgeschichte verdeutlichen literarische Texte, Lyrik und Fotografien den Werdegang des Italieners.

Ettore Sottsass und Perry A. King: "Valentine, Reiseschreibmaschine", 1969, Hersteller: Olivetti

Wuppertal

Reduziert: In einer Einzelausstellung zeigt der Skulpturenpark Waldfrieden bedeutende Werke eines Protagonisten der Minimal Art: Imi Knoebel. Besonders das Verhältnis von raumgreifenden Körpern zu den flächigen, in Komplementärfarben ausgeführten Tafelbildern, spielt für die Arbeiten Koebels eine zentrale Rolle. Beispielhaft wird diese Beziehung durch die Arbeit "Raum 19" verdeutlicht - ein Werk, das in die frühen Phasen von Knoebels künstlerischem Schaffen verweist, die durch eine enge Zusammenarbeit mit Joseph Beuys gekennzeichnet war.

Imi Knoebel: "Union III", 2016