"Warten" in der Hamburger Kunsthalle

Geschichten vom Gedulden

Draußen steht ein Wartehäuschen mit Haltestelle, Bett und Kühlschrank und begrüßt die Besucher. Drinnen erzählen 23 internationale Künstler Geschichten von Menschen, die warten.

Was haben nigerianische Ölarbeiter, Arbeitslose in Großbritannien und Flüchtlinge in Berlin-Moabit gemeinsam? Sie alle müssen warten. Unter dem Titel "Warten. Zwischen Macht und Möglichkeit" zeigt die Hamburger Kunsthalle von Freitag an bis zum 18. Juni eine Ausstellung mit Werken von 23 internationalen Künstlern - von Duane Hanson über Andreas Gursky bis Bruce Nauman.

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"Das Warten gibt es nicht. Jedes Warten hat seine Geschichte. Die einen warten auf den Bus, die anderen auf die große Liebe. Für manche ist es geschenkte Zeit, für viele von uns eine Zumutung", sagte Kuratorin Brigitte Kölle am Donnerstag in Hamburg. Vor der Kunsthalle begrüßt die Installation "Wohnen mit Verkehrsanbindung" von Michael Sailstorfer die Besucher. Der Künstler aus Bayern hat ein ausrangiertes Wartehäuschen aus seiner Heimat aufgestellt und mit Bett, Küche und Toilette ausgestattet. Es soll den absurden Kompromiss zwischen dem Wunsch nach Sesshaftigkeit und dem Drang nach Mobilität symbolisieren.

Warten auf die Eltern

Im Untergeschoss begrüßt eine hyperrealistische Skulptur eines Obdachlosen des amerikanischen Künstlers Duane Hanson (1925-1996) die Besucher. Er hält ein Pappschild mit der Aufschrift "Will Work for food" in den Händen, hinter ihm erscheint ein Graffiti in den Farben "schwarz, gold, rot". Gleich daneben präsentiert der Künstler Bruce Nauman sein Video "Fat chance John Cage" mit einer nächtlichen Aufnahme aus seinem Atelier. Die ganze Zeit passiert nichts, bis eine Maus durchs Bild huscht. Das Werk versteht man besser, wenn man weiß, dass der Kater des Künstlers John Cage heißt.

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Sehr viel politischer wird es im 3. Obergeschoss: So porträtierte die Künstlerin Andrea Diefenbach für ihre bewegende Fotoserie "Land ohne Eltern" Menschen aus Moldawien, die für viele Jahre nach Italien gegangen sind, um zu arbeiten - während ihre Kinder zu Hause von den Großeltern betreut werden. Der britische Künstler Paul Graham zeigt in seiner Fotoserie "Beyond Caring" (1984) Arbeitslose in Großbritannien, die auf dem Arbeitsamt warten: Menschen blicken trostlos ins Leere, sind eingenickt oder stillen ihr Baby. Besonders aktuell ist die Arbeit des Künstlers Jens Ullrich. Auf Fotomontagen verarbeitet er seine Eindrücke, die er rund um das "Lageso", der Zentralen Aufnahmestelle für Geflüchtete in Berlin, gemacht hat.

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