Basel

Mystisches Unterfangen: Maria Loboda zeigt eine Gruppe neuer Arbeiten in der Kunsthalle Basel. Gleichzeitig ist es ihre erst institutionelle Einzelausstellung in der Schweiz. Die Erforschung des Archaischen, des Mystischen und des Metaphysischen durchzieht das gesamte bisherige Werk Lobodas. Die Installationen der polnischen Künstlerin bewegen sich an den Schnittstellen von Intrigenspiel, Fiktion, Esoterik und archäologischer Forschung und gehen fast immer von einem scheinbar übersehenen Detail aus, das sie ins Zentrum rückt.

Maria Loboda: "Young Warrior in the Landscape Watching the Birds Go By (Pastoral)", 2017, in "Havoc in the Heavenly Kingdom", Kunsthalle Basel, 2017

Berlin

Bizarrer Mikrokosmos: Der deutsche Aktionskünstler, Bildhauer und Zeichner John Bock schafft für die große Ausstellungshalle der Berlinischen Galerie eine Art »Bock-Universum« mit Arbeiten der letzten zehn Jahre. Die opulente Schau in der Berlinischen Galerie ist Freakshow, Bühne, Versuchslabor und Kino zugleich und überwältigt durch eine barocke Fülle an Bedeutungen. Am Abend der Eröffnung wird die Ausstellung zum Schauplatz für Live-Aktionen: Der Künstler tritt zusammen mit Schauspielern auf, mit dabei sind Lars Eidinger, Lisa Müller-Trede, Laurenz Leky und Kris Limbach.

John Bock: "Cowwidinok", 2013, Video, 82:30 Minuten

Berlin

Achten Sie auf das Kleingedruckte: Es ist die erste museale Einzelausstellung von Adrian Piper in Deutschland. Die US-amerikanischen Konzeptkünstlerin und Philosophin, die 2015 den Goldenen Löwen der Venedig-Biennale erhielt, lässt über den Zeitraum von sechseinhalb Monaten in der historischen Halle des Museums drei goldfarbene Tresen platzieren. Sie werden während der gesamten Laufzeit der Ausstellung Schauplatz einer Vertragsschließung: die Rezeptionisten ermöglichen den Besuchern einen Vertrag mit sich selbst einzugehen, in dem sich jeder Einzelne dazu verpflichtet, fortan das eigene Handeln an ethischen Prinzipien wie Ehrlichkeit und Verbindlichkeit auszurichten. Die Einträge werden in einem Verzeichnis erfasst, dem "Probable Trust Registry".

Adrian Piper: "The Probable Trust Registry: The Rules of the Game #1-3", 2013- 2017

 

Berlin

Mauer der Erinnerung: Mit seiner Ausstellung bespielt der US-amerikanische Künstler Adam Pendleton ein gesamtes Stockwerk der KW mit nur einer einzigen Geste – einer diagonal durch den Ausstellungsraum gezogenen Mauer. Zudem bekommen weitere Arbeiten Pendletons einen Platz auf der Wand: Poster, gerahmte Collagen und skulpturale Elemente auf Grundlage von Pendletons umfassendem Fundus an Archivmaterial. Darunter finden sich – vom konsequent durchgehaltenen Schwarzweiß vereinheitlicht – Bilder aus der Kunstgeschichte, von afrikanischen Unabhängigkeitsbewegungen, aus Gedichten oder aus dem französischen Kino. 

Adam Pendleton: "IF THE FUNCTION OF WRITING", 2017, Detail

Frankfurt am Main

Aufs Wesentlichste reduziert: Erstmals sind in einer umfassenden Schau die Meisterwerke der Minimal Art, die den Sammlungsschwerpunkt des Museum für Moderne Kunst in Frankfurt bilden, zu sehen. Serialität, Konzeptualität und industrielle Fertigung waren die neuen Prinzipien der Minimal Art. Mit ihren radikalen Werken in den 1960er-Jahren revolutionierten Künstler wie Carl Andre, Dan Flavin und Donald Judd die Kunst. Sie reduzierten ihre Arbeiten auf einfache übersichtliche und meist geometrische Grundstrukturen, sogenannte "Primary Structures". Mit dem Titel knüpft die Ausstellung im MMK 2 an die bahnbrechende gleichnamige Ausstellung im Jewish Museum in New York 1966 an.

Vordergrund: Donald Judd: "Untitled", 1967, Ausstellungsansicht MMK Museum für Moderne Kunst Frankfurt am Main

Frankfurt am Main

Neuentdeckung: Richard Gerstl wird als "erster österreichischer Expressionist" gehandelt und wird in einem Atemzug mit den großen Meistern der Wiener Moderne Gustav Klimt, Egon Schiele und Oskar Kokoschka genannt. Dennoch gibt es bedeutende Unterschiede zwischen Gerstls Malerei und jener seiner Zeitgenossen, den Wiener Secessionisten. 80 Arbeiten des österreichischen Expressionisten, der bis zu seinem Selbstmord im Alter von nur 25 Jahren, ein ungewöhnliches Œuvre mit beeindruckenden Höhepunkten und wegweisenden Neuerungen schuf sind nun in der Frankfurter Schau zu sehen. Das Porträt, vor allem das Selbstporträt, der Akt und die Landschaft sind Gerstls bevorzugte Genres.

Richard Gerstl: "Selbstbildnis als Halbakt", 1902/04, Öl auf Leinwand, 159 x 109 cm

Hamburg

Unfassbare Dimensionen: Hanne Darbovens Arbeiten sind der Inbegriff einer "Gepackten Zeit". Die Hamburger Schau setzt damit ihren Fokus auf Darbovens Zeit und Raum umfassenden Schreibarbeiten und den daraus resultierenden seriellen Blattfolgen, die mit Zahlenreihen, Schrift und später auch mit Bildmaterial gefüllt sind und oftmals durch dreidimensionale Objekte ergänzt werden. Die Ausstellung eröffnet einen neuen Blick auf das Schaffen der Konzeptkünstlerin, da sie im Dialog mit Werken von Künstlerfreunden wie Carl Andre und Sol LeWitt entsteht. Damals etablierte sich Hanne Darboven mit ihren Werken in einer von Männern dominierten internationalen Konzeptkunst-Szene.

Hanne Darboven in ihrem Studio, 1987/1988

Münster

Picasso im Porträt: Die unzähligen malerischen Porträts von Frauen, Geliebten, Musen und Freunden, aber auch von Sammlern und Galeristen dienten nicht nur zur Erprobung formaler Experimente, sie wurden zu einem autobiografischen Bekenntnis des Künstlers, in dem er sowohl psychologische Eigenschaften der Porträtierten festhielt, als auch seine persönliche Beziehung zu den Dargestellten im Bild reflektierte. Zudem ist Picasso einer der am häufigsten fotografierten Künstler des 20. Jahrhunderts. Ob bei der künstlerischen Arbeit im Atelier, in der Arena beim Besuch von Stierkämpfen, oder am Strand der Côte d'Azur – Picasso stand insbesondere ab den 1940er-Jahren im Fokus vieler bekannter Fotografen und diese trugen so zum "Mythos Picasso" bei. Zwei Ausstellungen im Kunstmuseum Pablo Picasso in Münster schärfen ihren Blick auf das fotografische Porträt und die Porträtkunst Picassos.

Pablo Picasso und Jacqueline Roque, Fotografie von David Douglas Duncan

Ravensburg

Massive Zeichnungen im Raum: Aktuelle Arbeiten von Robert Schad sind nun als ortsspezifische Rauminstallation eigens für die Ausstellung konzipiert worden. Ausgehend von Zeichnungen, mit denen er zunächst auf innerliche und geistige Impulse sowie atmosphärische Kontexte reagiert, entstehen durch Verschweißen von massiven Vierkantstahlstreben komplexe Linienskulpturen. Die Arbeiten des deutschen Stahlbildhauers formen den industriellen Werkstoff in expressive Skulpturen für den Innen- und Außenraum. Die Leichtigkeit der gestischen und konstruktiven Linienformen in Raum lassen die Schwerkraft des Materials Stahl förmlich vergessen.

Robert Schad mit Direktorin Nicole Fritz in der Ausstellung "Durch Zeit und Raum. Aktuelle Arbeiten von Robert Schad" im Kunstmuseum Ravensburg. Zu sehen sind die Arbeiten "PARRAS 2017" und "RUMONI 2017"

 

Schweinfurt

Einblick in die Denkweise eines Architekten: Unter dem Einfluss von Dada, Konstruktivismus und De Stijl schuf der deutsch-US-amerikanische Architekt und Bauhaus-Direktor Mies van der Rohe eine Vielzahl von Collagen, die auf faszinierende Weise die Gestaltungsprinzipien seiner Architektur verdeutlichen. In Kooperation mit dem Ludwig Forum Aachen werden 41 teils großformatige Collagen aus dem New Yorker Museum of Modern Art gezeigt. Diese werden durch ausgewählte Werke von Künstlern der Klassischen Moderne ergänzt, so finden sich Reproduktionen Paul Klees, Wassily Kandinskys und Wilhelm Lehmbruck in seinen Entwürfe.

Ludwig Mies van der Rohe: "Glass Skyscraper. Berlin, 1922", Modell

Stuttgart

Wie viel Krieg steckt in unserem Frieden? Das ist die zentrale Frage der Ausstellung Post-Peace des Württembergischen Kunstvereins. Künstler wie Lawrence Abu Hamdan, Sven Augustijnen, Ella de Búrca, Alevtina Kakhidze oder Yazan Khalili beschäftigen sich mit den Grenzen zwischen Frieden und Krieg und thematisieren die tabuisierte Debatte um Zensur, die die Freiheit der Kunst zunehmend einschränkt. Dabei spannt Post-Peace einen historischen Bogen, der vom Zweiten Weltkrieg bis heute reicht. Vor dem Hintergrund, dass die Geschichte bekanntlich immer von den Siegern geschrieben wird, geht es um einen kritischen Blick auf unsere Erinnerungskulturen und um eine Neubestimmung der historischen Diskurse.

  • "Post-Peace"
  • 25. Februar bis 6. Mai 2017
  • Württembergischer Kunstverein

Anna Dasović: "Und er wusste, dass jemand, der diese Dinge miterlebt hatte, zu fassungslos war um zu sprechen", 2016, zwei Videoprojektionen auf Leinwand, Loop, Tintenstrahldruck auf Baryt Papier, 26 x 31 cm, gerahmt, Maße variabel

Wien

Tabubruch als Prinzip: Egon Schieles Darstellungen ausgezehrter Körper in expressiven Gestiken zeigen eine damals wie heute radikale Ästhetik. Positioniert wird sein radikales Oeuvre in einer zwischen Moderne und Tradition gespaltenen Epoche, so widersprechen seine Werke dem Schönheitsideal der Secession um Gustav Klimt und stehen symbolhaft für die Entfremdung des Menschen von der bürgerlichen Gesellschaft und der Kirche. Die Schau mit 180 Arbeiten aus dem Sammlungsbestand der Albertina leitet den Auftakt zum Gedenken an den 100. Todestag des österreichischen Künstlers ein. Die Schau gibt einen Überblick über seine Entwicklung als Zeichner und Aquarellist und führt ein in sein zentrales Thema: die existenzielle Einsamkeit des Menschen

Egon Schiele: "Selbstbildnis mit Pfauenweste", 1911, Gouache, Tempera, Aquarell und blaue Kreide auf Papier, auf Karton aufgezogen

Wien

Künstlerische Systemkritik: Die Schau präsentiert und kontextualisiert die umfangreichen Recherchen und künstlerischen Arbeiten des US-Amerikaners Allan Sekula zum Thema Weltmeere und deren fragilen Ökosystemen. Eine zentrale Position nimmt darin Sekulas magnum opus "Fish Story" ein, das in neun Kapiteln anhand von Fotos und Texttafeln den maritimen Raum und die einschneidenden Effekte der Globalisierung dokumentiert. Thematisch widmet sich die Arbeit der Frage der Machtkonzentration im Seehandel und zeichnet die weltweiten Konstellationen aus Häfen, Werften und Containertransportsystemen auf.

Allan Sekula: "Middle Passage, chapter 3, from Fish Story", 1994, 22 Cibachrome Abzüge und 4 Texttafeln, Größe variabel

 

Zürich

Neuer Blick auf die Revolutionsgeschichte: Zum 100. Jahrestag der Russischen Revolution beleuchtet eine Sonderausstellung des Landesmuseums in Zürich die Beziehungen der Schweiz und Russland in einer Zeit des Umbruchs. Im Fokus steht der Aufenthalt Lenins in der Schweiz, wo er die theoretischen Grundlagen für den Aufstand der Proletarier erarbeitete. Die Ausstellung erzählt anhand von Fotos, Collagen, Dokumenten und Gemälden die Geschichte Russlands in dieser Epoche und die Auswirkungen auf die Schweiz. Es zeigen sich erstaunlich enge Verflechtungen zweier höchst unterschiedlicher Länder.

Gustav Klucis: "Unter dem Banner Lenins für den Sozialistischen Aufbau", 1930