Berlin

Unermütlich kritisch: Der Kunstrebell und Holocaust-Überlebende Boris Lurie (1924-2008) klagt auf seinen Werken eine Gesellschaft an, die eine Auseinandersetzung mit den großen Menschheitsverbrechen immer scheute. Dazu kommt Kritik am Kunstbetrieb, der für Lurie schon immer stärker am finanziellen Gewinn als an der künstlerischen Aussage interessiert war. Das Jüdische Museum in Berlin widmet dem Protagonisten der "NO!art"-Bewegung, einer lose Künstlergemeinschaft New Yorks, die sich entschieden gegen die Pop Art und den abstrakten Expressionismus wandte, eine Ausstellung mit zahlreichen Gemälden, Zeichnungen, Collagen, Texten und Skulpturen.

Boris Lurie: "No (Red and Black)", 1963, 65 x 89 cm

Bochum

Gott im Großstadtdschungel: Entgegen der These, dass sich in Westeuropa das Praktizieren von Glauben ins Private verlagert habe, untersucht eine fotografische Ausstellung im Kunstmuseum Bochum, wie und wo sich heute Religion und Glaubenspraxis im öffentlichen Raum entdecken lassen. Als Beispiele dienen Amsterdam, Berlin und London – drei Städte, die zwar als stark säkularisierte Orte gelten, in denen sich jedoch mehr religiöse Spuren finden als erwartet.

  • The Urban Sacred. Städtisch-religiöse Arrangements in Amsterdam, Berlin und London
  • 27. Februar bis 3. April 2016
  • Kunstmuseum Bochum

Henriette Kriese: "Tor zum Crossbones Friedhof, London"

Bonn / Köln

Mensch im Bild: Aktuelle Porträtfotografien zeitgenössischer Künstler werden in einer Doppelausstellung im Rheinland vereint. Die Bonner Schau konzentriert sich dabei auf deutsche Positionen wie Katharina Bosse, Annette Kelm, Peter Piller, Thomas Struth oder Wolfgang Tillmans, die sich dem Thema auf künstlerisch-konzeptuelle Weise nähern. In Köln liegt der Fokus auf internationalen Künstlern wie Mette Tronvoll, Pieter Hugo oder auch Diane Arbus, die mit ihren Porträts eher einen seriellen oder dokumentarischen Ansatz verfolgen.

Wolfgang Tillmans: "Domestic scene, Remscheid", 1991, C-Print

Duisburg

Identität und Technik: Skulpturen, Fotografien und teilweise interaktive Installationen der Medienkünstlerin Lynn Hershman Leeson analysieren die Formbarkeit und Flexibilität von Identität im Zeitalter digitaler Medien. Die Schau im Lehmbruck Museum in Duisburg versammelt zahlreiche Werke der Kalifornierin und wird um Arbeiten von Sophie Calle, Cindy Sherman, Marie Simmons und Adam Bartholl ergänzt, die sich ähnlich kritisch mit der Thematik auseinandersetzen.

  • Liquid Identities – Lynn Hershman Leeson
  • 28. Februar bis 5. Juni 2016
  • Eröffnung am 27. Februar um 16 Uhr in Anwesenheit der Künstlerin
  • Am 8. März 2016 um 17:00 Uhr findet eine Sonderführung zum Weltfrauentag statt.
  • Lehmbruck Museum, Duisburg

Lynn Hershman Leeson: "Reach", 1986

Frankfurt

Ganz schön schräg: Im 16. Jahrhundert begannen in Italien die Maler, gegen die ehernen Regeln der Renaissance-Malerei zu verstoßen. Groteske Körper, zu lange Finger und verbogene Gliedmaßen lösten das Ebenmaß ab. Jahrhundertelang taten sich Kunsthistoriker und Publikum schwer mit der Malerei des Manierismus und deren verzerrte Kompositionen. Nun wagt das Frankfurter Städel eine Neubestimmung mit einer Ausstellung mit Werken von Pontormo, Bronzino und Parmigianino. Lesen sie hier mehr zur Ausstellung.

Frankfurt

An der Wand: Gemäuer, weiß gewaschene Leinwände, Pressspanplatten, Teerpappe – für Joan Miró war der Maluntergrund oft der entscheidende Ausgangspunkt seiner abstrakten Kompositionen. Eine konzentrierte Ausstellung in der Schirn Kunsthalle präsentiert die Kunst des spanischen Malers unter diesem Aspekt und untersucht den Schaffensprozess seiner großformatigen Werke.

Joan Miró: "BlauI/III, 4. März 1961", Öl auf Leinwand, 270 x 355 cm

Hamburg

Punks not dead: Der US-Künstler Raymond Pettibon stammt aus dem Umfeld der kalifornischen Post-Punk- und Hardcore-Szene. In seinen Zeichnungen verarbeitet er popkulturelle und historische Zitate zu komplexen Text-Bild-Assemblagen. Er gestaltete zahlreiche Plattenhüllen, Flyer und kleine DIY-Magazine, zeichnete Comics und schuf seit den Siebzigern unzählige  Werke, die sich mit Geschlechter-, Rassen- und Familienbeziehungen, Religion, Krieg und Drogen auseinandersetzen. Die Deichtorhallen präsentieren in den Räumen der Sammlung Falckenberg auf vier Stockwerken mit rund 700 Werken die bisher größte und umfassendste Schau des Amerikaners.

Raymond Pettibon: "No title (In all of)", 1983, Schreibstift und Tusche auf Papier, 27,9 x 21,6 cm

Hannover

Die Kunst der Satire: Gleich zwei Ausstellungen eröffnen diese Wochen im Wilhelm Busch Museum für Karikatur und Zeichenkunst in Hannover. "Gesichter um 1900“ widmet sich den Zeichnungen von Eduard Thöny, der mit seinen Zeichnungen die Ästhetik des satirischen Wochenblatts "Simplicissimus“ essentiell prägte. "Rudi Hurzlmeier – Malerei“ zeigt großformatige Gemälde des Cartoonisten, der mit seinen frech-humorvollen Zeichnungen und Comics für Magazine wie "Titanic“, "Eulenspiegel“ oder "Stern“ berühmt wurde. Viele dieser Werke entstanden in Zusammenarbeit mit Harry Rowohlt, dem die Ausstellung gewidmet ist.

Eduard Thöny: "In Paris", 1900

Herford

Achtung, fliegende Spione! Beide stehen für die Erkundung der Welt von oben, für flexible Flugmanöver und auch für unentdeckte, lautlose Spionage. Während der fliegende Teppich, das magische Knüpfwerk orientalischer Märchen, als mythisches Symbol für unbegrenzte Möglichkeiten steht, können Drohnen heute ganz real als Hobbyspielzeug, für Warentransport und leider auch als todbringendes Kriegsgerät eingesetzt werden. An diesen Schnittstellen knüpft eine Ausstellung in Herford mit Werken von Cai Guo-Quiang, Alicia Framis, Slavs and Tatars, Krištof Kintera, Li Wei oder Urs Lüthi an. Parallel zu dieser künstlerische Flugshow läuft im Marta noch bis zum 1. Mai die Ausstellung "Brutal Schön" mit Motiven der Gewalt im Gegenwartsdesign.

Li Wei: "Beyong Gravity # 6", 2010, C-Print auf Dibond, 150 x 100 cm

München

Spannung bis zur letzten Minute: Auf was hat man sich da bloß eingelassen? Auf Ola Vasiljeva, die jetzt ihre multimedialen Arbeiten (Skulpturen, Videos, Zeichnungen, Installationen und Diashows) auf gekonnt theatralische Weise im Münchner Kunstverein inszeniert. Der eigentlichen Ausstellung geht nämlich ein mysteriöser Kunsttransport voraus. Die Künstlerin ließ ihr Gesamtwerk aus Depots in den Niederlanden und in Düsseldorf nach München liefern und entscheidet erst vor Ort, welche Exponate in die Schau aufgenommen werden und welche nicht. Teil der Ausstellung sind außerdem vergessene Dachbodenschätze und ein Audioguide für Dialekte.

  • Ola Vasiljeva. You’ve got beautiful stairs, you know
  • 27. Februar bis 24. April 2016
  • Eröffnung am 26. Februar 2016 um 19:00 Uhr
  • Kunstverein München

Ola Vasiljeva: "Analogue slide of 'The Limp of a Letter'", 2014

Weil am Rhein

Die neue Schirmherrschaft: Als sogenanntes "Umbrella Movement“ prägten sich die Proteste in Hongkong im Rahmen der Occupy-Bewegung 2014 ein. Regenschirme, die vor dem Pfefferspray der Polizei schützten, sind nur ein Beispiel für Alltagsgegenstände, die zum politischen Symbol und Instrument geworden sind. Mit dieser Art der Neuerfindung und Umdeutung von eigentlich banalen Objekten beschäftigt sich eine Ausstellung im Vitra-Design-Museum in Weil am Rhein.

Improvisiertes Dach aus Regenschirmen, Hong Kong, 2014

Wien

Radikal russisch: Von der dynamischen Funktion des Primitivismus über den Kubo-Futurismus bis zum Suprematismus – die russische Avantgarde gilt als die wahrscheinlich radikalste Erneuerung in der Kunstgeschichte des Landes. Die Ästhetik bewegt sich dabei zwischen gegenständlichem Expressionismus und reiner Abstraktion. Mit rund 130 Arbeiten von Kasimir Malewitsch, Wassily Kandinsky, Marc Chagall, Natalja Gontscharowa oder Alexander Rodtschenko bietet eine umfassende Schau in der Wiener Albertina einen Überblick auf diese unglaublich vielseitige Phase.

  • Chagall bis Malewitsch. Die Russischen Avantgarden
  • 26. Februar bis 26. Juni 2016
  • Albertina Wien

Marc Chagall: "Der Geigenspieler", 1912

Zürich

Pionierin der Videokunst: In den Achtzigern erlange Pipilotti Rist Bekanntheit mit ihren ironisch-unterhaltsamen Videos. In einer raumumfassenden Gesamtinstallation in der Kunsthalle Zürich kombiniert die Medienkünstlerin alte Arbeiten nun mit neuen technischen Experimenten, die speziell für die Zürcher Räume konzipiert sind. Die Ausstellung wird von einem Rahmenprogramm mit Workshops und Performances begleitet.

  • Pipilotti Rist. Dein Speichel ist mein Taucheranzug im Ozean des Schmerzes
  • 26. Februar bis 8. Mai 2016
  • Kunsthaus Zürich
  • Performance mit Eugénie Rebetez am 14., 16. und 17. April 2016
  • Kinderfilmworkshop am 26. Februar und April 2016

Pipilotti Rist: Ausstellungsansicht von "Die Geduld" im Kunsthaus Zürich, 2016, Videoinstallation