Gib mir Fünf! - Ausstellungstipps

Die fünf Ausstellungstipps der Woche

Jeden Donnerstag präsentieren wir Kunst, die Sie auf gar keinen Fall verpassen sollten. Diese Woche mit Federboas in Bern, dem Supereventgesamtkunstwerk in Hamburg und Klimaarchitektur in Frankfurt.

Bern: Toulouse-Lautrec und die Photografie

Cancan-Tänzerinnen, Strumpfbänder, Federboas, Glitzerpailletten und viel viel Schminke – das Pariser "Moulin Rouge" war Stammlokal und zugleich Inspirationsort für den legendären Künstler Henri de Toulouse-Lautrec. Wie kein Zweiter hielt er in seinen Werken den Fin-de-Siècle-Wirbel auf den Straßen der Großstadt, die Shows der Varietés und das Treiben im Vergnügungsviertel Montmartre fest.

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Toulouse-Lautrec war, wie der Kunsthistoriker Meier-Graefe feststellte, ein "drolliger Zwerg", wobei ihn seine geringe Körpergröße von 1,52 Meter nicht davon abhielt, ein bedeutendes und immenses Werk zu hinterlassen. Sein Bildprinzip der engen Ausschnitte und Perspektiven mit stürzenden Linien bezeugen sein großes Interesse für die Fotografie. Das "fotografisches Auge" des Post-Impressionisten ist der Rote Faden einer Ausstellung im Berner Kunstmuseum. Seine Werke werden hier zum ersten Mal direkt mit den zugrundeliegenden Fotografien konfrontiert. Dass es hier so einige zur Dress-Up-Party inspirierende Fotofunde gibt, ist nur eine der Überraschungen, welche die Ausstellung verspricht.

Für: Federboaschwinger und Lebemänner

Die Ausstellung findet vom 28. August 2015 bis 13. Dezember 2015 im Kunstmuseum in Bern statt.

Frankfurt: Tropicality Revisited – Neue Ansätze indonesischer Architekten

"Das _ ist | das / Haus | vom \ ..." Als Kind lernt es jeder. Ein Haus braucht Wand, Dach, Tür und Fenster. Fertig. Doch so einfach ist es selbstverständlich nicht. In der Architektur von Gebäuden manifestieren sich kulturelle ebenso wie klimatische Bedingungen, die verschiedenste Formen und Gestaltungsweisen ergeben. Besonders in Zeiten des weltweiten Klimawandels nimmt der Begriff "klimatisch adaptierte Architektur" zentrale Bedeutung an. Starke Bezüge und Wechselwirkungen zur Umwelt zeigt ein Blick auf das klimatisch angepasste Bauen indonesischer Architekten. Monsun und tropisches Klima bestimmen Form und Funktion der Bauwerke und prägen sich in Charakteristiken wie Steildächern und Dachüberständen aus. Im Rahmen der Ausstellung im Deutschen Architekturmuseum werden Zeichnungen, Fotografien, Entwürfe, Diashows und Maßstabsmodelle präsentiert, in denen besonders zur Geltung kommt, wie mit dem Aufstieg der Architekturmoderne neue Lösungen gefunden wurden, die auch von der tropischen Architektur inspiriert sind.

Für: Häuslebauer und Stadtplaner


Die Ausstellung findet vom 29. August 2015 bis 3. Januar 2016 im Deutschen Architekturmuseum in Frankfurt am Main statt.

Hamburg: 08/15 – Eine Stadt sucht den Anschluss

Es gibt Leute, die wollen alles auf einmal – und hier bekommen sie es endlich. In einer Instantveranstaltung erschaffen die Hamburger Künstler Filomeno Fusco, Björn Salzer und Hartmut Gerbsch ein "Supereventgesamtkunstwerk" und nehmen damit die ausufernde Eventkultur von Großstädten aufs Korn. Der achtstündige Marathon komprimiert die Event-Ekstase der Superlative als Musical, Ausstellung, Festival, Kunstbiennale, Vergnügungsbude, Mega-Party und einem Performancespektakel. Was hier nicht stattfindet, wurde wohl noch nicht erfunden. Durch das Programm werden Siri Keil von ByteFM und der Fotokünstler Miguel Martinez führen und zahlreiche weitere Kulturschaffende aus dem Stadtteil thematisieren die Inflation der Eventveranstaltungen im Vergnügungsviertel. Wer ungern etwas verpasst, sei es nur das Next-Big-Thing – auf nach St. Pauli.

Für: Effekthascher und Domophobe.

Die Performance findet am Samstag den 29. August 2015 ab 20 Uhr auf dem Millerntorplatz (St. Pauli) in Hamburg statt.

Halle an der Saale: Sammlung Gerlinger – Kraft des Aufbruchs

"Jeder gehört zu uns, der unmittelbar und unverfälscht wiedergibt, was ihn zum Schaffen drängt" – so formulierten 1906 die Brücke-Künstler ihre Bestrebungen in ihrem Manifest. Wovon sie sich künstlerisch abgrenzen wollten, wussten die Vorreiter des Expressionismus in Deutschland genau – wohin sie ihr Weg führen würde, war hingegen nie explizit festgelegt. Die Resultate der Auflehnung der Maler um Ernst Ludwig Kirchner gegen die vorherrschende akademische Kunstausbildung können ab dem 30. August in einer Sonderausstellung im Kunstmuseum Moritzburg gesehen werden. Die Künstlerfreunde sind gleichermaßen durch Fritz Bleyl, Erich Heckel und Karl Schmidt-Rottluff vertreten und die Sammlung Gerlinger zeichnet sich besonders durch die Präsentation von Werken aller Schaffensphasen der Avantgardisten von 1906 bis 1964 aus. Dem Besucher wird so ermöglicht, selbst die Suche der Maler nach frischen, unmittelbaren Ausdrucksformen zu verfolgen und den neuen Weg nachzuvollziehen, der den Expressionisten geebnet wurde.

Für: Junge Wilde und Primitivisten

Die Ausstellung findet vom 30. August 2015 bis 30. Oktober 2016 im Kunstmuseum Moritzburg in Halle (Saale) statt.

Berlin: Kunst/Natur – Künstlerische Interventionen im Naturkundemuseum

Nicht nur "Nachts im Museum" können naturkundliche Exponate kopfstehen – auch wenn Künstler ihre Finger im Spiel haben, ergeben sich völlig neue Sichtweisen auf staubige Ausstellungsstücke. Das Museum für Naturkunde Berlin öffnet ein neues Experimentierfeld und bezieht Künstler in den Prozess der Naturforschung ein. In einer Reihe von Interventionen, die nun in die erste Runde gehen, stellten sich die Kuratoren dem Experiment, wie die Wahrnehmung der Exponate verändert werden kann und welchen veränderten Ansatz die künstlerische Erforschung der Welt gegenüber dem naturwissenschaftlichen Sammeln und Forschen verfolgt. So gibt es nun eine Klanginstallation der Kabeljau-Paarungsgeräusche zu hören, eine offizielle Ankündigung vom Ende der Welt und grundlegende Überlegungen und Verbildlichungen der Frage, wie verschiedene Organismen eigentlich ihre Umwelt sinnlich wahrnemen. Auf zur museal-künstlerischen Kreativschlacht nach Berlin!

Für: Museumswächter und Perspektivwechsler

Die Ausstellung findet vom 27. August 2015 bis 29. November 2015 im Museum für Naturkunde in Berlin statt. Die Performance "Das Ende der Welt" von Saâdane Afif wird am 29. November um 19:30 Uhr zu sehen sein.