Gib mir Fünf! - Ausstellungstipps

Die fünf Ausstellungstipps der Woche

Diesmal mit Cevdet Erek, KW works – Kunstlotterie , Chloe Piene, Sinfoniekonzert mit Multimedia-Projektion von J. Henry Fair und "Encyclothek"

Weimar: "Das Lied von der Erde heute" – Sinfoniekonzert und Multimedia-Projektion von J. Henry Fair

In Weimar findet dieses Wochenende etwas ziemlich Einzigartiges statt: ein Klassikkonzert für Umweltaktivisten. Die Staatskapelle Weimar führt unter Leitung von Stefan Solyom an zwei Abenden Gustav Mahlers "Das Lied von der Erde" auf, einen schwermütigen sinfonischen Liederzyklus über Jammer und Schönheit des Erdendaseins. Dazu zeigt J. Henry Fair als multimediale Projektion seine Fotoserie "Industrial Scars". Der New Yorker Fotograf, der sich auch als Umweltaktivist versteht, dokumentiert seit vielen Jahren die "industriellen Narben", die im Dienste des Fortschritts oder gesteigerten Profitinteresses der Umwelt zugefügt werden.

Seine Luftaufnahmen von radioaktivem Schlamm, der sich in den Golf von Florida ergießt, von giftig blühenden Filterteichen von Papierfabriken oder kahlgekratzten Bergen in Kohleabbaugebieten sind oft von verstörender Schönheit – ähnlich wie Mahlers Musik, die jetzt zusätzlich auch das Umweltbewusstsein schärfen könnte. Von dem ungewöhnlichen Projekt erhoffen sich die Macher, dass Musik, Bilder und Texte miteinander in einen Dialog treten und neue Wege der Interpretation eröffnen: "Die Erde, Gottes unvergängliche Schöpfung, ist in ernsthafter Gefahr. Nach allem, was bereits geschehen ist, kann nicht mehr als gewiss gelten, dass die Sonne bis in alle Ewigkeit aufgehen wird. Und es ist der Mensch, der dabei ist, seine Welt achtlos zu zerstören."

Weimarhalle: 15./16. Januar, 19.30 Uhr, www.nationaltheater-weimar.de

Berlin: KW works – Kunstlotterie

Letzte Gelegenheit, um ein Los für die Kunstlotterie "KW works" zu erwerben: Für 100 Euro können Loskäufer mit etwas Glück in den Besitz eines Skateboards von Olafur Eliasson, eines Posters von Carsten Nicolai oder einer Arbeit von Monica Bonvicini, Angela Bulloch, Wim Delvoye, Petrit Halilaj, Via Lewandoswky, Thomas Rentmeister, Anselm Reyle, Pipilotti Rist, Katharina Sieverding oder Andreas Slominski kommen. Insgesamt sind 69 Kunstwerke zu gewinnen. Der Erlös fließt dem KW Institute for Contemporary Art zu. Ein Trost für alle, die am Ende nicht das große Los gezogen haben: Für Nietenzieher halten die Freunde der KW, die das Gewinnspiel initiiert haben, eine Edition des Künstlerkollektivs FORT bereit.

KW Institute for Contemporary Art, 13. Januar, Lose können am 12. Januar online erworben werden, am 13. Januar nur noch an der Kasse der KW (bis 19 Uhr). Die Verlosung findet am 13. Januar ab 19 Uhr in den KW statt. Übersicht der Werke und Losverkauf über www.kw-freunde.de

Basel: Cevdet Erek

Eine blinkende LED-Anzeige an der Fassade der Kunsthalle strahlt Partyatmosphäre aus. Auch im Inneren nimmt Cevdet Erek für seine Ausstellung Elemente der Clubkultur auf: Ein Lautsprecherturm spielt Schlagzeug-Samples ab; sie wurden aus sieben Beats komponiert, die für die sieben Wochentage stehen. Mit Arbeiten wie "Week" (Woche) (2012) oder auch "Lineale und Rhythmusstudien" (präsentiert unter anderem bei der Istanbul Biennale 2011) spielt der 1974 geborene Künstler mit der Taktung und Strukturierung von Zeit. Erek, der nach einem Architekturstudium am Zentrum für Musikwissenschaft der TU Istanbul promovierte und als Schlagzeuger der experimentellen Rockband Nekropsi in Istanbuls Musikszene aktiv ist, erzeugt seine Sounds mit zum Teil einfachsten Mitteln: durch das Trommeln der Finger auf der Tischplatte oder das Reiben seiner Hände auf Teppich, das ein Geräusch ähnlich dem Meeresrauschen erzeugt (auf seiner Website lädt er dazu ein, alles gleichzeitig abzuspielen). Echte Clubatmosphäre kommt in Ereks erster institutionellen Einzelausstellung in Europa dann spätestens bei seiner Liveperformance in der Baseler Kunsthalle am morgigen Freitagabend auf.

Kunsthalle Basel, 13. Januar bis 4. März, Eröffnung am Donnerstag, 12. Januar, 19 Uhr; Live Sound Mix von Cevdet Erek ("Several Types of Museum Audience Gathered Together in an Installation and Growing with a Week") am Freitag, 13. Januar, 21 bis 1 Uhr

Nürnberg: Encyclothek. Ausgewählte Objekte aus der Sammlung Fukurô

Ausgewählte Objekte von neun jungen Künstlern aus dem Bestand des japanischen Privatsammlers Yasha Fukurô werden ab dem 18. Januar im Kunsthaus Nürnberg zu sehen sein. Soweit hört sich das alles nach einer ganz "normalen" Ausstellung an, wäre da nicht das Wort "fiktiv". Denn die Ausstellung Encyclothek dreht sich um die Erfindung der Figur des Sammlers Yasha Fukurô, Alleinerbe einer Großindustriellendynastie, etwa 1940 geboren und kürzlich gestorben. Konzipiert wurde dieser japanische Sammler von den Nürnberger Künstlern Matthias Böhler, Sebastian Hein und Christian Orendt. Diese übernehmen gleichzeitig die Rollen der fiktiven Nachlassverwalter. Durch die Auswahl repräsentativer Objekte aus der Sammlung Fukurô versuchen die drei Künstler, den persönlichen Blick des Japaners auf westliche Kunst und Kulturgüter zu rekonstruieren. In der Ausstellung im Nürnberger Kunsthaus vermischen sich also künstlerische und kuratorische Praxis. Böhler, Hein und Orendt schaffen zum einen durch das Konzept der fiktiven Sammlung einen Interpretationskontext, in dem die Kunstobjekte anders gelesen werden. Und zum anderen befüllen sie diesen Kontext zum Teil auch mit eigenen Werken. Weitere Künstler wurden eingeladen, durch ihre Arbeiten die Präsentation der Sammlung zu bestücken. Beispielsweise Felix Burger, dessen pseudodokumentarischer Kurzfilm mit und über den japanischen Sammler Yasha Fukurô in die Ausstellungsinstallation integriert ist.

Kunsthaus Nürnberg, 19. Januar bis 18. März, Eröffnung am Mittwoch, 18. Januar, 20 Uhr

Berlin: Chloe Piene – "Eiserne Frau"

Chloe Pienes künstlerische Arbeit bewegt sich zwischen Gegensätzen wie beständig und flüchtig, fest und formbar oder Spannung und Nachgiebigkeit. Piene arbeitet mit den verschiedensten Materialien wie Wachs, Gips, Eisen oder auch Plastilin, die beliebte Kinderknetmasse. Der Fokus liegt dabei auf den Aggregatzuständen des jeweiligen Materials, auf dem Prozess der Verwandlung und Transformation. So entstehen Eruptionen aus Gips, maskenartige Gesichtsabdrücke oder auch eine Oktopus-Hand. In ihren Werken spielt Piene mit den unterschiedlichen Qualitäten aber auch Gemeinsamkeiten der Materialien. Die amerikanische Künstlerin arbeitet ebenso mit verschiedenen Medien, Zeichnung, Skulptur, Film oder Video.

Galerie Barbara Thumm, Berlin, 14. Januar bis 3. März, Eröffnung am Freitag, 13. Januar, 19 bis 21 Uhr